Geistliche aus Nigeria und Ägypten berichten über Religionsfreiheit in Afrika

Glaubenstournee von Kirche in Not in der Gebetsstätte Marienfried

München, (ZENIT.orgKIN) | 497 klicks

Die bedrohte Religionsfreiheit in Nigeria und Ägypten stand am Samstag im Mittelpunkt eines Begegnungstages des weltweiten katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ in der Gebetsstätte Marienfried nahe Ulm. Der Tag war Teil einer deutschlandweiten „Glaubenstournee“, die das Hilfswerk anlässlich des 100. Geburtstags seines Gründers, des berühmten „Speckpaters“ Werenfried van Straaten, veranstaltet.

Eröffnet wurde die Veranstaltung am Vormittag durch eine heilige Messe mit Erzbischof Ignatius Kaigama aus Jos in Zentralnigeria und dem deutschen Priester Joachim Schroedel aus Kairo. Rund 200 Unterstützer von „Kirche in Not“ nahmen an dem Pontifikalamt teil.

In seiner Predigt betonte Schroedel, der die deutschsprachigen Gemeinden im Nahen Osten betreut, dass das Glaubenszeugnis der Christen überall dort mutiger werde, wo man sie mundtot machen wolle. „Wenn ich dagegen nach Deutschland komme, sehe ich sehr viel Schweigen. Da hält man lieber den Mund, statt zu sagen: Ich bin Christ“, sagte Schroedel. Wer sich hinter Kirchenmauern verschanze, statt seinen Glauben öffentlich zu bekennen, sei kein Christ mehr. „Dann sind wir höchstens noch ein Club, der nette Traditionen pflegt.“ Ganz anders sei das bei der lebendigen Kirche in Afrika. Diese setze ihren zahlreichen Schwierigkeiten ein „Jetzt-erst-recht“ entgegen. Daher wachse die Katholische Kirche dort beständig. „Die Priesterseminare sind voll; manche Kandidaten muss man sogar wegschicken, weil es zu viele Bewerber gibt“, erklärte Schroedel. Er wünsche sich von der Kirche in Europa, dass sie ihre Strukturdebatten einstelle und sich vom Optimismus der Kirche Afrikas anstecken lasse.

Nach einem Film über Pater Werenfried und einer Gebetszeit zum Fatima-Tag war am Nachmittag schließlich ein Podiumsgespräch über Religionsfreiheit der zweite Höhepunkt der Gedenkveranstaltung. Darin berichteten die beiden Gäste aus Afrika über die konkrete Lage in ihren Ländern. Erzbischof Kaigama schilderte unter anderem einige gewalttätige Übergriffe der islamistischen Sekte „Boko Haram“ gegen die Katholiken in seinem Erzbistum. So hätten die Fundamentalisten seit 2009 mehrmals Christen während des Gottesdienstes angegriffen. Selbstmordattentäter hätten in voll besetzten Kirchen Bomben gezündet. „Sie haben die Islamisierung Nigerias auf ihre Tagesordnung gesetzt: zunächst den Norden und schließlich auch den christlich geprägten Süden. Den Präsidenten von Nigeria haben sie vor die Wahl gestellt, entweder zum Islam zu konvertieren oder in den Tod zu gehen“, sagte Kaigama, der auch Vorsitzender der Nigerianischen Bischofskonferenz ist. In den Augen der Islamisten sei das Christentum eine westliche Religion und damit nicht akzeptabel. Für die Fundamentalisten seien die Werte der westlichen Welt nicht dazu geeignet, Korruption, Ungerechtigkeit und Unmoral zu bekämpfen. Als Heilmittel fordern sie die Einführung des islamischen Rechts im ganzen Land. „Ich fände es besser, wenn Muslime und Christen gemeinsam Lösungen gegen Hunger und Armut im Land suchen würden, als alle in eine Form zu pressen“, betonte Kaigama.

Anders als in Nigeria gehe die Gewalt gegen Christen in Ägypten nicht von organisierten Terroristen aus, erklärte Joachim Schroedel. Das Problem sei hier vielschichtiger und in der Gesellschaft verankert. In den letzten zwei Jahren sei es vermehrt zu Übergriffen gegen die christliche Minderheit des Landes gekommen, die je nach Statistik zwischen sechs und 15 Prozent der Gesellschaft ausmacht. Dabei habe sich der Frust vieler Ägypter über die schlechte wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes entladen. „Man sucht einfach Sündenböcke, und Minderheiten eignen sich dafür hervorragend“, erklärt Schroedel.

Die „Glaubenstournee“ von „Kirche in Not“ wird ihre nächste Station an diesem Samstag, 20. April, in Königstein im Taunus machen. Das Schwerpunktthema dort wird die katastrophale Lage syrischer Flüchtlinge im Libanon sowie die Situation der Kirche im muslimischen Norden Nigerias sein.