Gesetz über "Homo-Ehe" tritt in Deutschland in Kraft

Erklärungen des Weihbischofs von Rottenburg-Stuttgart

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ROM, 31. Juli 2001 (ZENIT.org).- Am 1. August tritt in Deutschland das kontroverse Gesetz über gleichgeschlechtliche Verbindungen in kraft, das im Dezember vom Parlament verabschiedet und am 18. Juli vom Verfassungsgericht bestätigt wurde. Das Gericht wies die Berufung einiger unionsgeführter Länder zurück.



Nun können gleichgeschlechtliche Paare am Standesamt einen eheähnlichen Vertrag abschließen und von einigen Rechten Gebrauch machen, die bisher nur Ehepartnern im klassischen Sinn vorbehalten waren, wie den Nachnamen des Partners anzunehmen oder als Erbe eingesetzt zu werden und von anderen, vom Gesetz vorgesehenen ökonomischen Vorteilen Gebrauch machen.

Einige Landesbehörden wie zum Beispiel in Berlin haben sich bereits bereit erklärt, gleichgeschlechtliche Ehen zu schließen.

Weihbischof Thomas Maria Renz von Rottenburg-Stuttgart hat Radio Vatikan gegenüber seine Interpretation des neuen Gesetzes abgegeben.

Welche Position nimmt die katholische Kirche in Deutschland angesichts der neuen Maßnahme ein?

Weihbischof Renz: Die Kirche in Deutschland hat immer zwischen zivilrechtlicher Sicherheit dieser Menschen und einer Ehe unterschieden, die einen exklusiven, durch die deutsche Verfassung sanktionierten Status darstellt. Das ist die fundamentale Norm des Staates, welche die Ehe zwischen Mann und Frau schützt und deren Exklusivität man heute in Frage stellen will.

Dieses Gesetz war unter den verschiedenen politischen Kräften und Parteien umstritten ...

Weihbischof Renz: Die Christdemokraten zum Beispiel haben immer gesagt, dass die Ehe einen Exklusivstatus besitzt, und das ist ein wichtiger Punkt, den das neue Gesetz nicht mehr zusichert.

Das Gesetz belässt ja den Bundesländern einen gewissen Spielraum. Wie könnte man nun reagieren?

Weihbischof Renz: Dieser Spielraum ist leider sehr gering, da das Gesetz nun für ganz Deutschland verabschiedet wurde. Die Anwendung in den verschiedenen Bundesländern kann zwar in einigen Punkten differieren, aber das Gesetz als solches lässt sich nicht auseinanderdividieren.

Erst neulich hat der Bürgermeister von Berlin sich als homosexuell geoutet, und auch in der deutschen Fernsehwerbung treten nun häufiger Homosexuelle auf. Was geht gerade in Deutschland vor?

Weihbischof Renz: Dieses öffentliche Bekenntnis des Bürgermeisters von Berlin hat vielen Homosexuellen Mut gemacht, die sich bisher eher bedeckt gehalten haben, und das hat in Deutschland zu einer großen Debatte geführt.

[Originaltext: Italienisch; Übersetzung. Zenit]