Georg Häfner selig gesprochen

Märtyrerpriester in Dachau

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WÜRZBURG, Montag, 16. Mai 2011 (ZENIT.org/Diözese Würzburg). - In einer feierlichen Zeremonie wurde im Würzburger Kiliansdom am Nachmittag vom päpstlichen Delegaten Angelo Kardinal Amato, dem Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, das Dekret von Papst Benedikt XVI. über die Aufnahme des Würzburger Märtyrerpriesters Georg Häfner (1900-1942) unter die Seligen der Kirche verlesen: „Indem Wir den Wunsch Unseres Bruders Friedhelm Hofmann, Bischof von Würzburg, vieler anderer Brüder im Episkopat und vieler Gläubiger erhören und nachdem Wir auch die Meinung der Kongregation für die Heiligsprechung gehört haben, gewähren Wir aufgrund unserer Apostolischen Autorität, dass der Diener Gottes Georg Häfner, Priester und Märtyrer, der mit Eifer und Klugheit das Evangelium bezeugte, dessen Wahrheit er ohne Zweifel denen verkündete, die seiner pastoralen Sorge anvertraut waren, von nun an Seliger genannt werde und dass sein Fest gefeiert werden kann an den Orten und nach den vom Recht festgesetzten Regeln jedes Jahr am 20. August, dem Tag seiner Geburt zum Himmel.“

Die festliche Proklamation des neuen Seligen stand am Beginn der rund zweieinhalbstündigen Seligsprechungsfeier, die erstmals in Würzburg stattfand.

Konzelebranten der Eucharistiefeier waren auch der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Jean-Claude Périsset, sowie mehrere Weihbischöfe, Priester und Pfarrer aus der Diözese Würzburg.

Die Gabenprozession erfolgte mit Häfners Brevier, Kelch und Ziborium, die nunmehr zur Verehrung freigegeben sind.

Bischof Dr. Friedhelm Hofmann betonte in seiner Ansprache, mit der Seligsprechung erführen auch all die ungenannten und unbekannten Zeugen ihre Würdigung, die in dieser schweren Zeit ebenfalls treu und konsequent ihren Glauben gelebt und den Nationalsozialisten so Widerstand geleistet hätten. Dazu zählen nach den Worten des Bischofs die Männer und Frauen, die Priester und Ordensleute, die auch wegen ihres Glaubens und ihres Gewissens Schikane, Repressalien, Verfolgung, Haft und Lager erduldet haben. „So steht hier und heute der eine Zeuge stellvertretend auch für die vielen. Würzburg, Deutschland, ja die ganze Welt darf sich heute mit uns freuen, denn jetzt ist die Zeit der Gnade.“

An der Feier am Sonntagnachmittag  im Kiliansdom nahmen rund 1700 Menschen teil – unter ihnen Prälat Hermann Scheipers, der mit Häfner im Konzentrationslager Dachau inhaftiert war. Weitere 200 Gläubige verfolgten die Feier im Neumünster sowie auf dem Kiliansplatz mit.

Mit der Seligsprechung von Pfarrer Georg Häfner strahle Gottes Gegenwart in unserem Leben auf, sagte Bischof Hofmann. Im Lebenszeugnis des Märtyrerpriesters Georg Häfner werde gerade im Konzentrationslager Dachau, einer „Stadt ohne Gott“, Gottes Dasein greifbar. „Da, wo Gottes Gegenwart am wenigsten vermutet wird, leuchtet sie auf einmal in einem Menschen auf, der in der größten Erniedrigung, in Hunger und Schmach Gottes Güte und wehrlose Hingabe lebt.“

Das in der Apsis des Doms enthüllte Bild des neuen Seligen stammt von dem Veitshöchheimer Künstler Helmut Booz.

Das Tagesgebet für die Gedenkmesse jeweils am 20. August lautet: „Allmächtiger Gott, im Leben und Wirken des seligen Priesters Georg Häfner hast du der Kirche einen Zeugen deines Erbarmens geschenkt und sein Glaubenszeugnis in der Gefangenschaft als Lebensopfer angenommen. Lass uns durch sein Beispiel die erlösende Liebe deines Sohnes erkennen, dich und die Menschen lieben und besonders den Feinden vergeben.“

In seinem Schlusswort rief Kardinal Amato auf, die Märtyrer nachzuahmen und heiligmäßig in der Treue zum Taufversprechen zu leben. Papst Benedikt XVI. sei besonders bewegt von der aufbauenden Vorstellung dieses Märtyrerpriesters, seines Zeitgenossen. „Georg Häfner lehrt uns stark zu sein im Glauben, keine Angst zu haben vor denen, die die Kirche und ihre Diener erniedrigen mit Verleumdungen und Verfolgungen.“ Die Geschichte zeige, wie die katholischen Priester zu jeder Zeit und in jedem Teil der Erde immer Zeugnis gegeben hätten für die wahre Heiligkeit, indem sie die Menschheit zum Guten und Wahren erzogen hätten, in der Verteidigung der fundamentalen Rechte jeder menschlichen Person, zum Leben und zur Gewissensfreiheit.

Den Abschluss der Feier bildete ein Zug der Bischöfe und Priester zum Urnengrab des Seligen in der Kiliansgruft der Neumünsterkirche.

Kurzportrait des neuen Seligen (entnommen der Diözesanseite , Autor Bernhard Schweßinger)

Geboren wird Georg Häfner am 19. Oktober 1900 in Würzburg. Er wohnt in der Unteren Bockgasse in der Pfarrei Neumünster und wächst in der Bischofsstadt auf. Nach Abitur und Kriegsdienst in den letzten Wochen des Ersten Weltkriegs beginnt er im Wintersemester 1919/20 das Theologiestudium. Spirituell schließt sich Häfner in dieser Zeit dem Dritten Orden vom Berge Karmel an. Seine von Kindheit an enge Vertrautheit mit dem Karmelitinnenkloster Himmelspforten wirkt sich auf sein weiteres geistliches Leben aus. Am 13. April 1924 weiht ihn der Bamberger Erzbischof Jakobus von Hauck in der Würzburger Michaelskirche zum Priester. Kaplansjahre in Motten, Goldbach, Mürsbach und Altglashütten folgen. Am 12. November 1934 wird Georg Häfner Pfarrer von Oberschwarzach am Fuße des Steigerwalds.

Pfarrer Häfner lebt bescheiden, zurückgezogen, konzentriert auf Gebet und Opfer. Gegenüber den Nationalsozialisten tritt er aber kompromisslos auf. Er lehnt sie ab und gerät bald in Konflikt mit dem NS-Regime. Häfner verweigert den Hitler-Gruß. Ein Schulverbot wird gegen den Priester verhängt. Häfner unterrichtet im Oberschwarzacher Kirchenturm weiter. Am 22. August 1941 wird ihm auch diese Aktion untersagt. Die Situation des Oberschwarzacher Pfarrers spitzt sich immer mehr zu. Am 31. Oktober 1941 wird Häfner verhaftet. Begründung der Geheimen Staatspolizei: Häfner habe die Bevölkerung aufgehetzt, das priesterliche Amt missbraucht und damit die „innere Front geschwächt“. Anlass für die Verhaftung sind die Umstände um den Tod und die Beerdigung des Forstwarts Michael Wünsch. Dieser hatte auf dem Sterbebett auf Geheiß Häfners eine Erklärung unterschrieben, wonach er seine zweite, standesamtlich geschlossene Ehe für ungültig deklarierte. Pfarrer Häfner äußert hierzu bei der Vernehmung am 31. Oktober 1941: „Für mich war maßgebend, dass sich der Tote mit der Kirche ausgesöhnt hatte und nunmehr kirchlich beerdigt werden konnte. Dass ich die Aussöhnung des verstorbenen Wünsch mit der Kirche in die Wege leitete, erachtete ich als meine Pflicht.“

Der Weg ins Konzentrationslager Dachau, der Kreuzweg Georg Häfners, folgt. „Es ist vom Herrgott bestimmt, dass ich den Kreuzweg weiter gehe. Am Donnerstag komme ich wahrscheinlich nach Dachau. ... Keinem Menschen wollen wir fluchen, keinem etwas nachtragen, mit allen wollen wir gut sein“, schreibt er am 9. Dezember 1941 an seine Eltern. Und im Brief vom Tag seiner Einlieferung ins Konzentrationslager am 12. Dezember 1941 heißt es: „Es waren schon schwere Tage, die ich bis jetzt habe mitmachen müssen, und wünsche sie nicht meinem größten Feind. Der liebe Gott hat mir immer wieder Kraft gegeben.“ Acht Monate voller Qual, Hunger und Folter folgen. 16 Briefe des Gefangenen Nummer 28876 aus dem Priesterblock des Schreckenslagers sind erhalten. Sie geben Zeugnis von der tiefen Frömmigkeit und geistlichen Reife Häfners. Der Postulator im Seligsprechungsprozess für Pfarrer Häfner, Domkapitular Monsignore Günter Putz, bezeichnet die Briefe als „Sendschreiben“ aus Dachau an die Gemeinde in Oberschwarzach, in denen Pfarrer Häfner seine Schwestern und Brüder bestens aufbaue und ihnen das Leben aus der Kraft des Evangeliums und dem Vertrauen auf das Walten Gottes in diesen Tagen deute.

Das Gebet steht im Mittelpunkt der letzten Monate Pfarrer Häfners, es ist seine Lebensquelle an der Schwelle des Todes. Oberpfarrer Franz Geiger, ein Mitgefangener Häfners in Dachau, beschreibt Häfner als sehr stillen, frommen, bescheidenen Priester, der ergeben sein Kreuz getragen habe. „Nie hat man ein ungutes Wort von ihm gehört. Er fügte sich ohne Klage in die priesterliche Gemeinschaft ein. Er betete sehr viel und war in sich gekehrt. Er war von uns Priestern geachtet und wurde allen zum Vorbild“, berichtet Geiger.

„Er wurde mehrfach mit Fäusten traktiert, bekam Kinnhacken, so dass er blutete und zu Boden stürzte. Am nächsten Tag ging’s noch einmal in der gleichen Weise so. Als Pfarrer Häfner in Dachau ankam, fielen zwei Posten über ihn her und schlugen ihm ins Gesicht, dass er aus dem Mund blutete. Häfner hat nie geklagt. Im Lager fühlte sich Häfner dauernd von starkem Hunger geplagt, schon im Winter 1941/42. Wahrscheinlich ist, nachdem er mit Wasser behaftet war, Phlegmone entstanden (...).Schweigend und betend trägt der Häftling mit der Nummer 28876 das Unrecht. Er opfert das Leiden auf für seine Pfarrgemeinde. Nach drei Tagen war er eine Leiche. Er ist wohl ganz einsam gestorben.“

Pfarrer August Eisenmann, selbst Lagergefangener in Dachau, beschreibt mit wenigen Worten, was Pfarrer Georg Häfner in Dachau erleidet.

Georg Häfner stirbt am Morgen des 20. August 1942, um 7.20 Uhr. Sein Leichnam wird verbrannt. Die Urne Georg Häfners wird am 18. September 1942 im Würzburger Hauptfriedhof beigesetzt. 40 Jahre ruht die Asche des Märtyrerpriesters dort, ehe sie Würzburgs Bischof Dr. Paul-Werner Scheele am 9. Dezember 1982 in der Kiliansgruft der Neumünsterkirche in Würzburg beisetzt. Die Dachauer Priestergemeinschaft und der Priesterverein der Diözese Würzburg stellen am 19. September 1985 den Antrag auf Seligsprechung. Am 23. Juli 1992 wird das Bischöfliche Erhebungsverfahren zur Seligsprechung eingeleitet und am 31. Mai 2002 abgeschlossen. Danach werden die Unterlagen an die Selig- und Heiligsprechungskongregation in Rom weitergegeben. 2007 wird im Beisein von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann am Eingang zur Krypta des Neumünsters in Würzburg ein Stolperstein zum Gedenken an Pfarrer Häfner verlegt. 2009 erkennt Papst Benedikt XVI. Pfarrer Georg Häfner offiziell als Märtyrer an.

Georg Häfner hat sein Leben als Priester, als Zeuge Jesu Christi in der Nachfolge des Gekreuzigten hingegeben. Er ist seinen priesterlichen Grundsätzen bis in den Tod hinein treu geblieben.