Gemeinsame Erklärung von Papst und orthodoxem Patriarchen von Rumänien

Evangelisierung hat nichts mit Konkurrenz zu tun

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VATIKAN, 14. Oktober 2002 (ZENIT.org).- Papst Johannes Paul II. und der orthodoxe Patriarch Theoktist von Rumänien haben am Samstag eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet und den Bruderkuss ausgetauscht. Beide Kirchen verpflichten sich, gemeinsam nach der Einheit zu suchen.



Diese Begegnung in der Privatbibliothek des Papstes war eine der wichtigsten diese Patriarchenbesuches in Rom als dankbare Erwiderung des Papstbesuchs in Rumänien im Mai 1999.

"Unsere Begegnung muss als ein Vorbild gewertet werden: Geschwister müssen sich begegnen, um Frieden zu schließen, gemeinsam zu reflektieren und den Weg zum gegenseitigen Verständnis zu finden, um so einander die Gründe darzulegen und zu erklären", so heißt es in dem Text der gemeinsamen Erklärung.

Es geht dort um Themen wie Verkündigung des Evangeliums in orthodoxen Ländern seitens der Katholiken, ein wunder Punkt vor allem für das orthodoxe Patriarchat Moskau, welches von Proselytismus spricht.

"Wir anerkennen gemeinsam die religiöse und kulturelle Tradition des Volkes und die Religionsfreiheit. Die Evangelisierung kann nicht auf einem Geist der Konkurrenz beruhen, sondern auf gegenseitigen Respekt und auf Zusammenarbeit. Die Freiheit eines jeden, gemäß der eigenen Überzeugungen zu leben, und die Achtung der je eigenen religiösen Zugehörigkeit werden anerkannt", so die Erklärung.

Unter dem Eindruck der begeisterten Rufe "Einheit, Einheit" der jungen Rumänen beim Papstbesuch 1999, schreiben die beiden Kirchenoberhäupter, das christliche Zeugnis ist wesentlich glaubwürdiger, insbesondere in Europa, wenn es in Einheit abgelegt wird".

Der Papst reagierte auch auf den Vorwurf des Proselytismus und anerkannte die Mission der orthodoxen Kirchen, "die dazu besonders in den Ländern berufen sind, in welchen sie verwurzelt sind. Die katholische Kirche möchte lediglich helfen und bei dieser Mission zusammenarbeiten, indem sie ihre pastorale Aufgabe ausübt bei den Gläubigen, welche sich aus freien Stücken an sie wenden".

Eventuelle Missverständnisse müssen durch einen brüderlichen und ehrlichen Dialog überwunden werden. Es wird die Einrichtung einer "soliden institutionellen Struktur" vorgeschlagen, die zur "Kommunikation und dem regelmäßigen Informationsaustausch" zwischen der katholischen Kirche und den orthodoxen Kirchen dient, und zwar sowohl auf spezifischer Ebene als auch ganz allgemein.

Derzeit gibt es eine internationale gemischte Kommission für den theologischen Dialog zwischen der katholischen Kirche und den orthodoxen Kirchen, die sich zum letzten Mal, ohne zu einer gemeinsamen Erklärung zu gelangen, im Jahre 2000 in Baltimore getroffen haben.

In seiner Ansprache wies der Patriarch insbesondere auf die Schwierigkeiten seiner Kirche unter dem atheistischen Totalitarismus hin und kritisierte das "Konkurrenzdenken, welches es mitunter bei den Beziehungen zwischen Christen gibt und auch zu Enttäuschung und Misstrauen geführt hat".

Er bestätigte die feste Absicht seiner Kirche, entschieden für die Einheit der Kirche zu wirken, wie es ja auch die vielversprechenden Dialogprojekte in seinem Lande zeigten.