Gerechtigkeit, Recht auf Leben, Religionsfreiheit: Benedikt XVI. erinnert Politiker an ihren Auftrag

Empfang für Mitglieder der Christlich-Demokratischen Internationale

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ROM, 20. September 2007 (ZENIT.org).- Die Christen müssen mit ihren Werten und Idealen zur Verteidigung des Lebens und der Familie sowie der fundamentalen Rechte jedes Menschen das „Salz“ des politische Handelns in der Welt sein. Das betonte Benedikt XVI. am Freitagvormittag beim Empfang für Vertreter der Christlich-Demokratischen Internationale.



Der Heilige Vater forderte außerdem zu einem unermüdlichen Kampf gegen Terrorismus und religiösen Fundamentalismus auf. Dieser Kampf sei mit den Mitteln der Solidarität und der Kultfreiheit zu führen, fügte er hinzu.

Die Christlich-Demokratische Internationale, offiziell: „Centrist Democrat International – Internationale Démocrate-Chrétienne (CDI-IDC)“ ist der Weltverband der christdemokratischen, Mitte-orientierten und christlich-sozialen Parteien.

Benedikt XVI. bot in seiner Ansprache einige Überlegungen zu den Werten und Idealen der christdemokratischen Parteien; Ideale, die nach seinen Worten entscheidend von der christlichen Tradition in Europa und auf der ganzen Welt ausgebildet worden seien.

Trotz der unterschiedlichen Herkunft der christdemokratischen Politiker teilten sie, so der Papst, nicht wenige Prinzipien dieser Tradition: die zentrale Bedeutung der Person, die Achtung vor der Menschenrechte, den Einsatz für den Frieden und die Förderung der Gerechtigkeit für alle. „Sie beziehen sich somit auf grundlegende Prinzipien, die miteinander verbunden sind, wie es die Erfahrung der Geschichte zeigt.“

Papst Benedikt betonte: „Wenn die Menschenrechte verletzt werden, so ist es die Würde der Person selbst, die verletzt wird. Wenn die Gerechtigkeit ins Wanken gerät, so ist der Friede in Gefahr. Andererseits kann die Gerechtigkeit nur dann wahrhaft menschlich genannt werden, wenn die ethische und moralische Sicht, auf der sie gründet, auf den Menschen und seine unveräußerliche Würde ausgerichtet ist.“

Papst Benedikt hob hervor, dass die Tätigkeit des christdemokratischen Politikers heute aufgrund der Atmosphäre tief greifender Veränderungen, die unsere Gemeinschaften erleben, erschwert werde. Er ermutigte deshalb die Politiker zur Fortsetzung ihres Dienstes am Gemeinwohl. Dabei sollten sie sich dafür einsetzen, „dass Ideologien, die die Gewissen verdunkeln und verwirren sowie eine illusorische Vision der Wahrheit und des Guten vermitteln können, sich nicht verbreiteten und stärker werden“.

Der Papst erwähnte in diesem Zusammenhang, dass es im Bereich der Wirtschaft die Tendenz gebe, das Gute mit dem Profit gleichzusetzen. Auf diese Weise werde die Kraft des „Ethos“ von innen her zerstört – mit dem Ergebnis, dass der Profit selbst bedroht ist.

„Einige sind dann der Ansicht, dass die menschliche Vernunft unfähig ist, die Wahrheit zu erfassen und somit das Gute zu verfolgen, das der menschlichen Würde entspricht. Dann gibt es jene, die die Eliminierung des menschlichen Lebens in seiner Phase vor der Geburt oder in seinem Endstadium für berechtigt halten. Besorgnis erregend ist des Weiteren die Krise, in der sich die Familie befindet, fundamentale Zelle der Gesellschaft, die auf der unauflöslichen Ehe zwischen einem Mann und einer Frau gründet.“ Die Erfahrung beweise, so der Heilige Vater, dass der Friede selbst bedroht sei, wenn die Würde des Menschen geschmäht, die Familie in ihren Grundlagen unterminiert werde. Dann leide das Recht, und als logische Konsequenz ergäben sich Ungerechtigkeit und Gewalt.

Ein weiterer Bereich, der nach Papst Benedikt zum besonderen Interesse eines christdemokratischen Politikers gehören sollte, ist die Verteidigung der Religionsfreiheit – ein „ununterdrückbares, unveräußerliches und unverletzbares Recht“, das in der Würde des Menschen verankert sei. Die Ausübung dieses Rechts, so betonte Benedikt XVI., schließe das Recht auf den Wechsel der Religion ein. Dieses Recht müsse garantiert werden, und zwar nicht nur schriftlich, sondern auch in der Praxis.

Die Religionsfreiheit entspreche der Offenheit des Menschen für Gott, für die „volle Wahrheit und das höchste Gut“. Ihre Anerkennung und Förderung bilde einen grundlegenden Ausdruck der Achtung der menschlichen Vernunft und ihrer Fähigkeit zur Wahrheit. „Die Öffnung zur Transzendenz bildet eine unverzichtbare Garantie für die menschliche Würde, da es im Herzen jedes Menschen Bestrebungen und Bedürfnisse gibt, die nur in Gott Verständnis und Antwort finden.“ Deshalb betonte Benedikt XVI.: „Man darf demnach Gott nicht aus dem Horizont des Menschen und der Geschichte ausschließen!“

Die Achtung der Religion, so der Papst weiter, trage dazu bei, den wiederholt vorgebrachten Vorwurf Lügen zu strafen, Gott vergessen zu haben, mit dem ein gewisser Terrorismus versuche, seine Drohungen gegenüber der Sicherheit der westlichen Gesellschaften zu rechtfertigen. „Der Terrorismus stellt ein sehr schwerwiegendes Phänomen dar, bei dem es oft dazu kommt, dass Gott instrumentalisiert und auf unrechtfertigbare Weise das menschliche Leben bedroht wird.“ Die Gesellschaft habe das Recht, sich zu verteidigen. „Dieses Recht jedoch muss – wie jedes andere Recht – immer unter Wahrung der moralischen und rechtlichen Regeln ausgeübt werden. Dasselbe gilt auch für die Wahl der Ziele und der Mittel.“

Der Gebrauch von Gewalt rechtfertige in demokratischen Systemen „nie den Verzicht auf die Prinzipien des Rechtstaates“, hob der Heilige Vater hervor. Demokratie könne nicht geschützt werden, wenn ihre Grundlagen bedroht werden. Die Soziallehre der Kirche biete wertvolle Elemente, um Sicherheit und Gerechtigkeit auf nationaler und auch internationaler Ebene voranzutreiben.

Die Kirche ist sich nach Papst Benedikt bewusst, dass es nicht ihre Aufgabe ist, ihre Soziallehre selbst politisch umzusetzen. Ihr Ziel sei es vielmehr, zur Gewissenbildung in der Politik beizutragen sowie dazu, „dass die Wahrnehmung der wahren Bedürfnisse der Gerechtigkeit und die damit verbundene Bereitschaft zunehme, auf deren Grundlage zu handeln, auch wenn dies den persönlichen Interessen zuwiderläuft“.

Die Kirche erwarte von den Gläubigen, dass sie heute mit noch größerem Mut und noch größerer Hochherzigkeit von der Liebe Gottes Zeugnis ablegten. „Die Glaubwürdigkeit der Christen ist auch im politischen Leben unverzichtbar, damit das ‚Salz‘ des apostolischen Einsatzes nicht seinen ‚Geschmack‘ verliert und das ‚Licht‘ der Ideale des Evangeliums nicht in ihrem alltäglichem Tun verdunkelt wird.“