Gewalt und Armut: Kolumbianischer Bischof beklagt die große Not in seinem Land

Die Kirche, Instrument des Friedens bzw. prophetische Stimme für Gerechtigkeit und Wahrheit

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ESPINAL/MÜNCHEN, 2. September 2008 (ZENIT.org).- Auch wenn die Befreiung von Ingrid Betancourt, die gestern, Montag, von  Papst Benedikt XVI. empfangen wurde, ein Grund zur Freude und Hoffnung gewesen sei, sei der Alltag in Kolumbien immer noch von Gewalt geprägt, bekräftigte der Bischof von Espinal, Pablo Salas, gegenüber dem Münchner Büro des weltweiten Hilfswerks Kirche in Not.



Wegen des Klimas der Gewalt lebten die Menschen in ständiger Angst und könnten kein normales Leben führen. Neben der im Westen bekannten Terror-Organisation FARC gebe es weitere links- und rechtsextremistische bewaffnete Gruppen, die Nötigung, Gewalt und Tod über die Menschen brächten, so Bischof Salas. Fast jeder Kolumbianer oder zumindest ein Familienangehöriger habe schon Gewalt erlebt. In seiner Diözese gäben ermordete Priester und durch Gas-Bomben zerstörte Kirchen ein trauriges Zeugnis dieses Leides, berichtete der 51-jährige Bischof. Viele Menschen sähen sich zur Auswanderung gezwungen.

Neben dem Kampf gegen die Gewalt sollte für die Politik der Einsatz gegen soziale Ungerechtigkeit und die daraus entstehende Armut Vorrang haben. Immer noch hätten zu viele Menschen zu wenig Land oder keine Mittel, um davon zu leben. In seiner Diözese gebe es keine Straßen, und die Bauer arbeiteten hart. Oft hätten sie keine Werkzeuge für die Ernte, keine Karre, um die Ernte zu transportieren, oder es gebe keine Straßen für Karren. Das entmutige die Bauern sehr und mache sie wütend. Ihre Lage habe sich in den letzten Jahren weiter verschlechtert.

Aufgabe der Kirche sei es, Instrument des Friedens und prophetische Stimme für Gerechtigkeit und Wahrheit zu sein – eine Stimme vor allem für die Armen und Leidenden. Der Friede in Kolumbien sollte nicht ein Friede der Gräber sein, sondern ein lebendiger Friede, an dem alle Seiten mitwirken müssten. Die Botschaft der Kirche werde zwar respektiert, leider werde ihr aber zu wenig Gehör geschenkt.