Gerechte Verteilung des Reichtums der Welt zur Bewältigung des Terrorismus

Interview mit Bischof Joseph Coutts von Faisalabad

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FAISALABAD (Pakistan), 3. Oktober 2001 (ZENIT.org-FIDES).- Die Verzweiflung, die zu extremen Gesten führt, hat ihren Ursprung in der Armut. Voraussetzung für die Bekämpfung des Terrorismus ist deshalb die Bekämpfung der Armut durch eine gerechte Verteilung des Reichtums der Welt. Dies erklärte Bischof Joseph Coutts von Faisalabad in einem Gespräch mit der vatikanischen Missionsagentur Fides.



Bischof Coutts, der als Direktor auch die Caritas Pakistan leitet, engagiert sich auch in der Betreuung afghanischer Flüchtlinge und für das Entstehen harmonischer Beziehungen zwischen Muslimen und religiösen Minderheiten. Es folgt der Wortlaut des Interviews:

FRAGE: Was verbirgt sich hinter den Attentaten vom 11. September?

JOSEPH COUTTS: Ich glaube, dass das Nord-Süd-Ungleichgewicht letztendlich das Hauptmotiv ist. Wir müssen die Konfliktsituationen in Asien und Afrika lösen: deshalb fordern wir die politischen Führungskräfte der ganze Welt auf, für eine gerechte Verteilung der Reichtümer zwischen der nördlichen und der südlichen Halbkugel zu sorgen. Ich glaube, dass das Ungleichgewicht zwischen Nord und Süd der Hauptgrund war, denn hinter terroristischen Anschlägen verbergen sich Wut und Verzweiflung, die zunehmen, wenn es den Menschen nicht gelingt, ihre eigenen Ziele auf legalem Weg zu erreichen, und wenn sie denken, dass keine Institution sich ihrer Belange annimmt. Dies führt zu Frustration und bringt extreme Gesten hervor.

FRAGE: Wie erleben Sie als religiöse Minderheit die gegenwärtige Situation?

JOSEPH COUTTS: Ich glaube, dass die fehlende Harmonie mit den Muslimen ihren Grund in der mangelnden Information hat. Als Christen müssen wir uns den muslimischen Brüdern anschließen und ihnen als Bürger Pakistans versichern, dass wir uns um das Wohlergehen des Landes sorgen. Wir bringen dem afghanischen Volk, das schon seit Jahren leidet, große Sympathie entgegen. Ich glaube nicht, dass der Terrorismus bekämpft werden kann, indem man unschuldige Menschen massenweise terrorisiert und tötet.

FRAGE: Was tut die katholische Kirche in Pakistan?

JOSEPH COUTTS: Die Caritas Pakistan, die Kommission für Gerechtigkeit und Frieden und die Kommission für den Interreligiösen Dialog haben ein gemeinsames Programm zur Förderung des harmonischen Zusammenlebens in den Diözesen in die Wege geleitet. Die Caritas hat sich auch sofort in die Programme zur Betreuung der afghanischen Flüchtlinge eingeschaltet. Wir wollen die Muslime mit allen möglichen Mitteln erreichen: Presse, Netzwerke christlicher und nichtchristlichen Nichtregierungsorganisationen, Seminare und Tagungen, um in diesem Rahmen eine ausgeglichene Sicht der vorherrschrnden Haltung zu vermitteln.

FRAGE: Werden Sie sich auch nach einem eventuellen Angriff Amerikas auf Afghanistan weiterhin für den sozialen Frieden einsetzen?

JOSEPH COUTTS: In Pakistan werden die Christen oft mit dem Westen identifiziert. Jedesmal wenn es zu Ereignissen kommt, die aus der westlichen Welt herrühren, die als ungerecht betrachtet werden, dann kommt es seitens einiger Muslime zu Handlungen der Wut und der Rache gegen Christen. Im Augenblick ist die Lage für uns Christen sehr gespannt, aber wir werden unseren muslimischen Brüdern weiterhin Botschaften der Harmonie aussenden.