Glaube und außerirdisches Leben widersprechen sich nicht

Der Leiter der vatikanischen Sternwarte: „Man kennt die Grenzen der göttlichen Kreativität nicht“

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ROM, 15. Mai 2008 (ZENIT.org).- P. Jose Gabriel Funes sagte in einem Gespräch mit der Vatikan-Zeitung L'Osservatore Romano, dass man durchaus an Aliens und an Gott glauben könne.

Der 45-jährige Jesuitenpater José Gabriel Funes, der neben Theologie auch Astronomie studiert hat, leitet seit kurzem auf Wunsch Papst Benedikts XVI. die vatikanische Sternwarte, das weltweit älteste Observatorium (vgl. ZENIT vom 21. August 2006).

Gott habe diese Erde als Heimstatt der Menschen geschaffen und seinen Sohn gesandt, so der Wissenschaftler. Aber nach der katholischen Lehre gäbe es keine Probleme, wenn auch andere Welten mit Leben existierten, das genauso weit fortgeschritten sei, wie das der Menschen auf unserem Planeten.

Gott, der auf der Erde eine Vielzahl von Lebewesen geschaffen hat, könne durchaus auch andere Lebewesen in anderen Welten geschaffen haben. „Schließlich kennt man die Grenzen der göttlichen Kreativität nicht“, erklärte P. Jose Gabriel Funes.

„Und ebenso wie der heilige Franziskus von anderen Lebewesen als unseren Brüdern und Schwestern gesprochen hat“, so der argentinische Forscher, „kann man durchaus auch von möglichen Außerirdischen so sprechen, weil diese ja auch Teil der Schöpfung sind.“

Angesichts der Frage nach der Erlösung der Außerirdischen, erklärte der Jesuit, dass es ja durchaus sein könnte, dass diese intelligenten Wesen nicht von Gott abgefallen sind und „die vollkommene Freundschaft mit dem Schöpfer nicht verloren haben“.

Im Fall der Teilhabe von Außerirdischen am Sündefall hätten auch sie in gewisser Weise Anteil an Gottes Barmherzigkeit, sagte der Geistliche.

Der Leiter des Observatoriums in Castel Gandolfo bestätigte, dass die Astronomie „das Herz und den Geist öffnet". Die Welt sei endlich, so der Jesuit, zeitlich und räumlich.

Begonnen habe sie vermutlich mit dem Urknall vor 14 Milliarden Jahren; seither dehne sie sich aus. Die Bibel sei kein wissenschaftliches Buch, betonte P. Jose Gabriel Funes in diesem Zusammenhang. Sie sei schon so etwas wie eine Art Liebesbrief Gottes an die Menschheit. Die Theorie vom Urknall verbinde sich mit der Tatsache, dass Gott der Schöpfer des Universums ist und wir kein Produkt des Zufalls sind.

Der Leiter des Vatikan-Observatoriums mit seinen Forschungsstandorten in Castel Gandolfo bei Rom und Tucson im US-Bundesstaat Arizona bestritt, dass die Astronomie eine atheistische Weltsicht fördere. „Die Sternwarte hat bewiesen: Glaube und ernsthafte Wissenschaft sind durchaus zu vereinen."