Geschichte und Ablauf des Konklaves

Das Verfahren zur Wahl des neuen Papstes

Vatikanstadt, (ZENIT.orgÀncora online) | 1224 klicks

von Nicola Rosetti

Nach dem Tod oder Rücktritt eines Papstes wie im Fall Benedikts XVI. muss die Kirche einen neuen Hirten bestimmen. Zu diesem Zweck wird ein Konklave einberufen. Der Begriff „Konklave“ wird vom lateinischen Ausdruck „cum clave“: „mit dem Schlüssel (abgeschlossen)“ hergeleitet und bezieht sich auf die absolute Verschwiegenheit, die während sämtlicher die Wahl des neuen Papstes betreffenden Vorgänge zu wahren ist.

Die heutigen Abläufe zur Bestimmung des Nachfolgers Petri sind das Ergebnis einer langen historischen Entwicklung. Papst Linus, der erste Nachfolger des Apostelfürsten, wurde möglicherweise von Petrus selbst dazu ernannt. In den ersten Jahrhunderten erhielten der Papst ebenso wie die Bischöfe in den anderen Diözesen die Zustimmung des römischen Volkes. Bereits im Jahre 336 wurde dieses Vorrecht durch eine Bestimmung von Papst Marcus ausschließlich dem römischen Klerus zugesprochen.

Der im Konklave Gewählte ändert seinen Namen nach dem Beispiel des Apostels Petrus, dessen ursprünglicher Name Simon war. Der erste Fall der Namensänderung eines Papstes  war jener des am 2. Januar 533 gewählten Merkurius. Um als Oberhaupt der Christenheit nicht den Namen einer heidnischen Gottheit zu tragen, nahm er den Namen Johannes II. an.

Im Jahre 1059 verfügte Papst Nikolaus, dass die Wahl des Römischen Papstes ausschließlich durch die Kardinalbischöfe zu erfolgen hatte. Erst Papst Alexander III. (auf den auch das heilige Jubiäumsjahr in Grottammare zurückgeht) legte das Wahlgremium im Jahre 1179 auf alle Mitglieder des Kardinalskollegiums fest, was der bis heute gültigen Ordnung entspricht.

Wie kurz zuvor erwähnt, bedeutet das Wort Konklave „mit dem Schlüssel abgeschlossen“. Nach dem Tod von Clemens IV. im Jahr 1268 in Viterbo (der damaligen Residenz der Päpste) gelang es den dort weilenden Kardinälen nicht, sich auf einen neuen Papst zu einigen. Daher beschossen die Einwohner von Viterbo, die Kardinäle so lange im Papstpalast einzusperren, bis sie zu einer Einigung fänden. Bis die Christenheit mit Teobaldo Visconti, der sich Gregorius X. nannte, endlich einen neuen Hirten bekam, vergingen weitere 1006 Tage.

Die letzte bedeutende Änderung bewirkte in jüngerer Zeit das von Paul VI. erlassene apostolische Schreiben „Ingravescentem Aetatem“, der den über achtzigjährigen Kardinälen die Teilnahme am Konklave untersagte. Die betreffenden Kardinäle können sich allerdings an den allgemeinen Versammlungen vor dem Konklave beteiligen. Ziel dieser Versammlungen ist die Identifizierung der größten Herausforderungen für die Kirche, auf deren Grundlage ein „Phantombild“ des zukünftigen Papstes angefertigt wird. Während der allgemeinen Versammlungen wird auch das Datum für den Beginn des Konklaves festgelegt.

Das Konklave beginnt mit der „Missa pro eligendo Romano Pontifice“. Dabei wird Gott in einem besonderen Ritual um die Erleuchtung all jener gebeten, die zur Wahl des neuen Papstes berufen sind. In einer eindrucksvollen Prozession ziehen die Kardinäle unter dem Gesang der Litaneien der Heiligen (siehe Video.) von der Paulinischen Kapelle in die Sixtinischen Kapelle, in der die Wahlhandlungen vollzogen werden. Als Letzter tritt der Kardinaldekan  ein. In jenem Bereich der Sixtinischen Kapelle, der dem Altar am meisten zugewandt  ist, platzieren sich die Kardinale einander gegenüber  in parallelen angeordneten Reihen. Nach ihrem Einzug legen die Kardinäle einen Eid darüber ab, alle kanonischen Vorschriften zum Ablauf des Konklaves einzuhalten. Erst zu diesem Zeitpunkt erteilt der Päpstliche Zeremonienmeister die Aufforderung „Extra omnes“ (alle hinaus!). Mit dem Verschließen der Eingänge der Sixtinischen Kapelle wird der Zutritt all jenen verwehrt, die  nicht dazu berechtigt sind.

Am ersten Tag wird nur eine Abstimmung durchgeführt (sollte es dazu kommen); an allen anderen Tagen sind vier Abstimmung vorgesehen: jeweils zwei am Vormittag  und  am Nachmittag. Jeder Kardinal erhält einen Wahlzettel mit der Aufschrift „Eligo in Summum Pontificem…“ (ich wähle …  zum Papst). Diesen verwenden die Kardinäle für die Abgabe ihrer Stimme. Der Reihe nach begeben sich die Kardinäle, am Bild vom Jüngsten Gericht von Michelangelo vorbeigehend, zur Wahlurne. Dabei sprechen sie, den Wahlzettel deutlich sichtbar  in die Höhe haltend, die Formel: „Testor Christum Dominum, qui me iudicaturus est, me eum eligere, queum secundum Deum iudico eligi debere“ (Ich rufe Christus, den Herrn, der mich richten wird, als Zeugen auf, dass ich den wähle, von dem ich glaube, dass er nach Gottes Willen zu wählen ist) und geben den Wahlzettel in die Urne. Nach der Abgabe der Stimmen erfolgt deren Auszählung.

Hat keiner der Kardinäle die Zweidrittelmehrheit der Stimmen auf sich vereinigt, werden die Wahlzettel beiseitegelegt und es kommt zu einer neuen Abstimmung. Wenn auch nach dieser für keinen Kandidaten die notwendige Zahl der Stimmen erreicht ist, werden die Wahlzettel beider Abstimmungen gemeinsam in einem dafür vorgesehenen Ofen verbrannt. Schwarzer Rauch, der aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle aufsteigt, signalisiert den das Konklave vom Petersplatz aus mitverfolgenden Menschen, dass der Papst noch nicht gewählt ist.

Ist hingegen für einen der Kardinäle die erforderliche Zahl der Stimmen zustande gekommen, tritt der Kardinaldekan zu ihm und stellt ihm die Frage: „Acceptasne electionem de te canonice factam in Summum Pontificem? (Nimmst du die kanonische Wahl zum Papst an?). Ist die Antwort des Gewählten „Ja“, wird er in diesem Augenblick zum neuen Papst. Es folgt eine weitere Frage des Kardinaldekans: „Quo nomine vis vocari? (Wie willst du dich nennen?). Der neue Papst nennt daraufhin den von ihm gewählten Namen. 

Daraufhin begibt sich der Gewählte in die Kammer der Tränen, die Sakristei der Sixtinischen Kapelle, in der drei weiße Papstgewänder in drei unterschiedlichen Größen bereitliegen. Nun werden die Wahlzettel verbrannt, und aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle steigt als Zeichen für die erfolgreiche Wahl weißer Rauch auf. Zugleich ertönt festliches Glockengeläut aus dem Petersdom, um jeglicher Verwechslung der Farbe des Rauches  entgegenzuwirken.

Anschließend treten der Papst und die Kardinäle auf die „loggia delle benedizioni“ (Segensloggia). Dort verkündet der Kardinalprotodiakon den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen mit folgenden Worten das Ergebnis der erfolgten Wahl: „Annuntio vobis gaudium magnum: habemus Papam! Eminentissimum ac reverendissimum dominum, dominum (der Taufname des Gewählten im lateinischen Akkusativ), Sanctæ Romanæ Ecclesiæ Cardinalem (der nicht ins Lateinische übersetzte Nachname des Gewählten), qui sibi nomen imposuit (Papstname im lateinischen Genitiv, gefolgt vom etwaigen Ordnungszahl-Adjektiv) (Ich verkünde euch eine große Freude: Wir haben einen Papst! Seine Eminenz, den hochwürdigsten Herrn, Herrn [Taufname des Gewählten], der Heiligen Römischen Kirche Kardinal [Familienname des Gewählten], der sich den Namen [Papstname] gegeben hat). Siehe Video.

Bis zur Wahl von Johannes Paul II. im Jahre 1978 musste der neugewählte Papst lediglich den Segen erteilen. Der große Papst aus Polen brach mit der Tradition, indem er jene Worte sprach, die sofort die Herzen aller Menschen berührten. Auch sein unmittelbarer Nachfolger Benedikt XVI. grüßte die Menge mit Worten, die sofort sein mildes und demütiges Wesen offenbarten. Was uns der neue Papst wohl zu sagen haben wird …

(Quelle: Àncora Online, Wochenzeitschrift der Diözese San Benedetto del Tronto)