Gesicht des heiligen Antonius rekonstruiert

Sensationelles Ergebnis eines Forschungsprojekts in Padua

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 284 klicks

Heilige sind uns in Legenden, durch ihre Reliquien und bildlichen Darstellungen überliefert. Das wahre Aussehen eines Heiligen lässt sich daraus jedoch nicht erschließen. In Padua gelang nun einem Forscherteam der große Durchbruch. Das Gesicht keines geringeren Heiligen als das des heiligen Antonius konnte mithilfe eines Abdrucks vom Schädel anatomisch in dreidimensionaler Ansicht rekonstruiert werden. Pater Luciano Bertazzi, Direktor des „Centro Studi Antoniani“ in Padua, erklärte, geradezu zufällig sei es zu dem Projekt gekommen, an dem das „Centro Studi Antoniani“ und das „Museo di Antropologia“ gemeinsam gearbeitet hätten. Zwar hätten bereits Abgüsse aus dem Jahr 1981 existiert, doch sei die Rekonstruktion des wahrhaften Aussehens des Heiligen von überragender Bedeutung. „Das Gesicht hat eine große symbolische und existentielle Bedeutung“, so Pater Bertazzi, der vor allem im organisatorischen Bereich des Projekts mitwirkte. Als besonders bemerkenswert bezeichnete der Pater die Kraft und Stärke des Gesichtsausdrucks, das Zeichen eines intensiven und leidenschaftlichen Lebens für den Glauben sei.

In der bildenden Kunst gibt es eine Fülle an Darstellungen des heiligen Antonius. Die christliche Ikonographie bildete mit der Zeit einen Kanon klassischer Darstellungstypen und Attribute heraus, an denen der Heilige stets erkennbar ist, so z.B. das Buch, der Lilienzweig, das Jesuskind. Da die ikonographische Darstellung des heiligen Antonius weithin bekannt ist, sollte der beauftragte Techniker natürlich so unbefangen wie möglich an die Aufgabe herangehen. Nicola Carrara, der Konservator des „Museo di Antropologia“, erklärte gegenüber der italienischen lokalen Tageszeitung Il Mattino di Padova, dass deshalb der Techniker, Cicero Moraes, nicht über die Identität des Schädels aufgeklärt worden sei. Ihm seien lediglich Basisdaten wie das Geschlecht, das Alter und die europäische Herkunft mitgeteilt worden. Daraufhin seien die gegebenen Informationen mit tausenden forensischen Daten aus der ganzen Welt abgeglichen worden. Moraes habe, so Carara, einen Mann iberischer Herkunft, möglicherweise portugiesischer, ermittelt. Als der Techniker herausgefunden habe, dass es sich bei seinem „Patienten“ um den in Portugal und Brasilien hochverehrten heiligen Antonius handle, habe ihn das wie ein Schlag getroffen. „Bei jedem Schritt fragte ich mich, wer der Mann sei. Als ich es erfuhr, war ich ohne Worte, wirklich erstaunt. Obgleich ich nicht besonders religiös bin, fühlte ich eine große Verantwortung: Millionen von Menschen weltweit würden ihrem Heiligen in das Gesicht sehen,“ so Moraes.

Der Konservator berichtete, dass die Rekonstruktion des Gesichtes des heiligen Antonius nicht das erste Projekt dieser Art gewesen sei. In der Vergangenheit sei es mittels der neuen Technik u.a. bereits gelungen, das Gesicht des Dichters Francesco Petrarca zu rekonstruieren.

Das „Centro de Tecnologia da Informação ‚Renato Archer‘“ in Campinas (São Paulo), ein auf 3D-Ansichten spezialisiertes Zentrum, entwickelte anschließend, auf der Grundlage dieser Ergebnisse, fast 800 Jahre nach dem Tod des Heiligen Antonius die 3D-Ansicht des Kopfes.