Gemeinden müssen wieder fruchtbarer Boden für Berufungen werden

Gebet, glühender Glaube, Erziehung zum freiwilligen Dienst, vorbildliche und begeisternde Priester

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Von Jan Bentz

VATIKANSTADT, 26. Juni 2012 (ZENIT.org). – Die „Pastoralen Richtlinien zur Förderung der Berufungen zum Priestertum“ wurden am gestrigen Vormittag in der Halle Johannes Pauls II. des Pressebüros des Heiligens Stuhls von der Kongregation für das katholische Bildungswesen und des Päpstlichen Werkes für Priesterberufungen vorgestellt.  Nach Kardinal Zenon Grocholewski, Präfekt der Kongregation für das katholische Bildungswesen, sprach Msgr. Jean-Louis Bruguès OP, dessen Sekretär, und Msgr. Angelo Vicenzo Zani, Untersekretär des gleichen Dikasteriums.

In seiner Ansprache erinnerte Grocholewski daran, dass das Thema des vorliegenden Dokuments aus einer Vollversammlung des Dikasteriums im Jahre 2005 stammt und im Jahr 2008 vorgestellt wurde, wo das Thema der Priesterberufungen diskutiert und um eine Vertiefung  mithilfe einer Untersuchung gebeten wurde.

Die einzelnen Aspekte wurden in der  Vollversammlung des Jahres 2008 aufgegriffen und den nationalen Bischofskonferenzen für eine breit angelegte Befragung vorgelegt, deren interessante Ergebnisse nunmehr in diesem Dokument zusammengefasst und ausgewertet worden seien.

Die endgültige Version des Textes wurde gekürzt, vom Heiligen Vater approbiert und am 25. März 2012 veröffentlicht, dem zwanzigsten Jahrestag der apostolischen Exortation „Pastores dabo vobis“.

Das Dokument ist in drei Teile gegliedert. Der erste untersucht die aktuelle Lage der Berufungen, der zweite bietet eine synthetische und geordnete Vorstellung der Identität des Priesters und seines Dienstes, der dritte Teil liefert Vorschläge zur Umsetzung dieser Inhalte auf pastoraler Ebene.

Laut Grocholewsk ist die Bedeutung der Förderung von priesterlichen Berufungen in der Kirche der Leseschlüssel für das ganze Dokument:  Die Kirche hat die Aufgabe, priesterliche Berufungen zu fördern und zu schützen. Deswegen fährt sie fort, diejenigen zu unterstützen, die auf den Ruf Christi zu einer besonderen Nachfolge,  -die eine radikale Trennung von der Familie, der Arbeit und der Heimat fordert- antworten und ihr Leben ganz der Hirtensorge in den Dienst an der Kirche widmen, um die Frohe Botschaft zu verkünden.

 Das Leben der Kirche ist von der Fruchtbarkeit und dem Maß der Geschenke des Heiligen Geistes in diesem Bereich abhängig, wie auch von der Qualität des Glaubens und des Evangeliums-Zeugnisses, das in ihr gelebt wird. Von diesem Blickwinkel aus bezieht sich das Dokument vor allem auf die Kirche in den alten, traditionell christlichen Ländern, in denen religiöse Indifferenz und ein schwaches Zeugnis für den christlichen Glauben eine „Berufungssterilität“ hervorruft, wie beispielsweise in Europa, wo es seit Jahren eine Abnahme der priesterlichen Berufungen gibt.

Grocholewski erinnerte mit einem Zitat von Papst Benedikt XVI. daran, dass es sehr schwerwiegend sei, den Ruf des Herrn zu ignorieren: „Gerade in unserer Zeit kennen wir das Nein vieler, die zu den Erstberufenen zählen. Die vielen Berufenen in der westlichen Christenheit haben oft keine Zeit mehr für den Herrn“ (Benedikt XVI., Predigt bei der hl. Messe mit dem schweizerischen Episkopat am 7. November 2007).

Das Dokument, erklärte Grocholewski, zähle einige der wichtigsten Gründe auf, die mit dem Rückgang der Berufungen zusammenhingen:

Die Krise der Familie und die Kinderlosigkeit; die verbreitete säkularisierte Weltanschauung, die ein Abfall vom christlichen Glauben verursacht und es schwieriger macht, in einer relativistischen Kultur eine radikale Entscheidung zu treffen; die schwierigen Umstände des Lebens und des Amtes des Priesters, der kirchlichen und sozialen Umstrukturierungen ausgesetzt ist, die den priesterlichen Dienst auf einen Beruf unter vielen reduzieren.

Um diesen Schwierigkeiten entgegenzutreten, zählt das Dokument die notwendigen Bedingungen dafür auf, dass die Gnade der Berufung in der Kirche auf fruchtbaren Boden fällt:

Es muss ein fruchtbarer Boden christlichen Lebens in der kirchlichen Gemeinschaft geschaffen werden. Wie der Leib Marias muss die christliche Gemeinde das Feuer des Hl. Geistes fruchtbar machen und damit das notwendige Klima für Berufungen schaffen.

Dazu gehören: die unersetzliche Funktion des Gebets; die Pastoral soll die Vorschläge des Dokuments umfassend umsetzen; es muss einen neuen missionarischen und evangelisierenden Anstoß geben, der in den Jugendlichen die Leidenschaft für das Evangelium erweckt; die unersetzliche und zentrale Funktion der Familie; das kohärente und freudige Zeugnis des Lebens der Priester; eine effiziente Erziehung zur Erfahrung des freiwilligen Dienstes, des  Volontariats,  um die Menschen für ein selbstloses Wirken für andere zu befähigen; der Wert von Schulen und Universitäten, die Möglichkeiten geben, grundlegende christliche Erfahrungen zu machen.

„All diese pastoralen Umstände sind Vorschläge und leiten den zweiten Teil des Dokumentes ein, das sich mehr auf das theologische und geistliche Profil der Gestalt des Priesters bezieht“. Der zweite Teil des Dokuments wurde von Msgr. Jean-Louis Bruguès OP vorgestellt und betrifft die „Berufung und Identität des priesterlichen Amts“, der dritte, statistische Teil von Msgr. Angelo Vicenzo Zani [ZENIT berichtete].