Geistliche Musik als Instrument der Evangelisierung.

Ein Interview mit Kardinal Piacenza anlässlich des Festes der Santa Cecilia in Rom

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ROM, 29. November 2011 (ZENIT.org). – Wäre heute etwas mehr geistliche Musik in den Kirchen angebracht? „Sicherlich! Ich glaube, der Heilige Vater gibt uns dafür ein redliches Beispiel“ so lautete Kardinal Mauro Piacenzas bestimme Antwort in einem Interview mit ZENIT.

Der Präfekt der Kongregation für den Klerus betonte, die Musik sei einerseits eine Vorbereitung zur Evangelisierung, denn sie bereite unbewusst die Seele darauf vor, die große Botschaft zu empfangen, das Bewusstsein Gottes und des Unendlichen; und andererseits eine tiefere Evangelisierung für Gläubige, damit sie die „Wonne“ des Glaubens auskosten könnten.

Das waren die Worte von Kardinal Piacenza zum Abschluss der drei Andachtstage (20., 21., 22. November) in der römischen Basilika „Santa Cecilia“ zu Ehren der Patronin der Musik. Das Ereignis schloss mit einer feierlichen Messe unter Vorsitz seiner Eminenz mit der Beteiligung des Chors der Sixtinischen Kapelle mit den jungen Sopranen und dem Beitrag der römischen Gemeindeverwaltung.  

ZENIT: Welche Beziehung besteht zwischen der Neuevangelisierung und der geistlichen Musik?

Kardinal Piacenza: Die Neuevangelisierung ist dringend auch wenn die Kirche ständig evangelisieren muss. Heute besteht der besondere Anlass, für den auch ein Päpstlicher Rat gegründet wurde, daraus, dass die antiken Stätten der Christenheit sich erneuert werden müssen, da ihre Wurzeln etwas ausgetrocknet sind. Deshalb ist es nötig, zu einer Evangelisierung zurückzukehren wie in der Urkirche.

ZENIT: Was sollte die Kirchenmusik zur Evangelisierung beisteuern?

Kardinal Piacenza: Man könnte sagen, dass die Musik, wie alle anderen Arten der Kunst, einen bedeutenden Beitrag zur Evangelisierung leistet, da sie die Seele auf die Aufnahme, die Andacht und die Suche nach der Vollkommenheit vorbereitet, die in der Seele jedes Menschen liegt.

ZENIT: Gilt das für alle Arten von Musik?

Kardinal Piacenza: Auch nichtgeistliche Musik führt, wenn sie eine große Qualität aufweist, auf jeden Fall zu einem allgemeinen religiösen Sinn und bereitet auf den Glauben vor.

ZENIT: Welches Verhältnis besteht Ihrer Meinung nach zwischen Gläubigen und Musik?

Kardinal Piacenza: Das Verhältnis der Gläubigen zur Musik wird durch die geistliche Musik selbst bestimmt. Als Teilnahme bezeichnet man nicht nur, eine Tätigkeit auszuüben, sondern vor allem eine Atmosphäre herzustellen, in der die Menschen von einer Suggestion eingefangen werden, die den liturgischen Augenblick hervorhebt:

Das kann die Süße oder die Zartheit eines bestimmten Textes sein, z.B. bei einer Danksagung während der Kommunion; es kann die mitreißende Feierlichkeit beim erbebenden Schmettern des „Gloria“ sein und so weiter.

Deswegen werden diese verschiedenen Augenblicke zur Evangelisierung für Gläubige und „Vorevangelisierung“ für diejenigen, die eine Kirche betreten und von einem Gefühl eingenommen werden und etwas empfinden. Denn die Teilnahme an einer liturgischen Feier bezieht alle Sinne mit ein: den Verstand, die emotionalen Regungen sowie die Fantasie und die Farbwahrnehmung. Natürlich sind die Musikstücke und die andächtige Stille ebenfalls Teil der Liturgie.

[Übersetzung aus dem Italienischen von Cora Ebeling]