Gescheiterte Ehen sind nicht automatisch ungültig, erklärt der Papst

Empfang der Richter der Römischen Rota

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ROM, 31. Januar 2005 (ZENIT.org).- Anlässlich der feierlichen Eröffnung des neuen juridischen Jahres warnte Papst Johannes Paul II. am Samstag vor den Richtern und Anwälten des Gerichts der Römischen Rota vor der Versuchung, äußerem Druck nachzugeben und gescheiterte Ehen automatisch als ungültig anzusehen.



Das Gericht der Rota Romana befasst sich normalerweise in zweiter Instanz mit jenen Fällen, die bereits von ordentlichen Kirchengerichten in erster Instanz beurteilt und nach rechtmäßiger Berufung an den Heiligen Stuhl weitergeleitet werden. In den meisten Fällen handelt es sich um Ehe, die annulliert werden sollen. Die katholische Kirche betrachtet die Ehe als unauflösliche Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau. Deshalb akzeptiert sie auch keine Scheidung. Nur in gewissen Fällen, wie zum Beispiel bei arglistiger Täuschung des Ehepartners, kann eine Ehe nach eingehender Untersuchung nachträglich für ungültig erklärt und annulliert werden, weil sie niemals Bestand hatte.

"Im Namen einer sogenannten pastoralen Notwendigkeit wird heute manchmal vorgeschlagen, vollkommen gescheiterte Ehen für nichtig zu erklären", sagte der Papst in seiner Ansprache. Solche Vorschläge richteten sich aber gegen die "elementarsten Prinzipien der Regeln und der Lehre der Kirche", erinnerte er. Besonders zu den Bischöfen, die die kirchlichen Richter ernennen, aber auch zu allen übrigen Anwälten und Richtern sagte er: "Das Element, das den Berufsethos des Richters prägt, ist die Liebe zu Wahrheit."

Der Heilige Vater ermutigte dazu, jener Angst zu "widerstehen, die es vor der Wahrheit gibt. Manchmal kommt sie aus der Befürchtung, man würde die Personen verletzen. Aber die Wahrheit, die Christus selbst ist, befreit uns von jedem Kompromiss mit Lüge und Eigendünkel."