Gipfel der Weltreligionen in Moskau (Russland): Würdigung des unverzichtbaren Beitrags der Religionen zu Frieden und Solidarität

Konferenz im Vorfeld des Treffens der G-8-Staaten in Sankt Petersburg

| 424 klicks

ROM, 5. Juli 2006 (ZENIT.org).- Der Gipfel der großen Religionen hat in diesen Tagen rund 200 Repräsentanten aus 40 Nationen nach Moskau geführt. Auf Einladung von Patriarch Alexeij II., des geistlichen Oberhaupts der russisch-orthodoxen Kirche, berieten sie vom 3. bis zum 5. Juli unter anderem über den Beitrag der Religionen zum Frieden in der Welt. Eine gemeinsame Schlusserklärung soll jenen sieben führenden Industrienationen und Russland übergeben werden, die Mitte Juli in St. Petersburg zusammenkommen.



Die Hauptaufgabe der Religionen in einer globalisierten Welt, in der alle "unter einem Dach leben", bestehe nicht darin, eine "Vereinheitlichung" voranzutreiben und die unterschiedlichen Traditionen und Kulturen zu zerstören, unterstrich Metropolit Kyrill von Smolensk und Kaliningrad, Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats zu Beginn des dreitägigen Treffens, an dem auch der russische Präsident Vladimir Putin teilnahm. Es gehe vielmehr um die Möglichkeiten, Respekt vor den jeweiligen Traditionen und Kulturen und damit auch vor den religiösen Überzeugungen zu entwickeln.

Unter den anwesenden buddhistischen Mönchen, Rabbinern, Metropoliten, Kardinälen und Muftis herrschte ein Klima des Friedens, der gegenseitigen Achtung und der Toleranz. Sie brachten den Wunsch zum Ausdruck, alles Trennende beiseite zu lassen, um die Suche nach gemeinsamen Lösungen für Probleme wie den Terrorismus, die Intoleranz und den Rassenhass voranzutreiben.

Angesichts der Herausforderungen des interkulturellen Dialogs, des Drogenhandels, des Rüstungsgeschäfts, der nötigen Klärung der Rolle der Massenmedien, der Verteidigung der Familie sowie des menschlichen Lebens behandelten die Religionsvertreter jene Themen, die eine friedliche und gerechte Weltordnung unterstützen.

Der russische Präsident betonte in seiner Ansprache die große Verantwortung der Religionsgemeinschaften bei der Überwindung von "terroristischen Ideologien", die sich auf eine Art "religiösen Analphabetismus mit separatistischen und nationalistischen Gefühlen" gründeten. Nur wenn ein echtes interreligiöses und kulturelles Miteinander im Dialog der religiösen Gemeinschaften gelinge, könnten die politischen Probleme des wachsenden Extremismus unter den Jugendlichen und des Rassenhasses gelöst werden, sagte Putin am Montag in Moskau. "Besonders die Jugendlichen sind dafür verwundbar." Er forderte, dass alle Religionen diesen Dialog zum Wohl ihrer Länder und Zivilisationen fortsetzen sollten.

Putin überraschte mit dem Vorschlag, eine gemeinsame Erklärung des "Gipfels der Religionsführer" in der kommenden Woche den Teilnehmern beim G-8-Gipfel, der vom 15. bis 17. Juli in St. Petersburg tagt, zu übergeben – damit die gemeinsamen Ziele "nicht nur gehört, sondern auch umgesetzt werden", so der Präsident.

Der russisch-orthodoxe Patriarch Alexeij II. von Moskau betonte seinerseits, dass es bei diesem Gipfel darum gehe, "ethnischen Problemen vorzubeugen, die zu religiösen Konflikten führen, und die Verbreitung von zerstörerischen, pseudoreligiösen Bewegungen einzudämmen".

Als Vertreter des Islam rief Ayatolá Ali-Tashiri aus dem Iran dazu auf, sich auf die Gemeinsamkeiten zu konzentrieren. Er stellte fest, dass die Begegnung das Ziel haben müsse, sich aufrichtig und respektvoll mit den unterschiedlichen Ansichten auseinanderzusetzen und "zum Wohl der ganzen Welt, der Menschen und Allahs" wirken zu können. Er unterstrich, dass der Islam appelliere, zum Wohl aller Menschen beizutragen. Wenn man sich vereint für moralische Grundsätze engagiere, könne die "Krankheit" des Terrorismus besiegt werden.

Als einer der ersten Redner erinnerte der israelische Oberrabbiner Jona Metzger an die gemeinsamen Grundlagen von Judentum, Christentum und Islam. Die Vertreter der großen Religionen sollten eine nach dem Vorbild der UNO eine interreligiöse Organisation gründen, die sich der großen und dringenden Probleme annehmen und das Spirituelle stärken sollte.

"Die Religionen müssen auch dann miteinander kommunizieren, wenn es keine diplomatischen Beziehungen zwischen den Ländern gibt", bekräftigte Metzger. Es könne nicht geduldet werden, das im Namen der Religion getötet werde, fuhr er fort.

Das Geistliche Oberhaupt der Buddhisten in Kambodscha, Tep Vong, versicherte die Bereitschaft seiner Glaubensgemeinschaft, "sich gegen Terrorismus und Extremismus sowie für den Dialog einzusetzen". Er verwies auf die Bedeutung verschiedener Studien, nach denen Religion stets zur Stärkung von Solidarität und Brüderlichkeit beitrage.

Unter den Vertretern der katholischen Kirche befanden sich die Kurienkardinäle Walter Kasper, Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, und Paul Poupard, Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog beziehungsweise des Päpstlichen Rates für die Kultur. Ferner waren auch Kardinal Godfried Danneels (Brüssel), Erzbischof Diarmud Martin (Dublin), Bischof Josef Werth (Nowosibirsk), der Vorsitzende der russischen katholischen Bischofskonferenz sowie Msgr. Theodore E. McCarrick (Washington) vertreten.

Gegenüber ZENIT würdigte der zuletzt genannte emeritierte Erzbischof von Washington die Begegnung als ein sehr bedeutsames Ereignis. "Vor 15 Jahren wäre so etwas undenkbar gewesen", so der Hirte aus den USA.

Der Vorsitzende des Außenamtes des Moskauer Patriarchats, Metropolit Kyrill von Smolensk und Kaliningrad, erklärte gemäß der Nachrichtenagentur "RIA Novosti" vergangene Woche im Rahmen einer Pressekonferenz, dass Papst Benedikt XVI. nicht zum Weltgipfel der religiösen Würdenträger eingeladen worden sei, um nicht zwei historische Ereignisse miteinander zu vermischen. Ein Besuch des Heiligen Vater in Russland wäre ein historisches Ereignis, und es sei falsch, einen solchen Besuch mit einem zweiten historischen Ereignis zu verbinden, so Metropolit Kyrill. Der Papst habe eine hochrangige Delegation nach Moskau gesandt. "Das ist Beweis dafür, dass er das Gipfeltreffen unterstützt.

Metropolit Kyrill bekräftigte, dass die Kontakte zwischen der orthodoxen und der katholischen Kirche "in letzter Zeit intensiver geworden" seien, und zwar dank der Einsicht, dass die Probleme, vor denen die moderne Gesellschaft stehe und die beim Gipfeltreffen der religiösen Würdenträger in Moskau erörtert würden, gelöst werden müssten.

Die Abwesenheit des Dalai Lama, so Metropolit Kyrill, habe mit den schwierigen diplomatischen Beziehungen zu China zu tun.

In einem Grußwort, das am Dienstag von Kardinal Walter Kasper in Moskauer verlesen wurde, schreibt Papst Benedikt, dass das Treffen den starken Wunsch zum Ausdruck bringe, den Dialog der Zivilisationen und die Suche nach einer friedlichen und gerechten Weltordnung zu fördern. Außerdem hofft der Heilige Vater, dass alle Religionen zu einer friedlichen und gerechten Weltordnung beitragen mögen – "in einem Klima gegenseitigen Respekts und Verständnisses".