Gemeinschaft Sant'Egidio feiert 45-jähriges Bestehen

Ein Gedenkzug am Bahnhof Termini in Rom, um an Modesta zu erinnern

Rom, (ZENIT.orgSant'Egidio) | 897 klicks

Eine Charakteristik der Gemeinschaft Sant’Egidio, die Grundlage und das tägliche Engagement ist von Anfang an der Dienst an den Armen, der im Rahmen einer Freundschaft gelebt wird. Die ersten Schüler versammelten sich 1968 zum Lesen des Wortes Gottes und spürten, dass das Evangelium nicht fern von den Armen gelebt werden kann. Die Armen als Freunde und das Evangelium als gute Nachricht für die Armen. So beschreibt die im Jahr 1968 gegründete Gemeinschaft die Grundlage ihres Wirkens.

Papst Benedikt XVI. hatte die Verdienste der katholischen Gemeinschaft Sant’Egidio bei seiner Generalaudienz am Mittwoch hervorgehoben und sie ermuntert, weiterhin mit Elan ihren Dienst christlicher Nächstenliebe gegenüber den Schwachen und Armen zu leisten. An der Papstaudienz hatten anlässlich des 45-jährigen Jubiläums mehrere tausend Besucher aus aller Welt, Mitglieder aus den Leitungsgremien von Sant’Egidio sowie mehrere Dutzend ihr nahestehende Bischöfe teilgenommen, die sich derzeit zu einem Seminar zum Thema „Christen und Hirten für die Kirche von morgen“ in Rom aufhalten. Heute Abend wird Sant’Egidio sein 45-jähriges Bestehen mit einer Festmesse in der römischen Lateranbasilika feiern. Der Eucharistiefeier wird der neue vatikanische Familienminister, Erzbischof Vincenzo Paglia,  vorstehen. Er ist einer der Gründer der Gemeinschaft

Am 31. Januar war der römische Bahnhof Termini Ort einer Gedenkveranstaltung der Gemeinschaft für eine vor dreißig jahren hier gestorbene Obdachlose namens Modesta.

Franceska Zuccari, Verantwortliche der Gemeinschaft Sant’Egidio für den Dienst für Obdachlose, eröffnete die Veranstaltung mit folgenden Worten:

„Die Geschichte von Modesta wäre vergessen worden. Sie war eine arme Frau, durch das Leben auf der Straße als Wohnungslose und ohne Familie geschwächt. Ihr Leben wäre in Finsternis und erlittenem Unrecht untergetaucht. Ihre Geschichte hat uns besonders beeindruckt, weil sie ein schreckliches Beispiel dafür ist, wie fehlendes Mitleid tödlich sein kann.“

Modesta war als 71-jährige am 31. Januar 1983 vor genau dreißig Jahren an jenem Ort auf Gleis 1 des Hauptbahnhofs Termini gestorben, ohne die nötige Versorgung zu bekommen, weil sie als schmutzig angesehen wurde.

„Dreißig Jahre danach sind wir aufgrund des inständigen Gedenkens der Gemeinschaft Sant'Egidio zu vielen hier zusammengekommen, mehrere Hundert Personen, die ein einfaches und doch bewegendes Gedenken begehen.“

Vom Fahrkartenschalter bewegte sich ein Schweigemarsch mit einem großen Blumenkranz durch den Bahnhof, der vor einem Bild niedergelegt wurde, auf dem eine arme, gesichtslose Frau dargestellt ist.

Diese Frau werde von der Obdachlosen mittlerweile als „Heilige Modesta“ bezeichnet, wie Matteo Zuppi erwähnt, der Weihbischof für das Stadtzentrum von Rom.  

Am Ende sagte Francesca Zuccari: „Wir danken Modesta, denn ihr Gedenken hat uns geholfen, nie das Bestreben aufzugeben, die Lage vieler Leidender zu verändern und nie vor Gleichgültigkeit und Hindernissen zu resignieren. Deshalb sind wir nach dreißig Jahren wieder hierher zurückgekehrt. Wir werden ihr Gedenken immer wach halten, damit sie uns hilft, weiter für eine Stadt zu kämpfen, die sich um Schwache und Verlassene sorgt“.

Am Sonntag, dem 3. Februar, fand in der Basilika Santa Maria in Trastevere eine Gedenkliturgie an Modesta statt, bei der die Namen aller verlesen wurden, die wie sie gelebt haben und auf den Straßen Roms gestorben sind.

Die Gemeinschaft Sant’Egidio blickt auf ein ereignisreiches Jahr zurück.

Das Weihnachtsfest 2012 beging sie gemeinsam mit etwa 160.000 Menschen in 75 Ländern der Welt. Überall hatte die Gemeinschaft ihre ärmeren Freunde zu gemeinsamen Weihnachtsessen eingeladen. Alte Menschen, Kinder, Menschen mit Behinderung, Waisen, Menschen im Gefängnis, Obdachlose, Roma sowie Ausländer und Flüchtlinge waren ihrer Einladung gefolgt.  

Im Dezember 2012 hatte der Präsident der Philippinen, Beningo Auqino III, der Gemeinschaft Sant’Egidio in einem Brief für ihren Einsatz im Friedensprozess für Mindanao gedankt. Im November hatten in Indonesien Gespräche unter der Beteiligung der Regierung, der beiden Konfliktparteien MILF und MNLF, der indonesischen muslimischen Vereinigung Muhammaddiyah und der Gemeinschaft Sant’Egidio stattgefunden. Weitere Treffen sind vorgesehen.

Am 4. Oktober 2012 hatte die Gemeinschaft des 20. Jahrestags des Friedensschlusses in Mosambik gedacht, bei dem ein 16 Jahre andauernder Bürgerkrieg mit Hilfe der Vermittlung von Sant’Egidio beendet wurde.

Vom 9.-11. September 2012 hatte Sant’Egidio zum internationalen Friedenstreffen nach Sarajewo eingeladen. Religionsoberhäupter und Politiker aus aller Welt waren der Einladung gefolgt. Vor allem die Teilnahme des serbisch-orthodoxen Patriarchen Irinej an dem Treffen fand internationale Beachtung, der bei diesem Anlass als erster serbischer Patriarch nach dem Bosnienkrieg Bosnien-Hercegovina besuchte.