Geld haben, damit arbeiten und dazu noch heilig werden

Interview mit dem Unternehmer Frank J. Hanna

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ROM, 7. November 2008 (ZENIT.org).- Geld haben, damit arbeiten und dazu noch heilig werden. Ob das zusammen geht, ist nicht nur seit der internationalen Finanzkrise ein kontroverses Thema. Die Gefahr von Geld als Mammon ist in christlichen Predigten schon lange ein zentraler Punkt.

Nun behandelt das neu erschienene Buch des Unternehmers Frank J. Hanna auf 235 Seiten dieses heikle Thema. What money means erschien auf Englisch in den USA: „Was Ihr Geld bedeutet: Und wie man es richtig verwenden soll.“ Der Autor ist Träger des großen Gregoriusordens, den Papst Benedikt XVI. ihm verliehen hat.

ZENIT hatte die Gelegenheit, mit Frank Hanna, Firmengründer und Finazleister. zu sprechen. Für sein Engagement ist er schon mehrfach ausgezeichnet worden. Zu den erhaltenen Preisen gehören der William B. Simon Prize for Philanthropic Leadership oder der David R. Jones Award for Philanthropic Leadership, der vom Fund for American Studies verliehen wird.

ZENIT: War es von Ihnen geplant, dieses Buch rechzeitig zur weltweiten Finanzkrise herauszubringen?

-- Frank J. Hanna: Nein, aber dieses Timing scheint mir ein Zeichen der Vorsehung zu sein. Es ist ja recht interessant, dass man im vergangenen Monat wohl mehr über Volkswirtschaft und Geld diskutiert hat, als es meines Wissens sonst in jüngerer Zeit üblich war. Darum denke ich, dass die im Buch enthaltene Botschaft für die Menschen in diesem Augenblick gerade besonders wichtig ist.

ZENIT: Und worin besteht diese Botschaft?

-- Frank J. Hanna: Nun, es sind eigentlich mehrere Botschaften, aber in erster Linie geht es darum: Geld ist ein Geschenk Gottes, und wir müssen es klug verwenden. Viele von uns verwenden viel Zeit und Energie darauf, möglichst viel Geld zu „machen“. Wir bemühen uns bei der Anschaffung von Waren, etwa beim Autokauf, die Ware zu begutachten. Erstaunlicherweise sind wir nicht bereit, für die Frage „Wie sollte ich mein Geld verwenden, um als Mensch zu reifen?“ viel Zeit zu verschwenden. Oder für das Anliegen, wie ich denjenigen, die ich liebe, dabei helfen könnte, tugendhafter zu werden.

ZENIT: Wie verwendet man denn Geld, um tugendhafter zu werden? Ist Geld nicht die Wurzel allen Übels?

-- Frank J. Hanna: Nicht das Geld ist die Wurzel allen Übels, es ist die Anhänglichkeit an das Geld, die unserer Seele Schaden zufügt. Wenn wir etwas Geschaffenes Gott ganz bewusst vorziehen, kann auch irgendetwas, was an sich gut ist, durch diese Abhängigkeit zerstörerisch werden. Weil wir eine Sache oder eine Person zu einem Ersatz für Gott gemacht haben und damit das erste Gebot übertreten.

So wie die anderen Gaben Gottes auch, ist Geld etwas, das er uns gibt, damit wir anderen damit dienen können. Und dadurch, dass wir anderen dienen, machen wir Fortschritte in der Tugend.

ZENIT: Meinen Sie, dass es falsch wäre, etwas von unserem Geld für uns selbst auszugeben?


-- Frank J. Hanna: Ganz und gar nicht. Tatsächlich verwende ich in meinem Buch einige Zeit darauf, dieser Frage nachzugehen: Welcher Betrag reicht? Ich vertiefe die Frage nach der Summe des Geldes, das wir ansammeln, als auch nach den Beträgen, die wir für uns selbst und für andere, besonders unsere Kinder, ausgeben.

Für den Umgang mit Geld gilt dasselbe, was für jemand maßgeblich ist, der von Gott eine bestimmte Begabung oder Fähigkeit bekommen hat und berechtigt ist, damit für sich und diejenigen, die er liebt, zu sorgen. Aber jedes Mal, wenn wir uns selbst oder auch unseren Familienmitgliedern gegenüber allzu großmütig sind, betreten wir ein riskantes Terrain.

ZENIT: Was also veranlasste Sie, einen Unternehmer, dieses Buch zu schreiben?

-- Frank J. Hanna: Von Sokrates stammt das Wort: Ein Leben ohne Prüfung ist nicht erstrebenswert, und so beschloss ich als Unternehmer, dass ich mein Geld, meine Energie und meine Zeit nicht auf unkontrollierte Weise verwenden würde. Das bedeutete aber, dass es mich viel Zeit kosten würde, um den Umgang mit Geld zu prüfen. Dazu gehörte natürlich auch mein eigenes Leben und der Umgang mit Geld und das Leben und die Gedanken anderer, die sich mit dem Thema Geld befasst haben.

Das vorliegende Buch ist das Ergebnis dieser Gewissenserforschung. Anfänglich machte ich nur Notizen für mich selbst. Bald jedoch wurde mir klar, dass ich meine Gedanken und Notizen systematisch ordnen müsste, um eine Art Modell zu haben, mit Hilfe dessen ich verstehen könne, was ich gesammelt hatte. Und nachdem ich alles zusammengestellt hatte, erkannte ich, dass wahrscheinlich auch meine Geschwister aus der Lektüre Nutzen ziehen könnten.

Nachdem sie den ersten Entwurf gelesen hatten, gab ich ihn an Freunde weiter, von denen die einen viel Geld haben und andere jeden Tag um ihr finanzielles Überleben kämpfen müssen. Beide Gruppen haben davon offensichtlich profitiert.

Schließlich ist Geld ein notwendiger Bestandteil der Welt, in der wir leben, und das Versäumnis, explizit darüber nachzudenken, kann leicht gefährliche Folgen haben. Umgekehrt gilt: Eine richtige Einschätzung, was Geld und den rechten Umgang mit ihm angeht, kann uns helfen, erfüllter zu leben als bisher.

Wenn wir erst einmal verstanden haben, was Geld bedeutet, kann uns das sogar dabei helfen, all jene Dinge besser zu verstehen, die man mit Geld nicht kaufen kann.

ZENIT: Der Umgang mit Geld schenkt also ein neues Gespür für das Wesentliche?

-- Frank J. Hanna: Ganz sicher. Jedes Mal, wenn wir uns bemühen, im Gebet den rechten Gebrauch der Segnungen zu erkennen, die uns Gott geschenkt hat - und dazu gehört auch der rechte Umgang mit dem Geld -, kommen wir ihm näher.