Gewalt und Verletzung der Menschenrechte im Landesinneren des Bundesstaates Bahia

Gemeindepfarrer von Riacho Grande und Salina da Brinca wehren sich gegen Einschüchterungsversuche der Militärs

| 491 klicks

RIACHO GRANDE/BAHIA, Brasilien 8. April 2008 (ZENIT.org).- Seit März dieses Jahres sind die im Landesinneren des Bundesstaates Bahia in Brasilien gelegenen Dörfer Riacho Grande, Salina da Brinca, Melancia und Jurema im Landkreis Casa Nova (Bahia) wegen eines Landkonfliktes Schauplatz einer Folge von gravierenden Menschenrechtsverletzungen, bei dem es um 40.000 ha Land geht, heißt es in einem Hilferuf an ZENIT aus Brasilien.

In Riacho Grande arbeiten seit 1996 auch die „Missionnaires de l’Immaculée -P. Kolbe. Seit Anfang 2008 bekommen in den Armenviertel Riacho Grande in einem Pilotprojekt mit Namen „Cité de l’Espérance“ rund 200 Kinder eine solide Grundausbildung.

Nun aber wurden in diesen Armenvierteln Männer, Frauen und Kinder gewalttätig angegriffen. Die kirchlichen Beauftragten der „Comissão Pastoral da Terra“ (CPT) „Pastoral für die Erde“ sprechen von physisch und moralischer Gewaltanwendung. Einwohner wurden verprügelt und erlitten Verbrennungen.

Seitdem wehren sich die Gemeindepfarrer von Riacho Grande und Salina da Brinca gegen die Einschüchterungen, Beleidigungen und Morddrohungen, die mit Schusswaffen ausgeprochen wurden. „Handlungen, die als Folterung einzustufen sind“, hieß es jetzt in einem Bericht, da es als extreme Folge von Panikzuständen unter schwangeren Frauen zu einer Fehlgeburt kam. 300 Familien sind dem Terror ausgesetzt, ohne Hilfeleistung durch den Staat erwarten zu können.

„Am Morgen des 3. April begannen die Familien mit der Bestandsaufnahmen der von den Pistoleiros verursachten Schäden während der Zeit, in der die Familien gehindert waren, auf der Fläche die landwirtschaftliche Arbeiten zu verrichten“ heißt es in einem Brief von Marina da Rocha Braga, Verantwortliche der „Comissao Pastoral da Terra - CPT/BA“. „In der kommenden Woche sind Anhörungen und Besprechungen in Salvador anberaumt; dabei werden die Familien ihre Forderungen bei den verantwortlichen Stellen vortragen“.

Dieser dramatische Fall der Vertreibung einer traditionellen Landgemeinde im Bundesstaat Bahia steht als Beispiel für die Zuspitzung von Landkonflikten auf dem Hintergrund von Landraub öffentlichen Besitzes. Im speziellen Fall in Casa Nova wurde durch einen richterlichen Entscheid ein Landkonflikt wieder angefacht, der vor etwa 30 Jahre begann. Damals fand der Landkonflikt vor allem zwischen dem Dorf Riacho Grande, in dem damals 56 Familien lebten, und dem Großunternehmen Camaragibe S.A statt. Die ländlichen Familien nutzen seit der Gründung des Dorfes Mitte des 19. Jahrhunderts die Flächen als Gemeinschaftsweideflächen.

Frühere Landkonflikte im Landesinneren, die seit Jahrzehnten ruhten, kommen wieder an die Tagesordnung, wie im Falle der Landgemeinden der Gemeinschaftsweidefläche im Landkreis Casa Nova, wo Großunternehmen Fabriken für Agrotreibstoffe installieren wollen.

Die traditionellen Landgemeinden laufen Gefahr, ihr Land zu verlieren, weil es an einer effektiven Politik fehlt, die freien, in öffentlicher Hand befindlichen Landflächen zu identifizieren, den de facto durch Gewohnheitsrecht legitimisierten Besitzern das Land grundbuchmäßig zu überschreiben und ferner die seit langem geplante Agrarreform durchzuführen.

„Die Verletzung der Menschenrechte bezieht sich nicht nur auf die physischen Angriffe gegenüber den Menschen, sondern auch auf die Untätigkeit und Unterlassung des Brasilianischen Staates“, heißt es in einer jüngsten Erklärung die ZENIT vorliegt. „Er unternimmt nichts, um die Ausübung der Rechte und den weiteren Verbleib der Bewohner der traditionellen Landgemeinden zu garantieren“.