"Gemeinsam können wir entschieden jeder Form von Antisemitismus entgegentreten"

Ansprache von Papst Franziskus bei den Großrabbinern

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 256 klicks

Nach dem Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem begab sich Papst Franziskus um 10.45 Uhr zum „Heichal Shlomo“-Zentrum, wo er den beiden Großrabbinern Yitzhak Yosef (sephardisch) und David Lau (askenasisch) einen Höflichkeitsbesuch abstattete. Nach der Begrüßung durch den Direktor des Zentrums und die beiden Großrabbiner hielt Papst Franziskus eine Ansprache. Er bedankte sich „für den herzlichen Empfang und für die freundlichen Worte, mit denen Sie mich willkommen geheißen haben.“ Bereits als Erzbischof von Buenos Aires habe er Freundschaften mit vielen jüdischen Brüder geschlossen. Daraus seien „fruchtbare Initiativen der Begegnung und des Dialogs“ entstanden.

„In den ersten Monaten des Pontifikats habe ich verschiedene Organisationen und Vertreter der weltweiten jüdischen Gemeinschaft empfangen können. Wie bereits für meine Vorgänger, sind diese Bitten um eine Begegnung zahlreich. Sie kommen zu den vielen Initiativen hinzu, die auf nationaler oder lokaler Ebene stattfinden, und all das beweist den beiderseitigen Wunsch, einander besser kennen zu lernen, anzuhören und Verbindungen echter Brüderlichkeit aufzubauen.“

„Dieser Weg der Freundschaft“ sei „eine der Früchte des Zweiten Vatikanischen Konzils, besonders der Erklärung ‚Nostra aetate‘, die von großer Bedeutung war und deren fünfzigsten Jahrestages wir im kommenden Jahr gedenken. Tatsächlich bin ich überzeugt, dass alles, was in den letzten Jahrzehnten in den Beziehungen zwischen Juden und Katholiken geschehen ist, ein echtes Geschenk Gottes war, eines der von ihm vollbrachten Wunder; und wir sind berufen, dafür seinen Namen zu loben.“ Dieses Geschenk sei auch Verdienst „sehr vieler mutiger und großherziger Menschen, Juden wie Christen.“ Besondere Bedeutung sprach der Papst „dem Dialog zwischen dem Großrabbinat von Israel und der Kommission des Heiligen Stuhls für die religiösen Beziehungen mit dem Judentum“ zu, der auf den Besuch des heiligen Papstes Johannes Pauls II. im Heiligen Land im Jahr 2002 zurückgehe.

Außer sich auf menschlicher Ebene zu begegnen, seien Christen und Juden auch dazu berufen, sich „eingehend nach der geistlichen Bedeutung des Bandes zu fragen, das uns miteinander verknüpft“. Der Papst bekräftigte: „Auf katholischer Seite besteht natürlich die Absicht, den Sinn der jüdischen Wurzeln des eigenen Glaubens voll in Betracht zu ziehen. Ich vertraue darauf, dass mit Ihrer Hilfe auch auf jüdischer Seite das Interesse für die Kenntnis des Christentums erhalten bleibt und wenn möglich zunimmt – speziell bei den jungen Generationen –, gerade in diesem gesegneten Land, in dem dieser Glaube seinen Ursprung erkennt.“ Die Kenntnis um die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede, „die Achtung dessen, was uns trennt, können den Weg weisen für die zukünftige Weiterentwicklung unserer Beziehungen, die wir in Gottes Hand legen. Gemeinsam können wir einen wichtigen Beitrag für die Sache des Friedens leisten; gemeinsam können wir in einer in raschem Wandel begriffenen Welt die ewige Bedeutung des göttlichen Schöpfungsplans bezeugen; gemeinsam können wir entschieden jeder Form von Antisemitismus und den verschiedenen anderen Formen von Diskriminierung entgegentreten. Der Herr helfe uns, mit Zuversicht und Seelenstärke auf seinen Wegen zu gehen. Shalom!”