Ghebre Michael (um 1790-1855) - Pionier in Äthiopien

Mönch, Priester und Reformer

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 317 klicks

Ghebre Michael wurde in einem Dorf namens Goggiam in Äthiopien geboren. Als Junge verlor er in einem Unfall ein Auge, was ihn für viele Tätigkeiten untauglich machte. So erhielt er eine Ausbildung, trat in ein Kloster ein und entpuppte sich als gelehriger Schüler.

Sein besonders Interesse wendete Ghebre Michael der Geschichte des Mönchtums zu. Vor allem ging er der Frage nach, weshalb in Äthiopien die Standards so niedrig waren. Er reiste von Kloster zu Kloster, gründete dort kleine Gruppen aus Mönchen, die auf der Basis seiner wissenschaftlichen Studien seine Reformen auch nach seiner Abreise fortsetzten. Ghebre Michael erkannte bald, dass der wahre Grund für das niedrige Niveau in den Klöstern in der mangelhaften theologischen Ausbildung der Mönche lag. Deshalb wollte er sich zu Studienzwecken nach Jerusalem begeben, da er in Äthiopien keine Möglichkeit zu einer Lösung des Problems sah. Er schloss sich einer Delegation an, die 1840/1841 nach Alexandria reisen und auch Jerusalem besuchen wollte. Ziel der Delegation war die Besetzung des Bischofsstuhls mit einem neuen orthodoxen Bischof.

Während dieser Reise, die Ghebre Michael auch nach Rom führen sollte, lernte er Justinus von Jacobis, einen katholischen Missionar, kennen. Sie trafen erneut im September 1843. Damals erklärte Ghebre Michael dem Missionar, er wolle zum Christentum übertreten. Noch im selben Monat wurde Ghebre Michael Mitglied der katholischen Kirche. In der Folgezeit diskutierten die beiden viel und besuchten zahlreiche Klöster.

Im Dezember 1844 ließen sich Justinus und Ghebre Michael in Guala nieder und gründeten eine katholische Station, um die Einheimischen in Glaubensfragen zu unterrichten. Am 1. Januar 1851 wurde Ghebre Michael zum Priester geweiht. 1854 wurden Ghebre Michael und einige Konvertiten inhaftiert. Ziel war es, dass sie dem katholischen Glauben absagten. Die Gefangenen mussten Folter und Qualen ertragen. Als der „British Council“ sich 1855 des Falls annahm, weigerte sich Ghebre Michael erneut, sich der Apostasie schuldig zu bekennen. Zwar konnte der „British Council“ die Todesstrafe ersparen, aber die Haftbedingungen waren so hart, dass Ghebre Michael schließlich am 28. August 1855 verstarb. Er wurde am 3. Oktober 1926 seliggesprochen.

Ghebre Michael hatte sich gewünscht, wie sein Lehrmeister Justinus Mitglied der Vinzentiner zu werden. Dem Vorhaben kam leider die Inhaftierung zuvor, so blieb Ghebre Michael Postulant. Justinus aber schrieb nach dem Tod des Seligen an den Generalsuperior, Jean-Baptiste Etienne, Ghebre Michael sei in seinem Herzen schon lange ein Mitglied der Kongregation gewesen.

Der Name des Seligen setzt sich aus dem Präfix „Ghebre“ zusammen, was „Diener von“ bedeutet und in Äthiopien und Eritrea sehr gebräuchlich ist, und Michael, dem Namen des Heiligen. Das Präfix „Ghebre“ kann nur gemeinsam mit einem Namen verwendet werden.