Gertrud von Helfta, die Große (1256-1301/1302)

Eine der berühmtesten Mystikerinnen

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 396 klicks

Gertrud von Helfta wurde am 6. Januar 1256 in Nordthüringen geboren. Sie stammte aus dem Adelsgeschlecht Hackeborn. Mit fünf Jahren kam sie ins Kloster, um dort Ausbildung und Erziehung zu erhalten. Gertrud war eine außergewöhnliche begabte und gute Schülerin mit vielseitigen Interessen.

Gertrud war noch äußerst jung, als sie 1251 Äbtissin wurde. Mit kaum zwanzig Jahren stand sie bereits dem Frauenkloster „St. Maria“ vor, das 1229 in der Nähe der Burg Mansfeld gegründet worden war. Gertrude verlegte das Kloster 1258 nach Eisleben, das zum Herrschaftsgbiet ihrer Familie zählte. Während ihrer Amtszeit förderte Gertrud besonders die Bildung der Schwestern und baute entsprechend Bibliothek, Skriptorium und Klosterschule aus. Dem Kloster gehörte auch ihre Schwester, Mechthild von Hackeborn an.

Zum Ende des Jahres 1280 kam es zu einer bedeutenden Wende im Leben Gertruds, die zu Beginn des Jahres 1281 ihren Höhepunkt erfuhr. Am 27. Januar 1281 … „erleuchtet der Herr zur Stunde der Komplet, am Abend, ihre dichte Finsternis. Sanft und zart beschwichtigt er die Unruhe, die sie befallen hat, eine Unruhe, die Gertrud als Geschenk Gottes betrachtet, um ‚niederzustürzen den Turm meiner Eitelkeit und Neugier, in den mein Stolz ausgewachsen war, obgleich ich, ach, nutzlos Namen und Kleid des Ordensstandes trug, um vielleicht so den Weg zu finden, auf dem du mir dein Heil zeigen könntest‘ (ebd., II,1; S. 60). Sie hat die Vision von einem Jüngling, der sie an der Hand führt, um den Zaun aus Dornen zu überwinden, der ihre Seele einengt. In jener Hand erkennt Gertrud ‚die erhabenen Denkmale der Wunden, wodurch die Anklageschriften unserer Feinde zunichte werden‘ (ebd., II,1, S. 61), sie erkennt ihn, der uns am Kreuz durch sein Blut erlöst hat, Jesus. Von diesem Augenblick lebt sie in inniger Gemeinschaft mit dem Herrn … “, wie Benedikt XVI.ausführte.

Gertrud von Helfta ist eine „der berühmtesten Mystikerinnen und die einzige Frau in Deutschland, die den Beinamen ‚die Große‘ trägt, aufgrund ihres kulturellen und das Evangelium betreffenden Formats: Mit ihrem Leben und ihrem Denken hat sie auf die christliche Spiritualität in einzigartiger Weise Einfluss genommen. Sie ist eine außergewöhnliche Frau, ausgestattet mit besonderen natürlichen Begabungen und außerordentlichen Gnadengaben, von tiefster Demut und brennendem Eifer für das Heil des Nächsten, in inniger Gemeinschaft mit Gott in der Betrachtung und stets bereit, den Notleidenden zu helfen. … Sie bringt den Reichtum der Spiritualität nicht nur ihrer klösterlichen Welt zum Ausdruck, sondern auch und besonders in der biblischen, liturgischen, patristischen und benediktinischen Welt, in einem sehr persönlichen Ton und mit großer kommunikativer Wirkkraft“, wie Benedikt XVI. die Heilige beschrieb.

Gertrud starb am 17. November 1301 oder 1302. Der Nachwelt sind nur wenige ihrer Schriften hinterlassen: der „Legatus divinae pietatis“ und die „Geistlichen Übungen“.

Benedikt XVI. hob den Vorbildcharakter der heiligen Gertrud auch für unsere moderne Zeit hervor: „Vielmehr bleibt das Leben der hl. Gertrud auch weiterhin eine Schule des christlichen Lebens, des rechten Weges, und es zeigt uns, dass der Mittelpunkt eines glücklichen Lebens, eines wahren Lebens die Freundschaft mit Jesus, dem Herrn, ist. Und diese Freundschaft lernt man in der Liebe zur Heiligen Schrift, in der Liebe zur Liturgie, im tiefen Glauben, in der Liebe zu Maria, damit wir Gott und damit das wahre Glück, das Ziel unseres Lebens immer mehr wirklich kennenlernen.“

Das Kloster, dem Gertrud rund 40 Jahre vorgestanden hatte, erlebte eine wechselvolle Geschichte. In der Neuzeit wurde es zur preußischen Staatsdomäne. Zu Zeiten der DDR wurde das Gut in ein „Volkseigenes Gut“ verwandelt und zur Massentierhaltung genutzt. Dank der Unterstützung des „Verbands der Freunde des Klosters Helfta“ erwachte das Kloster zu neuer Blüte. Am 8. August 1994 ging das Kloster wieder in Kirchenbesitz über. Am 1. September 1998 wurde mit den Wiederaufbaumaßnahmen begonnen. Das Richtfest der Abteikirche „St. Maria“ konnte bereits am 21. März 1999 gefeiert werden — so leben heute seit 450 Jahren wieder Zisterzienserinnen im Kloster Helfta.