Generalaudienz auf dem Petersplatz: Benedikt XVI. erinnert Tausende von Gläubigen an die offene, direkte Art des Apostels Philippus

"Der Herr schenke euch die Gnade, Jesus zu begegnen und andere zu ihm zu führen"

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ROM, 6. September 2006 (ZENIT.org).- "Komm und sieh!" (Joh 1,46). Diese Einladung, die der heilige Philippus in der Manier eines wahren Zeugen einst an Nathanael richtete, gilt heute auch uns. Das betonte Papst Benedikt XVI. am Mittwochvormittag, als er vor dem geistigen Auge Tausender von Gläubigen aus aller Welt die Berufungsgeschichte und die wichtigsten Stationen im Leben des dritten Apostels aus Betsaida Revue passieren ließ.



Philippus habe keine Theorien vorgebracht, sondern seinen Gesprächspartner direkt angesprochen, betonte der Heilige Vater drei Tage vor seinem Besuch in Deutschland. "Auch uns sagt er das, was er Nathanael sagte: 'Komm und sieh.' Der Apostel verpflichtet uns darauf, Jesus aus der Nähe kennen zu lernen."

Nur durch Nähe könne "Freundschaft, die wahre Kenntnis des anderen", entstehen, fuhr der Papst fort. Aus diesem Grund habe Jesus diejenigen, die seine Jünger werden sollten, mit denselben Worten angespornt: "Kommt und seht" (vgl. Joh 1,39).

Die Berufung besteht nach Worten Benedikts XVI. für die Apostel zunächst gerade darin, bei Christus zu sein (vgl. Mk 3,14), sein Leben zu teilen, direkt von ihm zu lernen und ihn selbst immer besser zu kennen. "Nur so, in der Anteilnahme an seinem Leben, konnten sie ihn erkennen und dann verkündigen." Diesbezüglich verwies der Bischof von Rom auch auf Eph. 4,20, wo Paulus bekräftige, "dass das Wichtige ist, Christus 'zu lernen' – also nicht nur und nicht in erster Linie, seine Lehren und seine Worte zu hören, sondern vielmehr, ihn persönlich zu kennen, das heißt: seine Menschheit und seine Göttlichkeit, sein Geheimnis, seine Schönheit."

Nur "die Intimität, die Vertrautheit, der Umgang lassen uns die wahre Identität Jesu Christi erkennen. Ja, gerade daran erinnert uns der Apostel Philippus. Und so lädt er uns ein, zu 'kommen', zu 'sehen', das heißt: Tag für Tag in eine Begegnung des Hörens, der Antwort und der Lebensgemeinschaft mit Jesus einzutreten."

Das Vorbild des Philippus führe uns dazu, die Nähe des Herrn nicht nur selbst zu suchen, sondern diese auch den Mitmenschen zu ermöglichen. "Zu ihm müssen wir jeden schicken, der sich in Not befindet", sagte Papst Benedikt. "Ein jeder von uns muss eine offene Straße sein, die zu ihm führt!" Abschließend fasste er die Lehre des Apostels Philippus mit wenigen Worten zusammen: "Uns von Jesus erobern zu lassen, bei ihm zu sein, und auch andere dazu einzuladen, diese unverzichtbare Gesellschaft zu teilen. Und im Sehen, im Finden Gottes das wahre Leben zu finden."