Geistliche Exerzitien im Vatikan: Innere Pilgerreise zu Jesus, der "Quelle der Barmherzigkeit"

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ROM, 7. März 2006 (Zenit.org).- Am Sonntagnachmittag haben im Vatikan die geistlichen Exerzitien zur Fastenzeit für den Papst und die Mitglieder der römischen Kurie begonnen. Die Tage der Zurückgezogenheit stehen unter dem Thema "Unterwegs mit Jesus hin zu Ostern unter der Führung des Evangelisten Markus". Benedikt XVI. übertrug Kardinal Marco Cé, Altpatriarch von Venedig, die Aufgabe, die Betrachtungen zu den einzelnen Tagen zu formulieren. Die Exerzitien enden am nächsten Samstag. Während dieser Woche gewährt der Papst keine öffentlichen Audienzen, um sich dem Gebet widmen zu können.



Kardinal Cé lud die in der Kapelle "Redemptoris Mater" anwesenden Kardinäle, Bischöfe, Priester und Ordensleute dazu ein, eine innere Pilgerreise hin zu Jesus, der "Quelle der Barmherzigkeit", zu unternehmen. Wie "Radio Vatikan" in seiner Synthese der Meditation berichtete, forderte der Exerzitienmeister dazu auf, sich zu fragen, wie eine aufrichtige Antwort auf die geistlichen Bedürfnisse, auf "die Unruhe des Herzens" jener Millionen von Menschen gegeben werden kann, die in den Tagen des Todes Johannes Pauls II. auf die Kirche schauten. Dieselbe Frage gelte für die Jugendlichen, die am Weltjugendtag 2005 in Köln teilgenommen hatten. Die gespürte Leere an Gott könne "nur eine Kirche füllen, die dem Herrn immer treuer ist".

Ein konsequentes Verhalten sei die Bedingung für ein Leben, das nach Heiligkeit strebt. "Wir dürfen nur einen einzigen Ehrgeiz haben: Die Menschen müssen sehen, dass wir trotz unserer Grenzen Personen sind, die den Herrn wirklich lieben, die in ihn verliebt sind, die zwischen dem, was sie sagen, und dem, was sie wirklich sind, keinen Abgrund dazwischenlegen." Der Kardinal erklärte, dass Christus "uns durch die Wüste unserer Armut begleitet und uns auf dem Weg zur tiefen Freude des Osterfestes stützt. Ostern – das Leiden, der Tod und die Auferstehung – ist "das Herz unseres Glaubens. Riefe die Gnade des auferstandenen Gekreuzigten uns nicht und käme sie nicht, um uns zu holen, dann würden wir nie aus unserer Stumpfheit und unserer Sünde herauskommen. Wer wird mich von diesem Leib des Todes befreien?", fragte Kardinal Cé. "Die Gnade Gottes, vermittelt durch Jesus Christus."

Diese geistlichen Exerzitien müssten "ein Akt der Liebe für die Kirche und für die vielen Brüder werden, die auf fernen Straßen unterwegs sind und die Christus retten will. Das Evangelium fordert uns auf, uns einzubringen, uns angefragt zu sehen und nicht nur Zuschauer zu sein, die in der Festung unserer Rationalität verschanzt sind. Es fordert uns auf, wie jemand zu reagieren, der Jesus begegnet ist und sich von seinem Licht ergreifen lässt. Das ist der Sinn des lebendigen Wunsches Jesu, als er sagte: 'Glaubt mir'."

Das Evangelium in die Hand zu nehmen, "ist immer eine Begegnung", aus der heraus die Kraft gefunden werden kann, "sein eigenes Leben auf Gott auszurichten, indem das Herz zu ihm hin aufgerissen wird im Glauben". Kardinal Cé schloss mit folgender Einladung: "Die Fastenzeit ist die Zeit und die Gnade, um sich für den Herrn zu entscheiden. Es ist schön zu denken, dass Gott kommt, um uns zu suchen." Unsere Aufgabe bestehe nun darin, "uns von ihm während der Fastenzeit finden zu lassen".