Gerechtigkeit und Solidarität zur Förderung des Arbeitsmarkts

Das war das Thema einer Tagung an der Europäischen Universität in Rom

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ROM, 30. November 2011 (ZENIT.org). – „Institutionen und Politiken des Arbeitsmarkt für den Wirtschaftsaufschwung“ war das Thema einer Tagung an der Europäischen Universität in Rom.

Die Veranstaltung bot die Gelegenheit, einen Vergleich anzustellen, welche Arbeitspolitiken in diesen Zeiten der Krise Arbeit und Wirtschaft in Italien wieder ankurbeln könnten.

Matilde Bini, Rektor der Wirtschaftsfakultät der Europäischen Universität Rom erinnerte daran, dass „zwei der ersten vier Artikel der Verfassung sich auf die Arbeit beziehen“. 

„Wenn der Wiederaufbau und das darauffolgende italienische Wirtschaftswunder auf der Arbeit gründen“, erklärte Prof. Bini, „ ist der Rückgang der italienischen Wirtschaft von 1963 bis heute das Resultat einer unzulänglichen Modernisierung in Bereichen wie die der Arbeitswirtschaft und des Arbeitsrechts“.

Anlässlich der Tagung wurde eine neue Bildungseinrichtung der Europäischen Universität in Rom vorgestellt, und zwar ein Masterkurs für Institutionen und Politiken des Arbeitsmarkts.

„Die Initiative“, so Bini weiter, „reiht sich bestens in die kulturelle christliche Perspektive der der Europäischen Universität in Rom ein. Hierzu sollte man sich an die Worte von Giorgio La Pira erinnern, der von Beveridge und Keynes inspiriert schrieb, dass‚ die Arbeit wesentlich für die vollständige Entwicklung der Menschen und der Gesellschaft ist und in gewissem Sinne auch die Berufung des Menschen‘“. Wie auch an die Worte von Johannes Paul II. in der Enzyklika Laborem Exercens über die Schönheit, die Würde und die Aufgabe der menschlichen Arbeit“.

Das Thema der Würde der Arbeit wurde unter anderem auch von Madia D‘Onghia aufgegriffen, Professorin für Arbeitsrecht an der Universität von Foggia, nach der die Reformen nicht nur die Effizienz der produktiven Systeme und dementsprechend einen ausschließlich wirtschaftlichen Charakter  zum Ziel haben sollten, da dies gewiss nicht alle verschiedenen Aspekte des Arbeitsrechts berücksichtigen würde.

„Mit anderen Worten“, so Prof. D’Onghia weiter, „muss man einige Rechte unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Effizienz bestätigen. Der wirtschaftliche Bedeutung des Arbeitsrechts steht außer Frage, aber diesem Recht folgen gleichzeitig (und vor allem) die Wahrung der nicht-ökonomischen Werte wie Gerechtigkeit, Gleichheit, Solidarität, Gesundheit, Sicherheit, Würde und Freiheit in ihren verschiedenen Aspekten. Diese Werte dürfen nicht verlorengehen, wenn man die eigentliche Natur des Arbeitsrechts nicht negieren will, was bedeutet: die Arbeit schützen. Nicht irgendeine Arbeit, sondern eine würdevolle, wie uns die Verfassungsgründer lehren“.  

Prof. Alessandra Righi, Mit-Koordinatorin des Masterkurses für Institutionen und Politiken des Arbeitsmarkts, schloss die Tagung mit einer Vorstellung der neuen Bildungsinitiative der Europäischen Universität in Rom.

„Jugend und Arbeit“, erklärte Prof. Righi, „sind in den letzten Jahren immer schwieriger vereinbar. Die Eingliederung in die Arbeitswelt ist eins der größten Probleme in unserem Land. Das zeigt sowohl die hohe Arbeitslosenquote wie auch die Tatsache, dass junge Leute in Italien im Vergleich zu ihren europäischen Altersgenossen vier oder fünf Jahre später in den Arbeitsmarkt eintreten“.

„In diesem Szenario“, fügte die Dozentin hinzu, „wäre es eine effektive Maßnahme, für die Jugendlichen Ausbildung und Eingliederung in die Arbeitswelt zu vereinen. Diese Überzeugung verbreitete sich immer mehr, um die jungen Leute zu fördern. Man sollte aber unter den verschiedenen Möglichkeiten entscheiden wie den Lehrverträgen, den Eingliederungsplänen, einer Lehre, einer Zeitetappe in Firmen oder öffentlichen Ämtern“.

„Es wird deshalb immer wichtiger“, so die Dozentin weiter, „sich in einem immer komplexeren Arbeitsmarkt zu orientieren.“

Das ist eines der didaktischen Ziele des Masterkurses für Institutionen und Politiken des Arbeitsmarkts, der am 17. Februar 2012 an der Europäischen Universität in Rom beginnen wird, gefördert von der Region Latium und anderen öffentlichen und wissenschaftlichen Institutionen.

„Zahlreiche Themen werden von den Dozenten und Experten aus verschiedenen Bereichen behandelt, von der Arbeitswirtschaft zur Arbeitspolitik und Entwicklung, vom Arbeitsrecht zur Personalverwaltung, von den Arbeitsverträgen und dem Schutz der Arbeiter zu wirtschaftlichen Statistiken und data mining. Unabdingbar zur Vervollständigung der Ausbildung ist ein Praktikum, das die Kursteilnehmer in öffentlichen Einrichtungen (auf nationaler oder lokaler Ebene) und/oder Firmen absolvieren werden“, schloss Prof. Righi.

[Übersetzung aus dem Italienischen von Cora Ebeling]