Gelebter Glaube: P. Lombardi SJ über eine zentrale Botschaft Benedikts XVI.

„Wir haben einen großen Theologen, der aber auch einfache Botschaften vermitteln kann“

| 882 klicks

WIEN, 13. Juni 2007 (ZENIT.org).- Papst Benedikt vermittle im Grunde eine sehr einfache Botschaft, hob Federico Lombardi SJ gegenüber ZENIT hervor.



Der Jesuitenpater, der das Pressebüro des Heiligen Stuhls, „Radio Vatikan“ und das Vatikanische Fernsehzentrum leitet, hielt sich am Mittwoch in Wien auf, wo er neben Kardinal Christoph Schönborn an der Pressekonferenz zur Vorstellung des Programms zum Papstbesuch in Österreich im September 2007 teilnahm.

Im Gespräch mit ZENIT verwies P. Lombardi auf die Bedeutung der Enzyklika Deus caritas est und die tausenden Erfahrungen in der Kirche, den Glauben an den Gott der Liebe in konkreten Gesten sichtbar zu machen.

ZENIT: In Deutschland und Österreich finden in dieser Woche Tagungen statt, bei denen die Frage erörtert wird, wie die Ergebnisse der Versammlung der lateinamerikanischen Bischöfe in Aparecida (Brasilien) auf unsere Verhältnisse angewendet werden können. Wie ist das in Ihren Augen möglich?

-- P. Lombardi: Ich muss erst den Endtext lesen, der dem Papst vorgestern übergeben wurde. Aber diese große Versammlung hat auf jeden Fall eine sehr starke Wirkung auf das missionarische Bewusstsein der Kirche ausgeübt, und die Anwesenheit des Papstes hat zur Stärkung des Glaubens und der Identität geführt, zur Stärkung der Freude, Kirche zu sein und eine Gemeinde, die auch heute etwas zu sagen hat. Das brauchte die Kirche in Lateinamerika, und das braucht, glaube ich, auch die Kirche anderswo.

Heute stehen wir vor Problemen wie der Säkularisierung oder, etwa in Lateinamerika, vor der Herausforderung der Sekten und Problemen, die die Gerechtigkeit betreffen und nicht leicht zu lösen sind. Aber als Gemeinde können wir dank dieser Botschaft der Liebe Christi, die wir erhalten haben, kreativ sein und etwas leisten.

In dieser Hinsicht war für mich in Brasilien der Besuch der „Fazenda da Esperança“, dem „Bauernhof der Hoffnung“, besonders aufschlussreich (vgl. Interview mit Gründer P. Hans Stapel bzw. Ansprache von Papst Benedikt XVI.).

Es handelt sich dabei um ein Modell, ein kreatives Modell dafür, was getan werden kann, um ein ganz bestimmtes, konkretes Problem zu lösen. In der Kirche gibt es Hunderte solcher positiver Erfahrungen. Das müssen wir sichtbar machen. Und wir müssen immer darauf vertrauen, dass wir den Menschen mit kleinen Schritten und kleinen Initiativen eine große Botschaft der Hoffnung vermitteln können.

In diesem Sinn war der symbolträchtige Besuch der „Fazenda“ sehr wichtig für mich: Wir haben große Predigten über Hoffnung und Liebe usw., aber wir haben auch konkrete Erfahrungen, die zeigen: Das kann wirklich etwas ändern! Es kann das Leben der Leute verbessern und ihr Leben auch erneuern.

Leute, die keine Hoffnung mehr hatten, haben sie wiedergefunden und können sich jetzt wieder aktiv für die anderen einsetzen.

ZENIT: Die Begegnung, die Papst Benedikt im Rahmen seines Österreichbesuchs am 9. September mit den Ehrenamtlichen und freiwilligen Helfern im Wiener Konzerthaus haben wird, ist ein ähnlich symbolhafter Schritt, nicht wahr?

-- P. Lombardi: Ich denke genauso. Die konkrete Liebe, die Liebe im täglichen Leben, die ist sehr wichtig. Und gerade hier ist es, wo die Kirche, die mit den Leuten lebt, auf kreative Weise zeigt, dass sie fähig ist, neue Wege zu finden, um Hoffnung zu wecken.

Es geht da nicht um eine große oder um eine zentralistische Organisation, sondern um die konkrete Erfahrung: Ja, die Kirche ist nah; sie kümmert sich um das Leben der Leute – um das, was ihrem Leben Kreativität und Tiefe verleiht.

ZENIT: Sollen solche Begegnungen mit Mitarbeitern aus der Welt der Caritas und Werken der christlichen Nächstenliebe, wie sie auch Papst Johannes Paul II. gekannt hat, in diesem Pontifikat besonders akzentuiert werden?

-- P. Lombardi: Es ist immer sehr schwierig zu vergleichen. Aber ich würde sagen, dass in diesem Pontifikat die Klarheit der Botschaft wesentlich ist: Glaube – glauben an Gott, den Gott der Liebe – und aktive Liebe im praktischen Leben des Christen.

Das ist sehr, sehr klar und etwas sehr Einfaches. Wir haben einen großen Theologen, der aber auch einfache Botschaften vermitteln kann. In diesem Sinn ist die Botschaft der praktischen Liebe, der „caritas“, ganz klar.