Gewaltstopp in Indien: Dringlicher Appell der Bischöfe an die Regierung

„Wir sind Bürger dieser großen Nation“

| 587 klicks

NEU-DELHI, 30. September 2008 (ZENIT.org).- Die indischen Bischöfe haben die Regierung ihres Landes nun auch formell ersucht, alles in ihrer Macht Stehende zu unternehmen, um die Welle der Gewalt zu stoppen, der die Christen nun schon seit mehr als einem Monat ausgeliefert sind.



Wie aus einer offiziellen Presseerklärung hervorgeht, über die die Nachrichtenagentur Asianews am 26. September berichtete, fordert Kardinal Varkey Vithayathil, Vorsitzender der Indischen Bischofskonferenz, den Gesetzgeber auf, jene radikalen Hindu-Gruppen zu verbieten, die für die Tragödie verantwortlich seien.

„Unschuldige Menschen sind ermordet, Frauen vergewaltigt, Kirchen und Kultstätten profaniert und Häuser von Christen in Kandhamal und anderen Bezirken von Orissa zerstört worden“, beklagt der Kardinal. Er und die seine Mitbrüder im Bischofsamt fordern ein „entschlossenes und rasches“ Vorgehen gegen die Gewalttäter.

Im Kommuniqué wird der Zentralregierung und den Behörden in den betroffenen Bundesstaaten „Apathie und Untätigkeit“ vorgeworfen. Die staatlichen Behörden hätten zwar betont, wieder für Normalität zu sorgen, sich aber dann mit der Entschuldigung zurückgelehnt, „nicht in der Lage zu sein, die Menschenmassen unter Kontrolle zu bringen, die die Kirchengüter zerstörten sowie Priester und Ordensleute beziehungsweise das christliche Volk attackierten“.

Diese unkontrollierbare Gewalt verletze alte indische Werte „wie die Ahimsa (Gewaltlosigkeit), die Wahrheit, die Toleranz und die Achtung vor den Religionen“, die in Indien Jahrhunderte hindurch hochgehalten worden seien, bekräftigen die Bischöfe mit dem Hinweis auf die indische Verfassung, die „das Recht auf Gewissens- und Religionsfreiheit“ garantiere sowie das „Recht darauf, eine Religion frei zu bekennen, sie zu praktizieren und für sie einzutreten“. Zudem habe die katholische Kirche immer eine aktive Rolle gespielt, „wenn es darum gegangen ist, den interreligiösen Dialog zu fördern und Harmonie zu stärken“.

Wer die Leiden der Christen als Schwäche ansehe, irre sich, bekräftigen die Bischöfe. „Wir wollen alle daran erinnern, dass wir Bürger dieser großen Nation sind und dass wir auch weiterhin einen großen Beitrag zum Wachstum und zum Fortschritt dieser großen Nation leisten werden.“

Den Vorwurf von Zwangsbekehrungen weisen die Hirten in ihrer Stellungnahme erneut zurück. So etwas widerspreche der katholischen Lehre. Außerdem geben sie zu bedenken, dass doch viele von denen, die – aus freien Stücken! – zum Christentum konvertieren, „vieler Wohltaten verlustig gehen, die in der Verfassung festgeschrieben sind“. Darüber hinaus hätten einige Christen sogar sterben müssen, weil sie sich geweigert hätten, sich zum Hinduismus zu bekehren.

Der Vorwurf der Zwangsbekehrungen gehört nach Worten der Bischöfe zu einer Strategie, die den Einsatz der Christen im Gesundheitsbereich, im Erziehungswesen und in der Armutsbekämpfung zu verschleiern trachte.

Die Bischöfe sind davon überzeugt, dass der Argwohn, den die Hindutva den Tätigkeiten der Christen entgegenbringt, „der Furcht entspringt, dass viele marginalisierte Gemeinden in ihren Rechten gestärkt werden und sich ihrer Ausbeutung widersetzen könnten“.