Generalrelator zieht erstes Resümee zu vierzehn Fragestellungen der Neuevangelisierung

Ihr werdet meine Zeugen sein

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VATIKANSTADT, 19. Oktober 2012 (ZENIT.org). - Das Wesen der neuen Evangelisierung, das Umfeld des Dienstes der Kirche in der heutigen Zeit, pastorale Antworten auf die Gegebenheiten unserer Zeit und das Thema der Handlungsträger/Teilhaber der neuen Evangelisierung waren die Kernpunkte des zusammenfassenden Vortrags über die bisherigen Beratungen der Bischofssynode während der 16. Generalkongregation am Mittwoch, dem 17. Oktober 2012, im Beisein des Heiligen Vaters. Nach dem Gebet Pro felici Synodi exitu (Für einen glücklichen Ausgang der Synode) trug Generalrelator Kardinal Donald William Wuerl, Erzbischof von Washington (USA), den 254 anwesenden Synodenvätern die sogenannte Relatio post disceptationem (Vortrag nach den Beratungen) vor.

Der Generalrelator fasste die verschiedenen Redebeiträge zusammen, die in den vergangenen Tagen im Verlauf der Generalkongregationen gehalten worden waren, und legte einige Richtlinien zur Vereinfachung der Arbeiten der Circuli minores (Kleinen Arbeitsgruppen) dar.

[Wir veröffentlichen den vollen Wortlaut des Textes in einer Arbeitsübersetzung des Heiligen Stuhls:]


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„Ihr werdet meine Zeugen sein" (Apg. 1,8)
Die Synode über die neue Evangelisierung für die Weitergabe des christlichen Glaubens begann mit der Feier der Eucharistie in der Petersbasilika. Unser Heiliger Vater leitete uns an, indem er uns in Erinnerung rief, dass eine Idee, die aus dem Zweiten Vatikanischen Konzil hervorgegangen ist, große Bedeutung für die neue Evangelisierung hat: die allgemeine Berufung zur Heiligkeit und das Bewusstsein dafür, dass jeder Christ per definitionem ein Handlungsträger der Evangelisierung ist. „Eine der tragenden Ideen des erneuerten Impulses, den das Zweite Vatikanische Konzil der Evangelisierung gegeben hat, ist die der allgemeinen Berufung zur Heiligkeit, die als solche alle Christen betrifft (vgl. Lumen gentium, 39-42).“ Die Heiligen sind Evangelisierer, die durch ihr Lebenszeugnis das Wort Gottes in die Welt tragen. Zwei Beispiele für dieses wirkkräftige Werk der Inkulturation des Evangeliums sind der hl. Johannes von Ávila und die hl. Hildegard von Bingen, die Papst Benedikt XVI. zu Beginn dieser Synode zu Kirchenlehrern erhoben hat.

Zu Beginn unserer Beratungen in dieser Aula schenkte unser Heiliger Vater uns erneut Worte, die uns Inspiration boten. In seiner Meditation während des Gebets zur Eröffnung rief Papst Benedikt uns in Erinnerung, daß confessio die erste der beiden großen Säulen der Evangelisierung ist. Wir müssen die Wahrheit Jesu Christi kennen und verkündigen. Die zweite Säule jedoch ist caritas – Liebe. Nur wenn wir das Wort haben, das untrennbar in Liebe gelebt wird, erlangen wir jene Evangelisierung, die sich diese Synode so sehr erhofft. „Glaube hat einen Inhalt: Gott teilt sich mit, aber dieses Ich Gottes zeigt sich wahrhaft in der Gestalt Jesu und wird ausgelegt im 'Bekenntnis', das uns von der jungfräulichen Empfängnis, von der Geburt, dem Leiden, dem Kreuz, der Auferstehung berichtet“ (Meditation, 8. Oktober 2012).

Auch in der Feier am 11. Oktober, in der der Beginn des Jahres des Glaubens ausgerufen und des 50. Jahrestages der Eröffnung des Konzils gedacht wurde, gab uns der Heilige Vater eine weitere wichtige Richtlinie für unsere Arbeit. Er sagte: „Während des Konzils herrschte eine bewegende innere Spannung angesichts der gemeinsamen Aufgabe, die Wahrheit und die Schönheit des Glaubens im Heute unserer Zeit erstrahlen zu lassen, ohne sie den Ansprüchen der Gegenwart zu opfern, noch sie an die Vergangenheit gefesselt zu halten: Im Glauben schwingt die ewige Gegenwart Gottes mit, die über die Zeit hinausreicht und dennoch von uns nur in unserem unwiederholbaren Heute aufgenommen werden kann“ (Predigt, 11. Oktober 2012).

In den vergangenen Wochen haben wir aufmerksam die Reflexionen darüber angehört, was die neue Evangelisierung bedeutet und wie die Kirche den Anliegen, die zum Ruf unseres Heiligen Vaters nach einer neuen Evangelisierung geführt haben, am besten begegnen kann. Gehaltvolle Beiträge vonseiten der Synodenväter sowie der Bruderdelegierten, der Auditoren und der Sondergäste haben unsere Sitzungen bereichert. Im Ordo Synodi Episcoporum heißt es, daß es Aufgabe des Generalrelators ist, eine relatio post disceptationem zu erstellen, die die Diskussionen so gut wie möglich zusammenfasst, damit dann der nächste Schritt des Prozesses folgen kann.

Die folgenden Überlegungen sollen in irgendeiner Form hilfreich sein für die Diskussionen in den Sprachgruppen (kleinen Arbeitsgruppen), die die propositiones erarbeiten, die dem Heiligen Vater am Ende unserer Arbeit unterbreitet werden. Ich füge diesen Ausführungen auch einige Punkte zur weiteren Entwicklung an.

In dieser relatio werde ich einiges von dem, was zur Sprache gekommen ist, unter folgenden Überschriften zusammenfassen:
1.Das Wesen der neuen Evangelisierung;
2.Das Umfeld des Dienstes der Kirche in der heutigen Zeit;
3.Pastorale Antworten auf die Gegebenheiten unserer Zeit;
4.Handlungsträger/Teilhaber der neuen Evangelisierung.

1. Das Wesen der neuen Evangelisierung

Aus den Diskussionen der Synode ging sehr deutlich hervor, dass die Grundlage der neuen Evangelisierung für die Weitergabe des Glaubens vor allem das Wirken der Allerheiligsten Dreifaltigkeit in der Geschichte ist. Gott, der Vater, sendet seinen Sohn, der die wahre Frohbotschaft darüber, was wir in der Kraft des Heiligen Geistes sind, mit sich bringt. Die Kirche hat Anteil an dieser Bewegung der göttlichen Selbstoffenbarung, die mit der allerseligsten Jungfrau Maria beginnt, die durch das Wirken des Heiligen Geistes in ihrem Leib das Wort Gottes empfängt, das in ihr Fleisch wird, damit es der ganzen Welt geschenkt werden kann. Das fleischgewordene Wort ist es, das allen, die an Christus glauben, seine Worte des ewigen Lebens schenkt. Nach seinem Tod und seiner Auferstehung sandte Jesus die Kirche – seine Braut und seinen neuen Leib – in die Welt, um seine Evangelisierungssendung fortzusetzen.

„Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern … und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe“ (Mt 28,19–20).
Jesus hat uns von der Macht der Sünde befreit und vom Tod erlöst. Die Kirche empfängt von ihrem Herrn nicht nur die wunderbare Gnade, die er ihr erlangt hat, sondern auch den Auftrag, seinen Sieg mitzuteilen und bekanntzumachen. Wir sind aufgefordert, das Evangelium Jesu Christi treu an die Welt weiterzugeben. Die erste Sendung der Kirche ist die Evangelisierung.

In seiner Meditation zur Eröffnung hat unser Heiliger Vater uns daran erinnert, dass die Kirche das Wort „Evangelium“ genommen und es auf neue, lebenspendende Weise ausgelegt hat, so dass wir durch seine Verkündigung Anteil haben am prophetischen Dienst der Apostel – der Kirche.

In derselben Meditation hat unser Heiliger Vater den Primat Gottes in der Evangelisierung hervorgehoben. Gott ist es, der in der Geschichte spricht und wirkt. Durch das Feuer des Heiligen Geistes sind wir berufen, demütig mit Gott zusammenzuwirken durch unser Bekenntnis des Glaubens und der Liebe, durch das das Wort Gottes durch uns hindurchgeht, um andere zu berühren.

Die Kirche wird nie müde, die Gabe zu verkündigen, die sie vom Herrn empfangen hat. Das Zweite Vatikanische Konzil hat uns daran erinnert, dass die Evangelisierung das Herzstück der Kirche ist. In Lumen gentium, dem grundlegenden Text und Kernstück der Reflexion des Konzils über das Leben der Kirche, haben die Konzilsväter betont: „Diesen feierlichen Auftrag Christi zur Verkündigung der Heilswahrheit hat die Kirche von den Aposteln erhalten und muss ihn erfüllen bis zu den Grenzen der Erde“ (17).

Die Pflicht, die erlösende Wahrheit zu verkündigen, ist nicht nur die Verantwortung des Klerus und der Ordensleute. Im Gegenteil, diese Synode hat die wichtige Rolle eines jeden Jüngers Christi in der Sendung, den Glauben zu verbreiten, hervorgehoben. In der Diskussion wurde hervorgehoben, dass die Teilhabe eines jeden Katholiken entscheidend und lebenswichtig ist, besonders durch die eifrige Hingabe und die Gaben, die die gläubigen Laien in die Evangelisierungssendung einbringen. Frage 1: Durch die Taufe haben alle Christen eine persönliche Berufung erhalten, die ihnen die Würde verleiht, Evangelisierer zu sein. Wie kann die Kirche bei allen Getauften ein größeres Bewusstsein ihrer Verantwortung in Mission und Evangelisierung fördern?

„Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit” (Hebr 13,8), und als solcher macht er „alles neu“ (Offb 21,5). In diese Frohbotschaft sind die vielen Gesichtspunkte der Evangelisierung einbezogen. Einer davon ist die Mission ad gentes, also die Verkündigung des Evangeliums an jene, die nie von Jesus Christus gehört haben. Ein weiterer Gesichtspunkt der Evangelisierung ist die ständige Katechese und das Wachstum im Glauben, das ein normaler Teil der christlichen Entwicklung ist. Dann gibt es auch die neue Evangelisierung: die pastorale Hinwendung an jene, die von Christus gehört und irgendwann einmal begonnen haben, den Glauben zu praktizieren, aber dies aus irgendeinem Grund nicht weitergeführt haben.

Frage 2: Zu den dringend notwendigen Aufgaben, die gewöhnlich Teil des Lebens der Pfarrgemeinde sind, gehört die Erstverkündigung des Glaubens und ihre stufenweise Weiterentwicklung. Wir kann die christliche Gemeinde sich der Bedeutung dieser katechetischen Arbeit und Bildungstätigkeit stärker bewusst werden?

2. Das Umfeld des Dienstes der Kirche in der heutigen Zeit

Am Beginn unserer Bemühungen haben uns die Reflexionen der Bischöfe aus den fünf Kontinenten sehr geholfen, die zu uns über die Herausforderungen und zugleich über die Gemeinschaft der Kirche gesprochen haben. Alle Beiträge haben Aspekte der gegenwärtigen Situation zum Ausdruck gebracht, unter Bezugnahme auf kontinentale Synodaldokumente und Apostolische Schreiben des sel. Johannes Paul II. sowie unseres Heiligen Vaters Papst Benedikt XVI.

Trotz aller Unterschiede in den Einzelheiten zeigten alle Kontinente die Notwendigkeit einer neuen Evangelisierung auf, da ihre eigenen Kulturen vom Säkularisierungsprozess betroffen sind, wenngleich dieser in den verschiedenen geographischen Regionen unterschiedlich zum Tragen kommt.

Zu den Zeichen der neuen Evangelisierung in Afrika, Amerika, Asien, Ozeanien und Europa gehören kleine christliche Gemeinschaften in einer Vielzahl von Formen, die zu lebendigen Zentren der Evangelisierung geworden sind. Wiederbelebte Pfarrgemeinden blieben weiterhin Bezugspunkt für die Erneuerung der Kirche. Das Handeln der Laien stellt eine grundlegende und fruchtbare Entwicklung dar. Einige haben auch den Megatrend der Globalisierung und seine Auswirkungen, besonders auf junge Menschen, hervorgehoben. Gleichzeitig haben alle betont, dass Jesus das Herzstück der neuen Evangelisierung ist.

Eine besonders schwierige Situation trat in den Beiträgen zutage, die den Nahen Osten betrafen. Wir wurden an die große Bedeutung der christlichen Präsenz in dieser Region erinnert sowie daran, dass die dortigen Katholiken sehr dankbar sind für das kürzlich übergebene Apostolische Schreiben Ecclesia in Medio Oriente und ganz besonders für den Besuch unseres Heiligen Vaters im Libanon, ein hochgeschätztes Zeugnis für die Kirche in jenem Teil der Welt, der jetzt von muslimischem Einfluss beherrscht ist. Man hat sich deutlich darum bemüht, den interreligiösen Dialog als Werkzeug des Friedens zu fördern, und auch die Schwierigkeiten, denen die christlichen Gemeinden gegenüberstehen, wurden anerkannt.

Die Anwesenheit des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. und des Erzbischofs von Canterbury, Dr. Rowan Williams, sowie der Bruderdelegierten zeigte den starken ökumenischen Einsatz der katholischen Kirche. Das wurde auch von einigen Synodenvätern erwähnt.

Frage 3: Aus vielen Beiträgen ist deutlich geworden, dass Übereinstimmung darüber besteht, dass dies ein Augenblick ist, in dem der Dienst der Kirche neu ausgelotet werden muss - in einer Weise, die die neue Situation anerkennt, in der die Kirche ihren immerwährenden Dienst, der Welt das Evangelium Christi zu bringen, vollbringt. Welche fruchtbaren Erfahrungen sind aus dieser Arbeit hervorgegangen?

Viele Väter haben über den Säkularismus und die Gleichgültigkeit gegenüber der Religion gesprochen, die in vielen Teilen der Welt Teil der Kultur sind. Die Kirche muss sich daher den Herausforderungen einer Welt stellen, die ihre Inspiration an anderer Stelle sucht.
Viele Beiträge haben auf die große Unwissenheit über den Glauben – selbst über elementarste Glaubensinhalte – hingewiesen, die selbst in jenen Ländern herrscht, die eine lange christliche Geschichte haben.

Frage 4: Angesichts der abnehmenden Kenntnis der Glaubensinhalte und der mangelnden Wertschätzung gegenüber der Botschaft des Evangeliums - welche neuen Schritte wurden unternommen, um besonders den jungen Menschen die Lehre klar, einnehmend und unverkürzt zu vermitteln?

Die Globalisierung enthält auch einzigartige Herausforderungen. Die Auswanderung und Einwanderung zahlreicher Menschen haben sie vom kulturellen, sozialen und religiösen Umfeld ihres Glaubens entfernt. Viele religiöse und menschliche Werte wurden vom Säkularismus überschattet.

Ein großer Teil der heutigen Kultur zeigt eine Sichtweise auf, die das Sozialgefüge der Gesellschaft schwächt. Einige Synodenväter nannten Beispiele für lokale Gewalt und andere für die Beschränkung der Religionsfreiheit. All dies ist eine Herausforderung, der die Kirche in vielen Teilen der Welt gegenübersteht.

Viele Väter sprachen über die Bedeutung der sozialen Kommunikationsmittel, insbesondere der neuen elektronischen Medien, im Bestreben der Kirche, ihren Dienst der Verkündigung der Frohbotschaft auszuführen. Einige wiesen darauf hin, dass es nicht genügt, das Christentum und christliche Werte einfach nur im Internet oder in christlichen Filmen darzustellen. Man muss die Sprache der neuen Medien erlernen. Die Kirche muss die Kunst der Kommunikation aus dem Gebrauch der modernen sozialen Kommunikation heraus lernen.
Frage 5: Die Synode hat die ernsten Herausforderungen hervorgehoben, denen die Kirche heute gegenübersteht und die die Weitergabe des Glaubens behindern, unter anderem das Nichtvorhandensein von Transzendenz in einer säkularisierten Kultur. Welche Herausforderungen enthält die Säkularisierung, und welche potentiellen und bestehenden Gegenmittel gibt es?

3. Pastorale Antworten auf die Gegebenheiten unserer Zeit

Die Idee der kirchlichen Gemeinschaft muß stärker hervorgehoben werden, die Verbundenheit mit Gott und daher auch untereinander als Kirche. Wir haben die Notwendigkeit vernommen, die Sakramente aufzugreifen, besonders die Sakramente der Initiation, das Sakrament der Buße und vor allem die Ausrichtung auf die Eucharistie.
Die übergeordnete Notwendigkeit unserer Zeit ist eine geistliche Erneuerung, die zu verkündigen und herbeizuführen Aufgabe der Kirche ist. Die geistliche Erneuerung ist das wichtigste Element der neuen Evangelisierung, da sie der persönlichen Begegnung mit Jesus Christus bedarf sowie einer Katechese, die unser geistliches Wachstum fördert.


Frage 6: Die Verkündigung des Evangeliums ist in erster Linie eine geistliche Angelegenheit, die in einer persönlichen Beziehung zu Jesus Christus durch die Kirche verwurzelt ist. Wie kann die Kirche bessere Räume und Zeiten für eine Begegnung mit Christus schaffen und eine geistliche Erneuerung, Umkehr und Glaubensbildung aller Getauften besser fördern?
Unsere persönliche Hingabe beruht nicht nur allein auf unserer individuellen Entscheidung.
Der Erste Petrusbrief ruft uns in Erinnerung: „Ihr seid neu geboren worden, nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen: aus Gottes Wort, das lebt und das bleibt“ (1Petr 1,23).


Der Heilige Geist beseelt unsere Hingabe in unserem Bestreben, die im Credo ausgedrückten Wahrheiten wiederzuentdecken. Der Geist gibt uns die Kraft, uns dem Leben der Gnade und der Tugend anzuvertrauen, das in den Sakramenten verheißen ist. Der Geist festigt unser Vertrauen, uns tief im Innern unseres Herzens zu öffnen, damit seine Gaben uns die Kraft geben mögen, unseren Glauben zu leben. Die neue Evangelisierung sollte überfließen in die Gesellschaft, in der wir leben. Die Kultur ist das Feld der Neuevangelisierung. Die Kultur nimmt Bezug auf den täglichen Ethos, die verschiedenen Netzwerke des Verstehens und Bedeutens, aus denen heraus die vielen täglichen Verbindungen zwischen der Person, der Gemeinschaft und der Gesellschaft entstehen. Die Kultur ist das entscheidende Bindeglied zwischen der Person und der Gemeinschaft sowie zwischen der Gemeinschaft und der Gesellschaft.

In diesem Zusammenhang wurde die Möglichkeit hervorgehoben, den „Vorhof der Völker“ zu fördern, als großer Beitrag zur Evangelisation zur Kultur.

Wieder andere wiederum erinnerten die Synode daran, dass die Fürsorge für die Kranken und Leidenden zum Wesen der Evangelisierung selbst gehört. Die Kranken, Behinderten und Menschen mit besonderen Bedürfnissen sind ebenfalls in der Lage, Träger der Evangelisierung zu sein.

Ein Thema, das immer wieder auftauchte, ist die Notwendigkeit, die Rolle der Kirche als Anwesenheit Christi selbst in der heutigen Welt hervorzuheben. Die Kirche steht nicht außerhalb des Heilsplans Christi. Einige Bischöfe sprachen über die Notwendigkeit, die Rolle des Lehramts der Kirche wieder zu stärken bei allen, die in die Glaubenslehre eingebunden sind, auf der Ebene der theologischen Spekulation ebenso wie im Unterricht an den Grundschulen, weiterführenden Schulen und Universitäten sowie in allen Formen der Katechese.

Frage 7: Das christliche Leben zeichnet sich aus durch die Verwandlung der ganzen Person als Antwort auf den Ruf zur Heiligkeit. Wie kann die Kirche allen Getauften helfen, den christlichen Glauben zu leben und als Zeugen der verwandelnden Macht Gottes in unserer Geschichte zu leben?

Unter den pastoralen Antworten, die beachtliche Erwähnung fanden, waren die Werke der sozialen Gerechtigkeit und die Werke der Nächstenliebe als Merkmal des Lebens und des Dienstes der Kirche. Die Fähigkeit der Kirche, ihre vielen Liebeswerke auszuführen, im Bereich der sozialen Gerechtigkeit, der Dienstleistung, der Gesundheitsfürsorge sowie von Erziehung und Bildung wurden als Teil ihrer Identität betrachtet und als ein Zeichen für andere, das Wirken der Gegenwart Gottes in unserer Welt zu erkennen.

Frage 8: Das Zeugnis von der Liebe Christi durch die Werke der Gerechtigkeit, des Friedens und der Entwicklung gehört zur neuen Evangelisierung. Wie kann die reiche Soziallehre der Kirche den Glauben besser verkündigen und Zeugnis von ihm geben?

Viele Synodenväter verlangten nach einem neuen Pfingsten. Sie sagten, im Handeln der Kirche in der heutigen Zeit, in der Kraft des Heiligen Geistes, den Widerschein der Kraft der frühen Kirche zu sehen, als die Apostel auszogen, um dem Herrn die ersten Jünger zu bringen. Viele Väter sprachen über die Ähnlichkeit jener frühen Tagen der Kirche mit unserer heutigen Zeit. In diesem Zusammenhang wurde vorgeschlagen, eine feierliche Weihe der Welt an den Heiligen Geist vorzunehmen.

In der gesamten Kirche sind die Pfarreien bekanntlich der Ort, an dem der größte Teil des Lebens der Kirche stattfindet. Viele Male wurde die Bedeutung der Pfarreien zur Entfaltung der neuen Evangelisierung hervorgehoben, da diese der Ort sind, an dem die Menschen so viele Erfahrungen mit der Kirche machen. Gleichzeitig wurde die Notwendigkeit betont, die Bedeutung kleiner Glaubensgemeinschaften hervorzuheben, als Grundlage für die Bemühungen der heutigen Kirche, ein neues Pfingsten hervorzubringen.

Mehrere Synodenväter haben die Aufmerksamkeit auf die kleinen Gemeinschaften gelenkt und betonten, daß sie nicht von der größeren Pfarreifamilie getrennt werden dürfen. Jeder Hirte muß in der Lage sein, mit allen Menschen zu arbeiten, die seiner Obhut anvertraut sind und darf sich nicht auf einen kleinen Teil davon beschränken.

Frage 9: Pfarrgemeinden und kleine christliche Gemeinschaften nehmen eine Schlüsselposition in der neuen Evangelisierung ein. Wie können die Pfarreigemeinden und die kleinen Glaubensgemeinschaften die pastoralen Initiativen zur neuen Evangelisierung besser fördern und koordinieren? Wie kann die gewohnte pastoralen Praxis im täglichen Leben dieser christlichen Gemeinschaften Elemente der neuen Evangelisierung sein?

Wie haben von der Glaubenserziehung als Ausgangspunkt für eine Erneuerung oder zur Unterstützung der neuen Evangelisierung gehört, einer neuen Bekanntmachung der Welt mit Jesus Christus. Einige Väter hoben die Erziehung und Bildung, besonders von jungen Menschen, als grundlegenden Teil der neuen Evangelisierung und unserer Fähigkeit, in die Zukunft voranzuschreiten und Menschen zur Christuserfahrung zurückzubringen. Einige Synodenväter wiesen auf die Notwendigkeit hin, praktische und konkrete Wege zu finden, um jungen Menschen eine angemessene Glaubenserziehung zu geben. Natürlich schließen diese Gesichtspunkte auch die Unterweisung von Kindern und Jugendlichen mit ein.
Frage 10: Seit dem Erscheinen des Katechismus der Katholischen Kirche wurden große Fortschritte in der katechetischen Erneuerung gemacht. Wie kann die Kirche ein Programm für die Katechese entwickeln, das sowohl einfach als auch vollständig ist und zur Suche nach dem Wahren, dem Guten und dem Schönen inspiriert? Die Jugendlichen sind die Zukunft der Kirche. Wie kann die Kirche die Jugendlichen besser auf die Großartigkeit der Beziehung zu Jesus Christus durch die Kirche ausrichten, diese katechetisch vermitteln und sie auffordern, ihm ihr Leben ganz anzuvertrauen?

Unter diesem Zusammenhang haben einige davon gesprochen, den Katecheten wieder verstärkte Aufmerksamkeit zu widmen. Die Katecheten können bei der neuen Evangelisierung eine große Hilfe sein, besonders in den Familien, wenn sie ihren Kindern den Glauben vermitteln.

Frage 11: Die Katecheten spielen für die Weitergabe des Glaubens eine entscheidende Rolle. Sollte dies vielleicht der richtige Zeitpunkt sein, um den Katecheten ein institutionelles, festes Amt in der Kirche zu geben? Wie kann die Kirche den Katecheten in ihrem wichtigen Dienst besser beistehen?

Einige Synodenväter sprachen über die Notwendigkeit, die katholische kerygmatische Tradition zurückzugewinnen, um das Wort Gottes mutig zu verkündigen, zur Zeit und zur Unzeit, die prophetische Stimme der Kirche zurückzufordern, die Zeichen der Zeit zu erkennen, die nach der neuen Evangelisierung verlangen, und eine katholische Antwort auf diese Zeichen der Zeit zu verkündigen und zu leben.
Im selben Licht haben einige Synodenväter die Bedeutung der Volksfrömmigkeit als Ausdrucksform des Gottesvolkes für ihren Glauben hervorgehoben.
Es gab eine beachtliche Übereinstimmung über den Wert von Pilgerreisen, besonders zu Marienheiligtümern. Dieses Phänomen bietet große Möglichkeiten für die Evangelisierung.
Es herrscht letztlich die Erkenntnis, daß die neue Evangelisierung nicht nur ein Programm für den Augenblick darstellt, sondern eine Weise, auf die Zukunft der Kirche zu schauen und uns alle darum bemüht zu sehen, zunächst uns selbst zu einer Erneuerung des Glaubens und dann alle Menschen in unserem Umfeld zur freudigen Annahme des Lebens im auferstandenen Christus einzuladen.

4. Die Handlungsträger/Teilhaber der neuen Evangelisierung

Der Rolle der Familie wurde Aufmerksamkeit gewidmet. Sie ist das Werkzeug, durch das der Glaube weitergegeben wird, auch unter schwierigsten Umständen. Das Familienleben muss unterstützt werden, besonders heute, da es so sehr unter dem Druck einer neuen, säkularen Weltanschauung leidet.

Frage 12: Als Hauskirche ist die Familie nicht nur für die Weitergabe des Glaubens unverzichtbar, sondern auch für die Erziehung und Herausbildung der menschlichen Person. Wie kann die Kirche die Familie besser unterstützen und anleiten in ihrem wichtigen Dienst, das Evangelium zu verkündigen und eine aktive Rolle in der Weitergabe des Glaubens und der menschlichen Werte einzunehmen?

Die Synode sprach auch über die grundlegende Rolle der Frau im Leben der Kirche und insbesondere über den Platz der Familienmutter in der Weitergabe des Glaubens.
Eine systematische und konsequente pastorale Hinwendung erfordert die ständige Weiterbildung der Priester im Verständnis der freudigen Verkündigung des Evangeliums in einer Zeit, die wenig Wissen über das Geheimnis Christi besitzt.

Bei jenen, die sich auf das Priesteramt vorbereiten, muss das Verständnis für die Einzigartigkeit ihres Dienstes und seiner Beziehung zur Evangelisierung herausgebildet werden. Sie müssen auch im Hinblick auf die Annahme der Tatsache ausgebildet werden, dass sie ihr Leben dem Dienst an der Kirche als zölibatäre Priester widmen werden.

Frage 13: Der Priester nimmt einen einzigartigen Platz in der Evangelisierung und in der Weitergabe des Glaubens ein. Wie kann die Kirche beim Dienst der Priester einen erneuerten missionarischen Imperativ fördern?

Die Kirche ist gesegnet durch den Dienst und das Zeugnis gottgeweihter Frauen und Männer, die auch weiterhin die Liebe Christi in die Welt tragen, in Form zahlreicher Tätigkeiten. Das gottgeweihte Leben selbst ist ein Zeichen, das anderen die Wahrheit des Evangeliums aufzeigt.

Viele haben die Rolle der Laien in der Neuevangelisierung hervorgehoben. Auf allen Ebenen im professionellen Bereich – in Erziehung und Bildung, Recht, Politik, Wirtschaft – sowie in allen Bereichen, in denen Laien sich einsetzen, ist es Aufgabe jedes einzelnen Katholiken, Menschen einzuladen, zur Glaubenspraxis zurückzukehren. Dies geschieht mit Worten, aber auch und in erster Linie durch Taten, durch unser Handeln und unsere Lebensweise.

Frage 14: Die Laien sind unverzichtbar für die Neuevangelisierung. Wie kann die Kirche die Laien besser in die Organisation der Ortskirche einbeziehen, so dass Männer und Frauen im Laienstand sich zusammen mit den Priestern für die Evangelisierung der Gemeinschaft einsetzen?

Einige Beiträge hoben auch das Phänomen der Migration hervor, das in unserer Zeit so weit verbreitet ist. Es geschieht oft, dass Katholiken in ein neues Umfeld kommen und ihren Glauben nicht länger praktizieren. Sie in der Gemeinschaft willkommen zu heißen und herzlich aufzunehmen kann eine Form der Neuevangelisierung sein. Mehrmals wurde die Bedeutung von Maria, Mutter der Kirche und der Neuevangelisierung, als Vorbild und Patronin für unsere Bemühungen hervorgehoben. Vor allem ihr Glaube spornt uns an, ebenso zu antworten. Durch ihren Glauben kam das Wort Gottes in unsere Welt. In Nachahmung Marias können wir durch unseren Glauben und unser Zeugnis für das geistliche Leben Veränderungen herbeiführen in der Welt, in der wir leben.

Wir werden jetzt beginnen, die propositiones zu erarbeiten, die einen Leitfaden für die Arbeiten dieser Synode darstellen werden, um dem Heiligen Vater einen Bezugsrahmen für seine Reflexionen anzubieten. Es scheint es daher angebracht zu sein, aus den vielen möglichen Themen eine Reihe von Punkten aufzugreifen:

1.Das ungeschuldete Eingreifen der Liebe Gottes in unser Leben, das auf unterschiedliche Weise zum Ausdruck kommt, endgültig und in Fülle jedoch in seinem fleischgewordenen Wort – Jesus Christus;
2.Die Gabe des Heiligen Geistes, der unseren Verstand erleuchtet und unser Herz fest macht, um Gottes Wort anzunehmen und es zu leben;
3. Christus ist das Subjekt unseres Glaubens, und die persönliche Begegnung mit ihm lädt uns ein, Jünger zu werden;
4.Wir begegnen Christus in seiner Kirche und durch seine Kirche, seinen neuen Leib;
5.Christus und sein Evangelium sind das Herzstück der Verkündigung der Kirche;
6. Alle gläubigen Laien sowie die Ordensleute und der Klerus sind aufgefordert, offen zu sein für ein neues Pfingsten in ihrem Leben;
7. Die Weitergabe der Glaubensinhalte, des Credo, ist eine Aufgabe, die allen zukommt, insbesondere in den Familien, den Pfarrgemeinden und den kleinen Gemeinschaften;
8. Die Pfarrgemeinde ist der Ort, an dem die meisten Menschen das Leben der Kirche erfahren;
9. Zu den Themen der neuen Evangelisierung gehören auch die Familie, die Ehe, die Glaubenserziehung, die Religionsfreiheit, die Fürsorge für die Armen und die Rolle der Laien;
10. Auch die praktischen Ausdrucksformen der Evangelisierungstätigkeit der Kirche, die erfolgreich zu sein scheinen, sollten erwähnt werden.

Schluss

Der Same braucht Zeit zum Wachsen. Die gewollte und reflektierte Aktion einer aufmerksamen und beständigen Hinwendung an nicht praktizierende Katholiken auf persönlicher Ebene wird neuen Samen pflanzen, indem wir unser erneut darum bemüht, Gottes Wort zu verkündigen und es jenen neu anzubieten, die heute der Kirche fernstehen.
Der Sämann vertraut uns den Samen an. Wir wissen um unsere Schwierigkeiten, unsere Spannungen, unsere Ruhelosigkeit, unsere Fehler und unsere menschliche Schwäche.

Trotzdem ruft er uns, gibt uns den Samen in die Hand und vertraut ihn unserer Verantwortung an. Der Same ist der Beginn der Fruchtbarkeit. Um den Samen zu pflanzen, sind wir aufgerufen, das Wort Gottes zu leben und es mit Freude zu teilen.

Maria, Stern der neuen Evangelisierung und Vorbild für jeden Jünger, Missionar und Evangelisierer, möge für uns Fürsprache halten, auf dass die Arbeit dieser Synode reiche Frucht hervorbringe zur Ehre Gottes und zum Heil aller Männer und Frauen.