Gewalt führt nie zum Frieden

Brief von Papst Franziskus an den russischen Präsidenten Vladimir Putin

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 396 klicks

Im Rahmen des G20-Treffens in Sankt Petersburg sandte Papst Franziskus einen Brief an den russischen Präsidenten Vladimir Putin, in dem er zu einer friedvollen Lösung des Syrienkonflikts aufriefaufruft.

Papst Franziskus geht zunächst auf die Aufgabe Putins als Vorsitzender der G20 ein und erklärt, dass Russland stets eine positive Rolle eingenommen habe. Seit der schweren Weltwirtschaftskrise sei es erforderlich, finanzielle Rahmenbedingungen zu schaffen, mit klaren und gerechten Regeln, die den Weg zu einer gerechteren und solidarischen Welt ebneten sowie den Hunger bekämpften, würdige Arbeitsbedingungen, würdige Unterkünfte und eine ausreichende Krankenversorgung garantierten. Putin setze sich in der Rolle als Vorsitzender dafür ein, die Finanzreformen zu stabilisieren und eine Einigung über Finanzstandards zu erzielen. Dennoch könne sich die Wirtschaft in der Welt nur entwickeln, wenn allen Erdbewohnern und nicht nur den Angehörigen der G20-Staaten würdige Lebens- und Arbeitsbedingungen sicher seien.

Aus dieser Sicht sei es eindeutig, dass bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen den Völkern der Eintracht entgegenstünden, da sie tiefe Gräben und Wunden zufügten, deren Heilung viele Jahre in Anspruch nehme. Kriege seien die Verweigerung, sich für wirtschaftliche und soziale Ziele einzusetzen, die die internationale Gemeinschaft anstrebe, wie zum Beispiel die „Millennium Development Goals“. Die bewaffneten Auseinandersetzungen unserer Zeit böten ein Bild des Elends, des Hungers, der Krankheiten und des Todes. „Ohne Frieden gibt es keinerlei wirtschaftliche Entwicklung. Gewalt führt nie zum Frieden, der notwendig ist für eine solche Entwicklung“, so Papst Franziskus.

Das G20-Treffen, das zwei Drittel der Bevölkerung repräsentiere, habe nicht die internationale Sicherheit zum Ziel. Dennoch müsse sie sich mit der Situation im Nahen Orient, vor allem in Syrien, auseinandersetzen. Leider hätten zu viele anderweitige Interessen seit Ausbruch des Konflikts die Oberhand gewonnen und verhinderten die Suche nach einer Lösung, um das unnötige Massaker, das sich vor den Augen der Weltbevölkerung abspiele, zu verhindern.

Die Häupter der G20-Staaten sollten nicht untätig bleiben angesichts des Dramas in der syrischen Bevölkerung. Papst Franziskus wendet sich an jeden einzelnen mit einem Appell, dass „sie helfen sollen, Wege zu finden, die verschiedenen Gegensätze zu überwinden, und Abstand nehmen sollen von jedem eitlen Vorwand einer militärischen Lösung.“ Vielmehr müsse mit Mut und Entschlossenheit nach einer friedlichen Lösung gesucht werden, durch Dialog und Verhandlung zwischen den involvierten Parteien. „Es ist die moralische Pflicht aller Regierungen in dieser Welt, jede Maßnahme zu fördern, die der humanitären Hilfe für die Kriegsopfer in und außerhalb des Landes dient“, so der Papst.

Abschließend wendet sich Papst Franziskus noch einmal direkt an Vladimir Putin in der Hoffnung, dass diese Betrachtungen ein wertvoller, spiritueller Beitrag für das G20-Treffen darstellten. Der Papst versichert, alle in seine Gebete einzuschließen, und spricht seinen Segen aus. Mit der Bitte um Gebete für sich und einer Grußformel schließt der Papst seinen Brief.

Der Brief kann in italienischer und englischer Sprache auf der Seite von „Radio Vatikan“ abgerufen werden.