Gemeinwohl und Gerechtigkeit: Benedikt XVI. empfängt Mitglieder der Päpstlichen Akademie für Sozialwissenschaften

Der Papst regt zu mehr Solidarität und zur stärkeren Wahrung des Subsidiaritätsprinzips an

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ROM, 6. Mai 2008 (ZENIT.org).- Menschliche Würde, Gemeinwohl, Solidarität und Subsidiarität: Vor den Mitgliedern der Päpstlichen Akademie für Sozialwissenschaften zeigte Papst Benedikt XVI. am vergangenen Samstag, dem 3. Mai, auf, wie aktuell die Grundlagen der christlichen Soziallehre sind. Sie böten nämlich eine Hilfe dar, um sich den großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu stellen.



Die Vollversammlung der Päpstlichen Akademie für Sozialwissenschaften tagte von 2. bis 6. Mai unter dem Thema: „Das Gemeinwohl verfolgen – wie Solidarität und Subsidiarität zusammenwirken können“. Ziel der Tagung war es, dieses Zusammenspiel unter Wahrung der Würde des Menschen und mit Blick auf eine harmonische Entwicklung zu untersuchen.

Solidarität beziehe sich auf jene Tugend, die es der Menschheitsfamilie gestatte, den Schatz der materiellen und geistigen Güter uneingeschränkt miteinander zu teilen, erklärte der Heilige Vater. Subsidiarität diene der Koordinierung der Tätigkeiten innerhalb der Gesellschaft und unterstütze so das innere Leben der Gemeinschaften vor Ort.

Die vier Prinzipien Menschenwürde, Gemeinwohl, Subsidiarität und Solidarität seien miteinander verbunden, betonte der Papst. Die Würde des Menschen befinde sich an jenem Punkt, an dem sich zwei Achsen berührten, „eine horizontale, die Solidarität und Subsidiarität repräsentiert, und eine vertikale, die das Gemeinwohl repräsentiert“. Daraus entstehe ein Feld, auf dem die verschiedenen Punkte der katholischen Soziallehre auszumachen seien, die das Gemeinwohl bildeten.

Die Prinzipien Solidarität und Subsidiarität versetzten die Menschen in der Lage, sich zur Entdeckung ihrer übernatürlichen und endgültigen Bestimmung aufzumachen. Die Verantwortung der Christen für Frieden und Gerechtigkeit und der nicht zurücknehmbare Einsatz für den Aufbau des Gemeinwohls seien untrennbar mit ihrer Sendung verbunden: das Geschenk des ewigen Lebens zu verkünden, zu dem Gott jeden Menschen berufen hat.

Der Papst versicherte den Wissenschaftlern, dass ihre Überlegungen allen Menschen guten Willens zugute kämen. Zudem würden sie die Christen dazu anregen, ihre Pflicht wahrzunehmen und die Solidarität unter ihren Mitbürgern zu stärken und dem Subsidiaritätsprinzip zum Durchbruch zu verhelfen, damit die Familie, die ehrenamtlichen Vereine, die Privatinitiativen und die öffentliche Ordnung gefördert würden.

Am Ende seiner Ansprache forderte Benedikt XVI. die Mitglieder der Päpstlichen Akademie für Sozialwissenschaften dazu auf, die vertikale und die horizontale Dimension von Solidarität und Subsidiarität genauer zu untersuchen. Auf diese Weise sei es möglich, wirksamere Wege zu finden, um die vielgestaltigen Probleme der Menschheit zu lösen und gleichzeitig den „Primat der Liebe“ zu bezeugen, der über die reine Gerechtigkeit hinausgehe, diese aber verwirkliche und den Menschen zum Leben Gottes hinführe.