"Geht ohne Furcht, um zu dienen"

Aufforderung von Papst Franziskus an die drei Millionen Teilnehmer der Abschlussmesse des WJT

Rio de Janeiro, (ZENIT.org) Luca Marcolivio | 745 klicks

In seiner Homilie zur Abschlussmesse erinnerte Papst Franziskus die in Copacabana versammelten drei Millionen jugendlichen Pilger an den missionarischen Geist des diesjährigen Weltjugendtags in Rio de Janeiro und forderte sie zu einem Leben im Dienst des Nächsten auf, ganz nach dem Vorbild Jesu Christi.

Der am berühmten Strand von Rio gefeierten heiligen Messe, an der etwa drei Millionen Menschen teilnahmen (eine Million mehr als an der Gebetswache des Vorabends), gingen die Grußworte des Erzbischofs von Rio de Janeiro, Msgr. Orani João Tempesta, voraus.

„Wir hoffen, dass die Früchte dieser Tage dazu beitragen werden, eine Kirche zu bilden, die stärker unter den Armen, Kranken und Hilfsbedürftigen anwesend ist, und dass die Jugendlichen, die Akteure der Zukunft, Erbauer jener Kultur der Liebe sein werden, von der Jesus träumte“, so die Worte des Erzbischofs.

Im Licht des heutigen Evangeliums steht auch die Aufforderung des Heiligen Vaters: „Geht ohne Furcht, um zu dienen“, die fast wie eine Ergänzung zum Motto des diesjährigen Weltjugendtags klingt: „Geht hin, und macht alle Völker zu meinen Jüngern“.

Was das „Gehen“ anbelangt, fand der Papst deutliche Worte: Das „schöne Erlebnis“ des WJT dürfe nicht „in eurem Leben oder im engen Kreis eurer Pfarrei, Bewegung oder Gemeinde eingeschlossen“ bleiben. Das wäre etwa so, wie wenn man „einer brennenden Flamme den Sauerstoff entziehen“ wolle. Der Glaube sei „eine Flamme, die umso lebhafter brennt, je mehr man sie mit anderen teilt.“

„Geht hinaus, und macht Jünger“ sei keine gutgemeinte Empfehlung, sondern ein klarer Befehl, den Jesus an uns richte; ein Befehl jedoch, der „nicht aus dem Willen zur Macht und Herrschaft entspringt, sondern aus der Kraft der Liebe Jesu, der sein Leben hingab, um uns zu retten und uns die Liebe und Barmherzigkeit Gottes zu zeigen.“ Jesus, der uns „nicht als Sklaven, sondern als freie Menschen behandelt“, sei auch „in dieser Mission der Liebe“ immer an unserer Seite.

Jesus sende uns in die ganze Welt, denn sein Evangelium sei nicht allein jenen vorbehalten, „die uns näher, bereitwilliger, freundlicher erscheinen.“ Christus müsse „überallhin getragen werden, bis an die Peripherien des Daseins, auch zu denen, die die Fernsten und Gleichgültigsten zu sein scheinen.“

Einen besonderen Aufruf richtete der Heilige Vater an die Jugend des Gastgeberlandes: „Brasilien und ganz Lateinamerika, ja die ganze Welt braucht Christus!“ Er erinnerte an einen „großen Apostel Brasiliens“, den seligen José de Anchieta, der „in seine Mission aufbrach, als er nur neunzehn Jahre alt war“: ein Jugendlicher seiner Zeit, ein Altersgenosse der jungen Teilnehmer am WJT.

Den zweiten Gedanken – „Geht ohne Furcht“ – bezog der Papst vor allem auf die Furcht oder Sorge, für die Verkündung des Evangeliums „nicht hinreichend qualifiziert zu sein.“ Die Unsicherheit, die ein junger Apostel des 21. Jahrhunderts verspüren könne, sagte der Heilige Vater, sei dieselbe, die der Prophet Jeremia empfand, als er sagte: „Ich kann doch nicht reden, ich bin noch so jung“ (Jer 1, 7.8). Jesus jedoch habe uns versprochen: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20) und habe uns aufgefordert, uns nicht zu fürchten.

Außerdem habe Christus nicht gesagt „Geh!“, sondern „Geht!“, betonte der Papst weiter: „Wenn wir den Herausforderungen gemeinsam entgegentreten, sind wir stark und entdecken Kräfte, von denen wir nicht wussten, dass wir sie besitzen. Jesus hat die Apostel nicht dazu berufen, isoliert zu leben; er hat sie berufen, damit sie eine Gruppe, eine Gemeinde bilden.“

Der Heilige Vater forderte auch alle anwesenden Priester auf, die Jugend in ihren Gemeinden immer zu unterstützen und sie „mit bereitwilliger Freude zu begleiten“, damit sie zu aktiven Mitgliedern der Kirche würden.

Man gehe auf Mission, um zu dienen, erklärte der Heilige Vater abschließend. Das bedeute, dass man sich die Gefühle, Taten und Gedanken Jesu zum Vorbild nehmen müsse, dessen Leben „den anderen gehörte“ und „ein Leben im Dienst“ gewesen sei.

Evangelisieren, erklärte Franziskus, bedeute „persönlicher Zeuge der Liebe Gottes zu werden, unseren Egoismus zu überwinden und zu dienen, indem wir unseren Brüdern die Füße waschen, wie Jesus es getan hat.“

„Geht ohne Furcht, um zu dienen“: Diesem Gebot Folge zu leisten bedeute, im eigenen Leben zu erfahren, dass „die, die das Evangelium bringen, es empfangen, und dass denen, die die Freude im Glauben vermitteln, Freude geschenkt wird.“

Das Evangelium in die Welt tragen bedeute, wie Gott es Jeremia verheißen hatte (vgl. Jer 1,10), die Macht besitzen, „Gewalt und Böses zu überwinden und die Mauern des Eigensinns, der Intoleranz und des Hasses zu durchbrechen.“

Papst Franziskus beendete seine Homilie mit dem Aufruf: „Jesus Christus zählt auf euch! Die Kirche zählt auf euch! Der Papst zählt auf euch! Maria, die Mutter Jesu und unser aller Mutter, begleite euch immer mit ihrer Fürsorge: Geht hin, und macht alle Völker zu Jüngern Jesu.“

Am Ende der Eucharistiefeier richtete der Präsident des Päpstlichen Rats für die Laien, Kardinal Stanisław Ryłko, einige kurze Dankworte an den Papst: „Heiliger Vater, diese jungen Menschen haben nach Ihrer Wahl zum Nachfolger Petri in Ihnen einen liebevollen Vater und einen Freund gefunden, dem sie vertrauen können. In Ihren immer freundlichen und einfachen Worten finden sie die Antwort auf die zahlreichen Fragen, die ihre Herzen bewegen.“

Kardinal Ryłko eröffnete auch die Übergabe des Missionsauftrags und einer kleinen Reproduktion der Christusstatue vom Corcovado sowie eines Gebetsbuches als Geschenk des Heiligen Vaters an fünf junge Paare.