Gesellenbrief und Abiturzeugnis gleichwertig?

Der Bund Katholischer Unternehmer (BKU*) warnt davor, das duale Berufsbildungssystem unter Wert zu verkaufen

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KÖLN, 30. Januar 2012 (ZENIT.org/BKU). - Die  BKU-Bundesvorsitzende Marie-Luise Dött, MdB, hat sich vor dem morgigen Spitzengespräch dafür ausgesprochen, die Gesellenprüfung und das Abitur auf der gleichen Stufe einzuordnen. „In den Betrieben erwerben die Jugendlichen nicht nur fachliche, sondern auch soziale und praktische Kompetenzen. Sie müssen sich unter privatwirtschaftlichen Wettbewerbsbedingungen bewähren, lernen Kundenorientierung und Verantwortung zu übernehmen“, erklärte Dött.

Am morgigen Dienstag treffen sich Vertreter der Kultusministerkonferenz (KMK), der Wirtschaftsministerkonferenz, der Wirtschaft und der Gewerkschaften, um
über eine einvernehmliche Lösung des Streits über die Zuordnung von Abitur und Berufsabschlüssen auf Niveaustufen des Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) zu beraten.

„Das duale Berufsbildungswesen ist in Europa einzigartig. Wir dürfen dieses erfolgreiche ,Joint Venture‘ zwischen Staat und Privatwirtschaft nicht unter Wert verkaufen“, sagte Dött. Sie warnte davor, das Abitur auf einer höheren Niveaustufe des DQR einzuordnen als berufliche Ausbildungen. „Das hätte absurde Konsequenzen. Abiturienten, die einen Berufsabschluss erwerben, fänden sich nach ihrer Ausbildung plötzlich auf einer niedrigeren Niveaustufe wieder. Dieses Signal wäre fatal.“

Dem europäischen Fahrplan entsprechend erwartet die BKU-Bundesvorsitzende von der Kultusministerkonferenz, duale Berufsabschlüsse und das Abitur noch in diesem Jahr im Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) zu verankern. Dieser soll Bildungsabschlüsse europaweit vergleichbar machen und so die Mobilität der Arbeitnehmer fördern.

BKU-Pressemitteilung vom 30. Januar 2012

*Dem 1949 gegründeten BKU gehören rund 1 200 Inhaber-Unternehmer, Selbständige und leitende Angestellte an. Der BKU ist in 36 Diözesangruppen gegliedert. In seinen Arbeitskreisen entstehen innovative Konzepte zur Wirtschafts- und Sozialpolitik. Der Verband sieht sich als Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Kirche und Politik. Ihre Rückfragen beantwortet Geschäftsführer Martin Wilde, Tel. 0221/272370.