Gesprächsforum "Im Heute glauben" in Stuttgart zu Ende gegangen

Erzbischof Zollitsch: "Vielfalt und wachsendes Vertrauen"

Bonn, (DBK PM) | 390 klicks

Das dritte Gesprächsforum der Deutschen Bischofskonferenz innerhalb des Gesprächsprozesses der deutschen Bischöfe ist gestern in Stuttgart zu Ende gegangen. Rund 300 Teilnehmer aus den Bistümern, Verbänden und Gemeinden sowie dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken stellten sich dem Thema „Liturgie: Dem Heiligen begegnen – heute Gott verehren“. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, zog ein positives Fazit: „Wir haben erlebt und diskutiert, wie vielfältig die Liturgie bei uns ist. Gleichzeitig ist deutlich geworden, wie wichtig es ist, die Liturgie in der Welt zu verankern. Die Feier der Liturgie als Zentrum unseres Glaubens hat in Stuttgart eine Vergewisserung erfahren. Liturgie ist nichts weltfernes, sondern ein zutiefst innerkirchliches Geschehen, das in die Welt hinauswirkt. In Stuttgart haben wir Vielfalt und wachsendes Vertrauen erlebt“, so Erzbischof Zollitsch.

Während einer Pressekonferenz betonte der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx: „In der Liturgie ist es wichtig, dass die Zeichen dem entsprechen, was wir glauben. Liturgie ist immer ein Lernort: Indem wir das erfahren, werden Fragen aufgeworfen. Gleichzeitig müssen wir auf die Qualität in der Liturgie achten: Predigten müssen gut sein, der Gottesdienst muss gut gestaltet und der Lektor verständlich sein. Da dürfen keine Hindernisse entstehen“. Mit Blick auf den gesamten Gesprächsprozess sagte Marx: „Die Vielfalt und Unübersichtlichkeit in der Welt wird nicht kleiner, deshalb brauchen wir Begegnungen und Integrationsorte und der Gesprächsprozess ist ein solcher Integrationsort geworden.“

Bischof Dr. Franz-Josef Bode (Osnabrück) hob hervor, dass die Art und Weise, den Menschen zu begegnen, vielfältiger werden müsse. „Der Grundwasserspiegel des Vertrauens hat sich wieder gehoben. Zwar noch nicht vollständig, aber es ist viel geschehen.“ Liturgie könne Räume eröffnen und Menschen neu ansprechen: „Wir brauchen eine Vielgestaltigkeit in der Liturgie und in der pastoralen Arbeit. Dabei ist es notwendig, die Situation von Menschen und Pfarrgemeinden im Blick zu halten. Gerade den Suchenden in unseren Gemeinden müssen wir eine Antwort geben“, so Bode.

Für den Essener Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck stellt sich die Frage, in welchen Bezug die Theologie mit der Seelsorge in der Welt tritt. „Liturgie steht nicht vereinzelt für sich, sondern ist immer ein Ausdruck von Gemeinschaft. Wichtig sind die Haltung des Einzelnen und die Struktur des Ganzen in einer radikal umbrechenden Gesellschaft. Heute geht es darum, wie wir Gott preisen und uns von ihm berühren lassen“, so Bischof Overbeck.“

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, betonte, dass der Dialogprozess auf Bundesebene ein wichtiger Impulsgeber für die Diözesen, Verbände und Gemeinschaften geworden sei. „Das Vertrauen ist gewachsen und die Gesprächskultur hat sich verbessert. Entscheidend ist, dass der Gesprächsprozess eine große Integrationskraft in Deutschland entwickelt hat. Eindrucksvoll sind die Vielfalt, die Aktivitäten und das Engagement von Menschen für ein geistliches Leben“, so Glück.

Anja Peters, Diözesanvorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend im Bistum Trier, erklärte, dass es manchmal schwer sei, Geduld und Ruhe zu haben und sich gegenseitig mehr zuzutrauen. Aber trotzdem gehe gerade die junge Generation diesen gemeinsamen Weg. Jetzt, da Halbzeit sei, sei es wichtig zu sehen, dass an konkreten Ergebnissen gearbeitet werde. „Geduld ist zwar nicht meine Stärke, aber ich bleibe weiter dabei mit liebevoller Hartnäckigkeit“, so Peters.

Der Erfurter Liturgiewissenschaftler Professor Dr. Benedikt Kranemann hält die Diskussion über Liturgie für eine aktuelle Frage der katholischen Kirche: „Das Thema Liturgie ist nach wie vor brennend aktuell, das ist ein positives Zeichen. Es ist überraschend zu sehen, was an liturgischen Kompetenzen vorhanden ist“, so Kranemann. Diese Kompetenzen solle man nutzen, fruchtbar machen und helfen, sie weiterzuentwickeln.

Erzbischof Zollitsch ging während des Gesprächsforums auch auf den bisherigen Gesprächsprozess ein: „Wir haben in Konsequenz des Forums in Hannover in der Bischofskonferenz eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die der Problematik der zivil wiederverheirateten Geschiedenen nachgeht. Diese Arbeitsgruppe wird nach Abschluss der ersten Beratungen der Bischofskonferenz einen Arbeitsbericht vorlegen. Er wird einen ungeschminkten Blick auf die Realitäten enthalten und die Not zur Sprache bringen, die heute im Bereich verbindlicher persönlicher Beziehungen besteht. Wir wollen eine realistische Sicht der Gegebenheiten“, so Zollitsch. Mit Blick auf das Jahresthema Liturgie betonte Erzbischof Zollitsch, dass es ein gutes Zeichen gewesen sei, das in Stuttgart die persönliche Gläubigkeit und die kirchlich-gemeinschaftliche Gestaltung dieser Gläubigkeit so viel Aufmerksamkeit gefunden habe. „Es ist bereits jetzt an liturgischer Vielfalt mehr möglich, als ausgeschöpft wird. Das kann vor Ort ebenso geschehen wie durch Beiträge der Liturgiewissenschaftler“, so Erzbischof Zollitsch.

Hinweis:

Textbeiträge, Teilnehmerlisten sowie weitere Informationen finden Sie aktuell unterwww.dbk.de im Dossier Gesprächsprozess. In den nächsten Tagen wird auch eine Dokumentation des Gesprächsforums in Stuttgart unter www.dbk.de abrufbar sein.