Geschwächtes Familienleben und die Folgen: Welt-Familienkongress 2007 in Polen

Von Pater John Flynn

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ROM, 19. Juni 2007 (ZENIT.org).- Mehr als 3.000 Delegierte aus verschiedenen Ländern kamen von 11. bis 13. Mai in Warschau (Polen) zum 4. Welt-Familienkongress zusammen. Der WCF definiert sich selbst als „internationales Netzwerk von Organisationen, Wissenschaftlern, führenden Persönlichkeiten aus Kirche und Politik und Menschen guten Willens, die sich für die Familie einsetzen“.



Am ersten Tag der Veranstaltung stellte Roman Giertych, Kultusminister und stellvertretender Premierministers Polens, fest: „Die Familie ist Leben. Ohne die Familie gibt es keinen Staat, keine Regierung – nichts.“

In einer Presseerklärung der Organisatoren des Kongresses, die 11. Mai erschien, wird eine ähnlich lautende Stellungnahme von Ellen Sauerbrey, der stellvertretenden US-Staatssekretärin für den Bereich Bevölkerung, Flüchtlinge und Einwanderung, angeführt: „Wie Sie wissen, ist die Familie die älteste menschliche Institution, die erste und dauerhafteste Gemeinschaft von Individuen, die gemeinsam für das Gemeinwohl arbeiten.“

Bei der Tagung des WCF wurden Themen wie der Einfluss der Medien auf die Familie, die Probleme, die durch die Pornographie verursacht werden, und die Diskussion um Abtreibung und Euthanasie näher beleuchtet.

Kardinal Alfonso López Trujillo, Präsident des Päpstlichen Rates für die Familie, hatte einen Text für den Kongress vorbereitet, den Pater Grzegorz Kaszak vortrug. Darin heißt es unter anderem: „Die Berufung zur Ehe ist in das innerste Wesen von Mann und Frau eingeschrieben.“

Ehen und Familie in den USA

Wenn jemand die beträchtlichen Folgen kennen lernen will, die der Zerfall von Ehe und Familie mit sich bringen, dem kann ein Buch empfohlen werden, das am Ende des vergangenen Jahres veröffentlicht wurde. „Marriage and Caste in America“ („Ehe und Klassenunterschiede in Amerika“) stammt von Kay Hymowitz, Dozentin am „Manhattan Institute“‘ in New York. Sie vertritt die These, dass das Scheitern von Ehen und Familien zur Verschärfung der Klassenunterschiede beiträgt.

Scheidung lasse in Verbindung mit unehelichen Geburten ein Volk von voneinander getrennten und ungleichen Familien entstehen. Diese Ungleichheit, warnt Hymowitz, gefährde die Zukunft sehr vieler Kinder, die bei ihrem Start ins Leben stark benachteiligt sind.

Alleinerziehende Mütter finden sich nach der Wissenschaftlerin besonders häufig unter jenen armen Frauen, die keine akademische Ausbildung vorweisen können. Hymowitz beruft sich auf Studien, die zeigen, dass in der Mitte des 20. Jahrhunderts noch nahezu alle Frauen heirateten, ehe sie Kinder bekamen, und zwar vollkommen unabhängig von ihrem Bildungsstand. Auch die Scheidungsraten waren sehr niedrig.

In den Jahrzehnten nach den gesellschaftlichen und kulturellen Umwälzungen der 60er-Jahre stiegen die Scheidungsraten und die Zahl der unehelichen Kinder nach den angeführten Studien bei Frauen mit niedrigerem Bildungsstand viel stärker an als bei höher qualifizierten Frauen. Bis zur Jahrhundertwende lebten nur ungefähr zehn Prozent der Mütter mit einer Fachhochschulausbildung oder höheren akademischen Graden ohne Ehemann. Bei Müttern, die nur eine neun- bis 14jährige Ausbildung mitbringen, waren es 36 Prozent.

Im Jahr 2004 stieg der Anteil der Kinder allein erziehender Mütter auf 33 Prozent an. Die überwiegende Mehrheit dieser Kinder hatten Mütter, die arm waren und über einen niedrigen Schulbildungsgrad verfügten.

Armut und niedriger Bildungsstand

Die hohe Zahl allein erziehender Mütter erkläre zu einem Großteil die anhaltend hohe Armutsrate unter Kindern in den USA, erklärt Hymowitz in ihrem Werk. Nicht weniger als 36 Prozent der Familien mit einer Frau als Familienvorstand lebten unter der Armutsgrenze, verglichen mit nur sechs Prozent bei verheirateten Paaren.

Die Armut sei jedoch bei weitem nicht die einzige Schwierigkeit, mit der sich Kinder unverheirateter Mütter auseinandersetzen müssten. Sie haben ein niedrigeres Ausbildungsniveau und niedrigere Qualifikationen als die Kinder, die bei verheirateten Eltern aufwachsen. Das treffe auch zu, wenn man die Unterschiede in Rasse, Familienhintergrund und IQ mit berücksichtige. Es sei dann auch nicht verwunderlich, dass Kinder, die nicht mit beiden Elternteilen aufwüchsen, im Erwachsenenalter in der Regel weniger verdienten und einen niedrigeren Berufsstatus hätten. Dies führe zu einer Situation, in der sich soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten vererbten.

Diese Probleme könnten nicht einfach durch bessere Wohlfahrtsprogramme gelöst werden. Auch wenn eine geschiedene Mutter wieder heirate, betrage der wirtschaftliche Anteil ihrer Kinder meist nur so viel wie der von Kindern mit nur einem Elternteil und weniger als dem in intakten Familien. Hinzu komme, dass Kinder von unverheiratet zusammenlebenden Paaren in der Regel weniger finanzielle Zuwendungen bekämen als Kinder verheirateter Paare.

Die traditionelle Ehe und das Kinderkriegen innerhalb der Ehe ordne die Gesellschaft auf eine Weise, die zu verstehen wir uns immer noch schwer tun: Kinder, die von einem verheirateten Paar aufgezogen werden, erführen nach Hymowitz nicht nur eine größere innere Sicherheit und Ordnung in ihrem Leben, bei ihnen sei auch die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie dieselbe Familienstruktur für sich selbst übernehmen werden.

Einen beträchtlichen Teil ihres Buches widmet Humowitz der Untersuchung der Frage, was mit farbigen Familien geschieht, bei denen der Trend zur unehelichen Mutterschaft viel früher einsetzte. Bereits in der Mitte der 1960er-Jahre hätten Autoren wie zum Beispiel Daniel P. Moynihan warnend darauf hingewiesen, dass der unzureichende Einkommensstand der farbigen Familien zum Teil dafür verantwortlich sei, dass es ihnen nicht gelinge, mit den Weißen wirtschaftlich gleichzuziehen. Stimmen wie die von Moynihan seien jedoch zum großen Teil ignoriert worden; nun liefen wir Gefahr, eine weitere benachteiligte Kaste zu produzieren, so Hymowitz: die Kaste jener Kinder, die von unverheirateten Müttern geboren werden.

Bei einigen Versuchen, das Problem der allein erziehenden Mütter zu lösen – etwa durch die vermehrte Verteilung von Kontrazeptiva oder die Durchführung von Wohlfahrtsprogrammen – handle es sich lediglich um eine Behandlung der Symptome, kritisiert die Autorin. Starke Familien, die sorgsam auf ihre Kinder Acht geben und dabei stabile kulturelle und moralische Werte vermitteln, trügen viel wirksamer dazu bei, Heranwachsende dazu zu ermutigen, es zu vermeiden, dann Eltern zu werden, wenn sie sich auf ihre Ausbildung konzentrieren sollten.

Am Schluss ihres Buches spricht Hymowitz allerdings auch von Zeichen der Hoffnung: In den allerletzten Jahren sei die Zahl der Scheidungen, der unehelichen Kinder und der Teenagerschwangerschaften zurückgegangen. Auch der Wert von Ehe und Familie scheine wieder mehr Unterstützung zu finden. Zudem werde die Einsicht, dass Kinder in Familien mit verheirateten Eltern besser geraten, zunehmend auch von kulturellen und sozialen Eliten akzeptiert, die sich vorher niemals mit einem solchen Gedanken getragen hätten.

Ohne allzu optimistisch zu sein, hält es Hymowitz für möglich, dass es bei einigen Jugendlichen zu einer Wiederentdeckung der persönlichen Verantwortung und der Werte der Familie kommen könnte. Es sei jedoch zu befürchten, dass sich dies nur auf eine Gruppe in der Gesellschaft beschränke, nämlich auf jene Kinder, die das Glück haben, sich auf beide Elternteile verlassen zu können. Die Zukunft derer, die in der viel instabileren Situation einer geschiedenen Familie und mit einer allein erziehenden Mutter aufwüchsen, sei viel weniger aussichtsreich.

Bekenntnis zur Familie

Inmitten der weitergehenden Debatten über die Zukunft der Familie schloss der Welt-Familienkongress in Polen mit einer „Warschauer Erklärung“, einem „Credo für die Familie im 21. Jahrhundert“, wie es die Organisatoren in einer Presseverlautbarung am 18. Mai formulierten.

„Die natürliche Familie, eine Schöpfung Gottes, ist die grundlegende menschliche Gemeinschaft. Sie beruht auf der lebenslangen Ehe zwischen einem Mann und einer Frau, in der neu geschaffene unverwechselbare Menschen empfangen, geboren und aufgezogen werden“, so heißt es in dem Text.

Es wird bekräftigt, dass die Familie es sei, in der gelehrt werde, was Treue in Liebe und was Achtung vor dem Leben jedes Menschen bedeutet. Ebenso sei es ein authentisches Familienleben, das eine Gemeinschaft mit sittlicher Verantwortung entstehen lasse; eine Gesellschaft, wie sie für die Erziehung der jüngeren Generationen wesentlich sei.

In der Erklärung wird in besonderer Weise Papst Johannes Paul II. und seinem Nachfolger, Benedikt XVI., für die Verteidigung der Familie gedankt.

Im Schlussteil der Deklaration werden die Kirchen dazu aufgerufen, „die Wahrheit über das Leben, die Ehe und die Familie zu verkünden und diese als grundlegende Glaubensgemeinschaft und Schule aller Berufungen zu bestätigen“.

Die Unterzeichner appellieren zudem an die politischen Institutionen, an die Hochschullehrer und an die Gesundheitsexperten, sich für die Familie einzusetzen. „Wir bitten alle Menschen guten Willens, die Familien zu ihrem besonderen Herzensanliegen zu machen, ihnen wieder Hoffnung zu geben und ihnen konkret zu helfen, wenn Schwierigkeiten auftreten“.

Diese Verpflichtung wird immer wichtiger in einer Welt, deren Zukunft in hohem Grad davon abhängen wird, was mit der Familie geschieht.