Geistlicher Impuls zum ersten Tag der Gebetsoktav für die Einheit der Christen

Betet allezeit - „Betet ohne Unterlass!“ (1 Thess 5,17)

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ROM, 17. Januar 2008 (ZENIT.org).- Für jeden Tag der Gebetswoche für die Einheit der Christen wurden vier biblische Lesetexte ausgewählt. Der Text aus den neutestamentlichen Briefen bleibt jedoch immer derselbe: 1 Thess 5,13b-18. Das Schreiben des Apostels Paulus ist der Leittext zur Gebetswoche 2008.



Die Meditationen haben die Form einer geistlichen Betrachtung, die sich jeweils auf die ausgewählten Tagestexte bezieht und diese miteinander verbindet. Sie sind als Impulse zur geistlichen Besinnung gedacht.

Ein abschließendes Gebet bündelt die Gedanken in der gemeinsamen Anrufung Gottes. Es kann durch ein Lied und weitere Fürbitten ergänzt werden. Die Konzentration auf einzelne Verse des Paulustextes und die Zusammenstellung und Verknüpfung mit anderen Bibeltexten geben jedem Tag einen besonderen inhaltlichen Akzent. Das Grundthema der Gebetswoche „Betet ohne Unterlass“ wird dabei in Einzelschritten vertiefend entfaltet. Der gesamte Weg durch die einzelnen Tage der Gebetswoche bildet so eine Art „geistlichen Leitfaden für das ökumenische Gebet für die Einheit“.

Wir veröffentlichen den Impuls zum ersten Tag der Gebetsoktav:

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1. Tag: Betet allezeit - „Betet ohne Unterlass!” (1 Thess 5,17)


Texte aus der heiligen Schrift:
Jes 55,6-9 „Sucht den Herrn, solange er sich finden lässt …“
Ps 34 „Ich suchte den Herrn und er hat mich erhört …“
1 Thess 5,13b-18 „Betet ohne Unterlass.“
Lk 18,1-8 „… allezeit beten und darin nicht nachlassen.“

Meditation
Paulus schreibt: „Freuet euch zu jeder Zeit, betet ohne Unterlass, dankt für alles; denn das will Gott von euch, die ihr Jesus Christus gehört.“ Der erste Thessalonicherbrief wurde an eine gläubige Gemeinde geschrieben, die Angst vor dem Tod hatte. Viele gute und gläubige Brüder und Schwestern waren vor der Wiederkunft des Herrn, die alle zur Vollendung führen sollte, „entschlafen“. Was wird mit diesen Toten geschehen? Was wird mit den Lebenden geschehen? Paulus versichert der Gemeinde, dass die Toten und die Lebenden auferweckt werden und ermahnt sie, „ohne Unterlass zu beten“. Aber was heißt: „ohne Unterlass zu beten“? Die Lesungen dieses Tages können uns eine Hilfe zur Beantwortung dieser Fragen sein.

Unser ganzes Leben ist eine fortwährende Suche nach Gott. Dabei leitet uns die Überzeugung, dass wir ihn, wenn wir ihn suchen, auch finden werden.

Während des Exils in Babylon, als alles hoffnungslos und aussichtslos für die verschleppten Israeliten erschien, verkündete ihnen der Prophet Jesaja: „Sucht den Herrn, solange er sich finden lässt, ruft ihn an, solange er nahe ist.“ Selbst im Exil ist der Herr nahe. Er bittet sein Volk eindringlich, sich im Gebet an ihn zu wenden und nach seinen Weisungen zu leben, um seine Gnade und Vergebung erfahren zu können. Der Psalm 34 bekräftigt die Überzeugung des Propheten, dass Gott die, die ihn anrufen, erhören wird, und fügt dem Aufruf zum beständigen Gebet noch den Lobpreis hinzu.

Im Lukasevangelium lehrt Jesus seine Jünger durch das Gleichnis von der Witwe, die Gerechtigkeit bei einem Richter suchte, der weder Gott fürchtete noch die Menschen achtete. Die Geschichte diente als Erinnerung an die Notwendigkeit des beständigen Gebets, „immer zu beten und nicht darin nachzulassen“. Zugleich bestärkt das Gleichnis das Vertrauen darauf, dass ein solches Gebet erhört wird: „Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern zögern?“

Als Christen, die auf der Suche nach Einheit sind, denken wir über diese Lesungen nach, um, wie Paulus schreibt, „den Willen Gottes für euch, die ihr Christus gehört“ herauszufinden. Es ist Christus, der in uns lebt. Unsere Berufung, „ohne Unterlass zu beten“, wird Teil seines Eintretens beim Vater, „dass alle eins seien, …damit die Welt glaube…“. Die Einheit, die wir suchen, ist die Einheit „nach Christi Willen“. Das beständige Gebet für die Einheit hält sich an die biblische Zusage der Erfüllung, dass nämlich unser Gebet eines Tages erhört werden wird.

Einheit ist eine Gabe Gottes für die Kirchen. Sie ist damit zugleich ein Aufruf an die Christen, diese Gabe sichtbar werden zu lassen. Das Gebet für die Einheit ist die Quelle, aus der alle Bemühungen um die volle sichtbare Einheit gespeist werden. Viele dieser Bemühungen sind unmittelbare Früchte der hundertjährigen Gebetsoktav. Doch es gibt immer noch viele Barrieren, die die Christen und ihre Kirchen weiterhin trennen. Wenn wir den Mut nicht verlieren wollen, müssen wir beständig im Gebet sein, um Gott und seinen Willen in allem, was wir tun und was wir sind, zu suchen.

Gebet
Dreieiniger Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist,
stärke uns darin, ohne Unterlass beten,
dass wir eins sein mögen, so wie du eins bist.
Vater, erhöre uns, wenn wir dich suchen.
Christus, bring uns der Einheit,
die dein Wille für uns ist, näher.
Heiliger Geist, lass uns niemals
nachlassen im Gebet.
Amen.