Geist der Heiligkeit

Impuls zum Pfingstfest

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Von Msgr. Dr. Peter von Steinitz*

MÜNSTER, 25. Mai 2012 (ZENIT.org). - Der Heilige Geist, die dritte Person des dreifaltigen Gottes, steht auf den ersten Blick ein wenig im Schatten der anderen zwei göttlichen Personen. Der hl. Josefmaria nennt ihn den „Großen Unbekannten“. Das Wort klingt verfremdend, als wäre es ein amerikanischer Filmtitel, aber Verfremdung kommt tatsächlich immer wieder vor beim Nachdenken und Sprechen über den göttlichen Geist.

Immer wenn wir versuchen, uns mit unserem begrenzten menschlichen Erkenntnisvermögen dem Geheimnis der Dreifaltigkeit anzunähern, drei Personen und doch nur ein Gott, stellen wir fest, dass wir uns den Vater und den Sohn relativ gut vorstellen können: Jesus, den Sohn Gottes, am einfachsten, da er nicht nur Gott, sondern auch Mensch ist und auch ausdrücklich gesagt hat, dass seine Menschheit die Gottheit widerspiegelt. Überdies sagt er zu Philippus: „Wer mich sieht, sieht den Vater“ (Joh 12,45). Auch der Ewige Vater, der keine Gestalt hat, ist aufgrund dieses Wortes Jesu in gewissem Sinne vorstellbar, zumal jeder Mensch einen Begriff von Vaterschaft hat, jeder hat ja einen Vater und kann diese Vorstellung auf den unendlich großen Vater übertragen.

Vom Heiligen Geist jedoch können wir uns kein Bild machen. Die überlieferten Bilder, Taube, Feuerflamme, Wasserrauschen, Windesbrausen, sind nur Symbole, die den Gemeinten zusätzlich verfremden. Kein Wunder, dass die christliche Theologie in den ersten Jahrhunderten Schwierigkeiten hatte, dem Heiligen Geist die gleichen Eigenschaften (unendlich vollkommen, allmächtig, allwissend etc.) zuzuschreiben wie den anderen beiden göttlichen Personen. Es gab sogar die Irrlehre des sog. Subordinatianismus, so als wäre der Heilige Geist den anderen beiden Personen unter- oder nachgeordnet.

Ich glaube, es ist eines der vielen Zeichen der Güte und Barmherzigkeit Gottes, dass er im christlichen Altertum eine ganze Reihe von Irrlehren zuließ, denn diese führten dazu, dass die Christen, die damals wie zu allen Zeiten zur Bequemlichkeit neigten, sich in der Auseinandersetzung mit diesen Häresien mit besonderem Einsatz bemühten, die dogmatische Wahrheit so klar und unmissverständlich wie möglich zu formulieren. Hier bewahrheitete sich wieder einmal das Wort des hl. Paulus „Denen, die Gott lieben, gereicht alles zum Guten“ (Röm 8,28). Ohne die Irrlehren wäre es vielleicht nie zu klaren Glaubensaussagen gekommen.

Beschäftigt man sich länger mit dem Wirken des Heiligen Geistes geht einem auf, dass eigentlich alles, was in der Welt gut ist, auf den Heiligen Geist zurück geht. Er schafft im Anfang das Leben auf unserer Erde („Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde, und die Erde war wüst und wirr. Und der Geist Gottes – die ‚Ruach‘ – schwebte (wörtlich: ‚brütete‘) über der Urflut“, vgl. Genesis 1,1-2). Er schafft im Schoß der Unbefleckten Jungfrau Maria durch seine ‚Überschattung‘ göttliches Leben, den Erlöser. Das heißt, er bewirkt Lebendiges im natürlichen und im übernatürlichen Bereich.

Auch im geistigen Leben der Völker – auch da, wo es gar nicht um Religion geht – wirkt der Heilige Geist. Wahre Kunst versteht sich als inspiriert. Das Wort kommt von “Spiritus” Sanctus. Nur der zweitklassige Künstler (Philosoph, Musiker, Theaterschaffender etc.) meint, dass seine Inspiration aus seinem eigenen genialen Inneren kommt – der Irrtum des romantischen Geniebegriffs. Große Kunst verdankt sich dem Heiligen Geist. Man denkt unwillkürlich an die Äußerung des Komponisten Salieri in dem Film „Amadeus“, der so von der Musik Mozarts beeindruckt ist, dass er sie die „Stimme Gottes“ nennt.

Wenn nun der Geist Gottes bei allem, was lebendig und gut ist im Leben der Menschen, die eigentliche Ursache ist, so ist es ihm selbst doch am angelegensten, jeden einzelnen Menschen zu den Höhen der Heiligkeit, und damit zu seiner wahren Vollendung und Fülle zu führen. Jedem einzelnen Menschen widmet er sich – immer vorausgesetzt, dass dieser das will – und führt ihn in seinem Inneren. Die Sakramente, die der Mensch zur Heiligkeit braucht, werden individuell gespendet. Das Wirken des Geistes wird bei jedem Sakrament durch die Geste der Hände des Priesters dargestellt, die wie eine Überschattung aussieht, besonders deutlich bei der Epiklese der Hl. Messe. Und noch individueller, wenn man so will, ist das Wirken des Heiligen Geistes bei dem wichtigsten Beitrag des Menschen zu seinem Heiligwerden, dem Gebet. Paulus sagt in Röm 8,26: „Wenn wir nicht wissen, wie wir beten sollen, tritt der Geist für uns ein mit unaussprechlichen Seufzern“. Damit will er sagen, das Gebet, gemeint ist das betrachtende Gebet, ist nicht in erster Linie unsere Leistung (da kämen wir nicht weit), sondern es ist ein Werk des Heiligen Geistes.

Was der Heilige Geist in den Herzen der Gläubigen wirkt, ist in unnachahmlicher Weise schon bei den Kirchenvätern geschildert. So schreibt der hl. Basilius der Große:

„Durch den Heiligen Geist geschieht die Wiedereinsetzung ins Paradies, der Aufstieg zum Himmelreich, die Rückkehr zur Sohnschaft. Er verleiht die Zuversicht, GOTT Vater zu nennen, Gemeinschaft zu gewinnen an der Gnade Christi, Kind des Lichtes zu heißen, an der ewigen Glorie Anteil zu haben, um es kurz zu sagen: in der Fülle des Segens zu leben in dieser Welt und in der zukünftigen, indem wir die Gnade der Güter, die uns in der Verheißung hinterlegt sind und deren Genuss wir durch den Glauben erhoffen, im Spiegel zu schauen, als ob sie schon gegenwärtig wären. Denn wenn schon das Unterpfand derartig ist, wie wird dann das Vollkommene sein? Und wenn schon die Erstlinge so sind, wie wird die Fülle des Ganzen sein?“ (HI. Basilius: Über den Heiligen Geist 15,16).

Halten wir uns wie damals die Apostel an der Jungfrau Maria fest, sie hat den Heiligen Geist nicht nur geistig, sondern auch körperlich erlebt. Sie möge uns zu ihm hinführen, der noch mehr als wir selber daran interessiert ist, dass wir zur Heiligkeit gelangen.

*Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“ und „Leo - Allah mahabba“.