Giacomo della Marca (1393-1476) oder das Wunder vom unverwesten Leichnam des Heiligen

Franziskaner, Prediger und Klostergründer

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 335 klicks

Giacomo della Marca wurde 1393 in Monteprandone in der heutigen Provinz Ancona geboren und auf den Namen Domenico getauft. Nach dem Studium in Perugia trat Giacomo im Jahr 1416 in den Franziskanerorden Santa Maria degli Angeli in Assisi ein und wurde einer der bedeutendsten Schüler des Bernhardin von Siena (1380-1444). Giacomo war ein leidenschaftlicher Prediger und in seinem Orden für seinen Reformgeist bekannt. 1432 unterbrach er seine Predigertätigkeit in Italien, da er den Auftrag erhalten hatte, in Dalmatien den Glauben zu verbreiten, und wurde in der Folgezeit Vikar von Bosnien. 1437 wurde Giacomo Inquisitor in Ungarn und Böhmen, bis er 1440 nach Italien zurückkehrte. Hier übernahm er das Amt des Inquisitors der Marchen.

In seinem Geburtsort Montepradone gründete Giacomo 1449 ein Kloster, das er mit einer reichen Bibliothek versah. Im „Museo Civico“ von Montepradone werden heute noch 61 Bände aus dem Originalbestand aufbewahrt sowie ein Brief, den Giacomo della Marca an seinen Freund Johannes von Capestrano verfasste.[1]  Von den Schriften Giacomos hat sich ein Großteil erhalten, darunter die „Sermones dominicales“, „Sermones quadragesimali“ oder der „Sermo de Sancto Francisco“. 

Einige Jahre später, 1455, vertraute Papst Calixtus III. ihm den Auftrag an, den in Observanten und Minoriten gespaltenen Franziskanerorden wieder zu vereinen. Das Unternehmen blieb jedoch erfolglos.

Giacomo della Marca starb am 28. November 1476 in Neapel. Die sterblichen Überreste werden seit 2001 in der Klosterkirche von Monteprandenone, Santa Maria delle Grazie, aufbewahrt. Nach seinem Tod im Jahr 1476 war Giacomo zunächst in Santa Maria La Nova in Neapel bestattet worden. Alle, die den Leichnam erblickten, glaubten, dass die Mitbrüder Giacomos dem Verstorbenen Farbe auf das Gesicht aufgetragen hätten, da es so frisch und lebendig wirkte. Nach der Aufbahrung wurde Giacomo seinem Wunsch entsprechend unter der Erde bestattet. In nur einem Jahr nach dem Tod des Heiligen ereigneten sich jedoch so viele Wunder, dass auf den Auftrag des Papstes hin der Leichnam exhumiert wurde und oberirdisch bestattet wurde. Als im Jahr 1700 im Rahmen des Heiligsprechungsprozesses die sterblichen Überreste des Heiligen untersucht wurden, stellte man fest, dass der Leichnam nicht verwest, sondern vollkommen unversehrt war. Zeugen gaben zu Protokoll, dass sogar die Gliedmaßen des Verstorbenen vollbeweglich seien, und schlossen aus, dass eine Einbalsamierung vorgenommen worden sei. Im Jahr 1888 ereignete ein weiterer wundersamer Zwischenfall: Das Kloster hatten die Brüder zuvor aus politischen Gründen verlassen müssen, und der Körper des heiligen Giacomo hatte Feuchtigkeit gezogen. Ein Chirurg sollte deshalb Teile als Reliquien entnehmen. Als der Arzt den Leichnam begutachtete, stellte auch er fest, dass das Fleisch unverwest war und sogar noch durchblutet. 1968 wurde der Leichnam des Heiligen erneut einer Untersuchung unterzogen, die das Ergebnis nur bestätigte. 

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FUSSNOTE

[1] Das Gesamtverzeichnis der in der Bibliothek in Montepradenone aufbewahrten Codices aus dem Besitz Giacomo della Marcas kann unter diesem Link eingesehen werden.