Gewaltsame Umsiedlung von vorwiegend christlichen Dorfbewohnern zum Bau eines neuen Staudamms

10.000 Menschen im Norden Burmas betroffen

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Von John Newton und Reinhard Backes

MYANMAR, Freitag, 8. Juli 2011 (ZENIT.org/Kirche in Not). - Tausende Dorfbewohner werden im Norden von Burma (Myanmar) gewaltsam aus ihren Häusern ausgesiedelt, um Platz für ein neues Wasserkraftwerk zu schaffen.

Betroffen von der Umsiedlung sind an die 10.000 Menschen im Kachin-Staat. 47 Dörfer werden vom Wasser des geplanten Myitsone-Dammes überschwemmt werden. Der Stausee wird eine Größe von rund 300 Quadrat-Meilen haben, das entspricht der Fläche von New York City.

Der Bau einer Reihe von neuen Staudämmen im Kachin-Staat führte im Juni nach Forderungen nach mehr Unabhängigkeit des überwiegend christlichen Kachin-Staates  zu Auseinandersetzungen zwischen der burmanischen Armee und der Kachin Independence Army. Dorfbewohner aus Tang Hpre teilten der katholischen Hilfsorganisation „Kirche in Not“ mit, dass sie von den staatlichen Behörden gezwungen wurden, ihr Dorf zu verlassen.

Ein Dorfbewohner berichtete: „Sie kamen mit zehn Lastwagen, einer großen Anzahl von Polizei und Regierungsvertretern aus Myitkyina (Hauptstadt des Staates Kachin).“

Die Dorfbewohner drückten ihre Unzufriedenheit mit der Umsiedelung aus:

„Wir wurden gezwungen, unsere Häuser zu verlassen. Dies war jedoch seit Generationen unser Land."

Fast 130 Familien wurden im März in das neu errichtete Dorf Aung Min Thar umgesiedelt, das zehn Kilometer südlich liegt.

Ein Katechet von Tang Hpre erklärte: „Wir können nicht das Land und die Häuser verlassen, die unseren Vorfahren gehörten.“

In Tang Hpre begannen die Columban-Missionare ihre Arbeit in Burma, und die Kongregation baute dort nach dem Zweiten Weltkrieg eine Kirche und mehrer Schulen.

Als Entschädigung für die Umsiedlung erhalten die Dorfbewohner von den Bauunternehmen des Dammes ein neues Haus, einen Fernseher, den Gegenwert von 100 US-Dollar und sechs Monate lang Reislieferungen.

Laut Augenzeugen ähneln die Gebäude in Aung Min Thar jedoch eher „Notunterkünften“.

Der Bau des Dammes wird mit der Unterstützung eines Konsortiums von burmanischen und chinesischen Unternehmen durchgeführt, und das Wasserkraftwerk wird voraussichtlich bis zu 6.000 Megawatt Strom pro Jahr erzeugen, hauptsächlich für den chinesischen Markt.

Zu denen, die vom Bau des neuen Staudamms betroffen sind, gehört auch die Kooperative der Malizup-Weber (Malizup Weavers' Cooperative).

Die von katholischen Ordensschwestern gegründete Kooperative besteht aus meist älteren Frauen der Jinghpaw (oder Jingpo) Stämme, die seit Februar 2008 zusammenarbeiten. Die Jinghpaw Stammesgruppen sind Christen.

Weben ist ein traditionelles Handwerk, und der Erfolg dieser Zusammenarbeit hat den Jinghpaw ein neues Selbstwertgefühl gegeben.

Die Kooperative erklärte, dass es so leichter sei, ihre Produkte zu verkaufen, und es dadurch eine größere Anerkennung für die einzigartige Kultur ihrer ethnischen Gruppe gebe.

Es gibt Befürchtungen, dass diese Errungenschaften gefährdet seien, wenn die Menschen   gezwungen würden, ihre Häuser zu verlassen.

Die burmanische Regierung ignoriert die Aufforderungen von Vertretern aller christlichen Konfessionen der Region, ihr Vorhaben fallen zu lassen.

Im Februar gab es Proteste gegen das Myitsone Staudamm-Projekt mit der Forderung an die Regierung, die Bauarbeiten zu stoppen.

Der Staudamm wird knapp unterhalb der Stelle gebaut, wo die Flüsse Mali und Nmai zusammenlaufen und den Ayeyarwady bilden.

[Übersetzung aus dem Englischen von Iria Staat]