"Gestärkt durch die Eucharistie die Welt im Geist Jesu Christi verändern"

Predigt von Erzbischof Zollitsch beim gestrigen Eröffnungsgottesdienst des Eucharistischen Kongresses 2013

Köln, (ZENIT.orgDBK PM) | 571 klicks

Wir übernehmen im Wortlaut die Predigt vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, im gestrigen Eröffnungsgottesdienst des Eucharistischen Kongresses 2013, der vom 5. bis 9. Juni 2013 in Köln stattfindet. 

Der Text wurde der Webseite der Deutschen Bischofskonferenz entnommen.

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Fest des hl. Bonifatius

Schrifttexte: Apg 26,19-23; Joh 15,14-16a.18-20

Gestärkt durch die Eucharistie die Welt im Geist Jesu Christi verändern 

Mit Vorfreude und Erwartung sind Sie, liebe Schwestern und Brüder, hierhergekommen. Viele von uns haben weite Wege zurückgelegt, um mitzufeiern. In dieser Stadt gibt es so viel Schönes zu sehen – aber wir sind nicht aus touristischen Gründen hier. Wir suchen Höheres als den Kölner Dom und Schöneres als die Werke der Kultur. Wir suchen gleichsam die Sonne, die alles in dieser Welt erst schön macht und zum Leuchten bringt. Wir sind gekommen, um in einer herausgehoben Weise und in einem gemeinsamen Akt der Katholiken Deutschlands und der angrenzenden Länder JESUS CHRISTUS zu ehren und ihm in der Eucharistie zu begegnen. Hier liegt der Grund unseres Zusammenseins. Von heute bis Sonntag feiern wir so etwas wie ein großes, erweitertes Fronleichnamsfest; diese Tagen wollen die Freude über die Gegenwart Christi in der Eucharistie sinnenfällig und öffentlichkeitswirksam zum Ausdruck bringen.

Unsere Vorfreude und Erwartung ist ein Echo auf die Sehnsucht, von der Jesus vor dem letzten Abendmahl zu seinen Jüngern spricht: „Mit Sehnsucht habe ich danach verlangt, dieses Ostermahl mit euch zu essen“ (Lk 22.15). Letztlich hat uns die Sehnsucht des Herrn, in der Eucharistie immer bei uns zu sein, hier zusammengeführt. Machen wir uns bewusst: Ich bin persönlich eingeladen; der Herr schaut so auf mich, wie er auf Zachäus geschaut hat – „erbarmend und erwählend“ wie es Papst Franziskus in seinem Wahlspruch zum Ausdruck bringt. Jetzt und in jeder hl. Messe dürfen wir im Herzen die Worte hören, die uns heute am Fest des hl. Bonifatius im Evangelium Jesus Christus zusagt: „Ich nenne euch nicht mehr Knechte; ... Vielmehr habe ich euch Freunde genannt“ (Joh 15,15). Ja, liebe Schwestern, liebe Brüder, wir sind nicht Knechte und Mägde, auch nicht Saisonarbeiter einer Firma, die heute angestellt und morgen entlassen werden. Hier herrscht ein andern Ton: In der Eucharistie sucht der Herr unsere Freundschaft, durch die er uns Anteil gibt an sich selbst und an allem, was er hat und was er ist. Wir staunen darüber, dass die Eucharistie nicht Erinnerung an Vergangenes, sondern Vergegenwärtigung dessen ist, was „ein für allemal“ am Kreuz geschah: Himmel und Erde sind verbunden; der Graben zwischen Gott und uns sündigen Menschen ist überbrückt.

So erbitte ich für diese Tage vom Herrn ein doppeltes Geschenk:

–Der erste Wunsch ist: dass durch die Mitfeier dieses eucharistischen Kongresses uns allen und unserer Kirche in Deutschland das überwältigende Geheimnis der Eucharistie neu aufleuchtet: Der Herr ist in unser Mitte – das ist sein großes Geschenk an uns. In ihm haben wir Zugang zum Vater. Die Feier der Eucharistie lässt uns nicht kalt, sie „macht etwas“ mit uns; sie verwandelt uns als Einzelne und als Kirche. So hat das Papst Benedikt den Jugendlichen der Welt unweit von hier auf dem Marienfeld erklärt: „Leib und Blut Jesu Christi werden uns gegeben, damit wir verwandelt werden. Wir selber sollen Leib Christi werden, blutsverwandt mit ihm. Wir essen alle das eine Brot. Das aber heißt: Wir werden untereinander eins gemacht.“ Die heilige Theresia von Lisieux erbittet in einem bekannten Gebet für die Priester: „Gib ihnen mit der Wandlungskraft über Brot und Wein auch die Wandlungskraft über die Herzen.“ Ja, wir brauchen gerade mit Blick auf die Bedeutung der Eucharistie gute Priester. Deshalb gehört auch das Gebet um Priesterberufungen notwendig zu diesen Tagen. Zugleich dürfen wir die Bitte der hl. Theresia auf die ganze Kirche und auf uns alle anwenden und beten: „Gib uns, Herr, da wir doch in Eucharistie gewandelt werden, auch Wandlungskraft über die Herzen der Menschen, über unsere Gesellschaft und über die Welt.“ Die Dynamik der Eucharistie meint alle Lebensbereiche und alle Lebensumstände, die es im Geist Jesu Christi zu durchdringen gilt.

–Und so legt sich ein zweiter Wunsch für diese Tage nahe: dass die Innenseite der Eucharistie ausstrahle über den Kirchenraum hinaus. Der Herr möge uns schenken, das Geheimnis des Glaubens nicht nur liturgisch zu feiern, sondern es in Worten und Taten so zu übersetzen, dass die Menschen unserer Zeit „kommen und anbeten“, auch wenn sie wie die hl. drei Könige aus ganz anderen Kulturräumen und Weltanschauungen kommen. Jesus Christus ist für alle Mensch geworden und hat auch für die entferntesten Sünder sein Leben gegeben. Er ist nicht nur – und noch nicht einmal vor allem – gekommen für die, die schon da sind. Wer Eucharistie feiert oder das eucharistische Brot anbetet, der begegnet einem Gott, den es zu den Menschen drängt. Diesen Gott hält es nicht im Himmel. Er geht den Verlorenen und Verirrten nach. Die Kommunion mit diesem Gott drängt auch uns, den Schutz- und Innenraum eines vermeintlichen Wohlfühl-Christentums zu verlassen, und zu den Menschen der modernen Welt als Missionare zu gehen. So drängte es auch den frommen und gebildeten Mönch Winfried, später Bonifatius genannt, sein vertrautes Kloster in England zu verlassen und aufs Festland zu gehen, um den Menschen das Evangelium zu bringen. Er, der Missionar Deutschlands, möge uns heute an seinem Fest, ein neues missionarisches Bewusstsein erbitten. Zeichen der Echtheit und Frucht einer tiefen eucharistischen Frömmigkeit sind die Leidenschaft für die Weitergabe des Evangeliums und für den Dienst an den Menschen. Für Mutter Teresa von Kalkutta war ganz klar: Wir werden Christus nicht in den Armen erkennen und ihm nicht in den Menschen dienen können, wenn wir ihn nicht vorher in der Eucharistie angebetet und kennen gelernt haben. Deshalb war ihre erste Sorge bei der Errichtung einer Station ihrer Schwestern, dass die Möglichkeit bestand, Jesus in der Eucharistie anzubeten. Wer Jesus in der Eucharistie anbetet, wird von seiner Liebe berührt und zum Menschen hin gedrängt.

Im Zentrum unseres Glaubens steht Jesus Christus; die Summe seines Lebens und seiner Sendung ist die Eucharistie; die Mitte der Eucharistie ist die brennende Liebe unseres Heilands, der uns zu den Menschen drängt.

Mit Freude und großer innerer Offenheit lasst uns in diese eucharistischen Tage eintreten!

Feiern wir jede hl. Messe, jede Anbetungsstunde so, dass sich unsere Welt verwandeln kann hinein ins Reich Gottes. Wohin, Brüder und Schwestern, wohin soll die Welt, sollen die Menschen unserer Zeit denn sonst gehen, um das zu finden, was sie in der Tiefe ihres Herzen suchen?! – Amen