Glaube und Gehorsam

Verstehen wir Christus besser, als er es selbst getan hat?

Kaufering, (ZENIT.orgFDK) | 860 klicks

Wir leben in einer Zeit, in der der Ungehorsam nicht nur toleriert sondern als Befreiung gefeiert wird und das ganz besonders in der katholischen Kirche. So riefen vor über zehn Jahren die kfd-Frauen zum Ungehorsam in der Kirche bei ihrer Jahrstagung in Maria Laach auf. Heute wie damals sind es zahlreiche Priester und Theologen, die dasselbe tun. Deshalb ist es immer wieder wichtig, zu Glaube und Gehorsam die Heilige Schrift und da besonders das Neue Testament zu befragen. Schließlich folgen wir einem Herrn, der unser Bruder wurde, von dem der heilige Paulus sagt, dass er „gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz war“ (Phil. 2,8). Und der Hebräerbrief, der dem paulinischen Denken nahe steht, wird noch deutlicher: „Obwohl er (Christus) der Sohn war, hat er durch Leiden den Gehorsam gelernt, zur Vollendung gelangt ist er für alle, die ihm gehorchen zum Urheber des ewigen Heils geworden“ (Hebr 5, 8-9). Man kommt kaum zum Ende, wenn man diesen einen Vers betrachtend bedenkt. Hier wird das ewige Heil mit dem Gehorsam gegenüber Christi Wort in unmittelbare Beziehung gebracht. Paulus hatte schon im Römerbrief Gehorsam und Glaube in Beziehung gesetzt. Das war ihm so wichtig, dass er dieses gleich zu Anfang seines Schreibens an die Römer (Röm 1,5) und am Schluß des Briefes noch einmal mit den gleichen Worten wiederholte (Röm 16, 26): „… um in seinem (Christi) Namen alle Heiden zum Gehorsam des Glaubens zu führen“.

Es würde diese Betrachtung hier bei weitem übersteigen, wollt man alle Verse und Kapitel zu diesem Thema in der Heilgen Schrift aufführen. Festhalten wollen wir, dass Glaube und Gehorsam einander bedingen.

Ebenso verhält es sich mit dem Unglauben und dem Ungehorsam. Im 1. Kapitel des Römerbriefs taucht der Ungehorsam im sogenannten Lasterkatalog auf. Im 1. Brief an Timotheus (1,9) schreibt der heilige Paulus, dass das Gesetz nicht für den Gerechten bestimmt sei, sondern für den Gesetzlosen und Ungehorsamen. Es ist wieder der Hebräerbrief, der überaus deutlich den Ungehorsam mit dem Unglauben in Beziehung setzt: „Wem hat er geschworen, sie sollen nicht in das Land meiner Ruhe kommen, wenn nicht den Ungehorsamen. Und wir sehen, dass sie wegen ihres Unglaubens nicht hineinkommen können“ (Hebr 3, 18-19). Auch Unglaube und Ungehorsam bedingen einander. Das Eine geht aus dem Anderen hervor.

Wenn man nun mit den Dissidenten darüber spricht, kommt gewöhnlich immer der gleiche Anklagenkatalog:  Man wende sich nicht gegen Christus und sein Wort; im Gegenteil, man habe Christus besser verstanden als das Lehramt und wende sich gegen Bevormundung, Unterdrückung der Meinungsfreiheit und dann folgt noch der ganze ständig gebetsmühlenartig wiederholte Themenkatalog der sogenannten Kirchenkritik. Kurz: die Wahrheit liegt bei uns, denn wir haben „wissenschaftlich nachgewiesen“ und nicht beim Papst, den Konzilien und den Bischöfen. Und dann kommt der berühmte „Geist des Konzils“, wie das Gespenst von Canterville. Ich vereinfache das hier etwas, aber der geneigte Leser weiss wohl, was gemeint ist und viele haben das ja auch schon erfahren.

Geduldig muß man dann darauf hinweisen, dass der wirkliche Geist des Konzils in seinen Konstitutionen, Dekreten und Erklärungen zu finden ist, die den meisten Kirchenkritikern weitgehend unbekannt sind.

Es bedarf überhaupt großer Geduld – „die Geduld ist die Vollendung der Liebe“, sagt der hl. Ambrosius – hier entgegenzuhalten. Das ist besonders schwer, weil viele der Kirchenkritiker und Ungehorsamen so gut wie kein Glaubenswissen mehr haben und auch nicht mehr wissen, was katholisch ist. Erschüttert ist man geradezu, wenn man mit manchen Priestern, Ordensleuten und sogar an Hochschulen lehrenden Theologen spricht oder deren Verlautbarungen liest.

Auch hier hilft uns allen wieder der Blick in die Heilige Schrift. Christus hat aus der nicht kleinen Zahl der Jünger zwölf Männer zu Aposten gewählt und einem von ihnen, Petrus, die Schlüsel des Himmels und damit die Vollmacht zu binden und zu lösen übergeben. Ihm, den Aposteln und ihren Nachfolgern den Bischöfen war und ist die Kirche anvertraut. Christus hat sich nicht nur gegenüber dem Paulus vor Damaskus mit seiner Kirche identifiziert: „Saul, Saul was verfolgst du MICH“, sondern er hat auch zu seinen Aposteln gesagt: „Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab, wer aber mich ablehnt, der lehnt den ab, der mich gesandt hat“ (Luk 10,16).  Das ist eine der wichtigsten Aussagen Jesu die Kirche betreffend, die die Kirchenkritiker entweder vergessen haben oder noch nie zur Kenntnis genommen haben. Papst Benedikt XVI. schreibt in seinem gerade erschienenen Prolog zu seinen beiden Jesusbänden auf S. 46 über das JA Mariens: „Durch ihren Gehorsam ist das Wort in sie eingetreten und in ihr fruchtbar geworden.“ So wurde sie auch zum Urbild und zur Mutter der Kirche. Wenn Menschen gerade der Kirche diesen Gehorsam verweigern, kann das Wort nicht in ihnen fruchtbar werden. Dazu kommt, das man – meist in Unkenntnis der Kirchengeschichte – das Wunder vergisst, dass der Heilige Geist trotz der vielen Sünden in der Kirche diese Kirche der Sünder seit 2000 Jahren tagtäglich zu einer Kirche der Heiligen macht. Er war, ist und wird bis zm Ende der Lenker und Bewahrer der Kirche bleiben. Wäre dem nicht so, es gäbe die Kirche längst nicht mehr.

Diese Erkenntnis ist unsere ganze Hoffnung. Dieser Kirche gilt Christi Verheißung, dass die Pforten der Hölle sie nicht überwinden werden. Dass sie heute von innen (Gott sei´s geklagt) und von außen so bedrängt und gebeutelt wird, ist ihr verheissen und zeigt uns, dass sie immer noch trotz der Runzeln und dem Schmutz in ihrem Angesicht Christi Braut ist, die immer noch auf dem Weg pilgert,  der der Herr selber ist.

Es tut weh zu sehen, wie viele Sünden in der Kirche begangen werden (jeder schlage sich an die eigene Brust), aber am meisten schmerzt der Unglaube, die Untreue, derer, die geweiht oder nur beauftragt sind und im Ungehorsam Christus verraten, indem sie sich mit den Feinden der Kirche in der „Welt“ verbinden, um statt „Buß und Reu“ (J.S.Bach) ihre eigenen selbstsüchtigen Ziele zu verwirklichen. Denen sagt das Wort Gottes, „dass sie nicht in das Land Seiner Ruhe kommen werden.“

Gefragt ist unsere aller Geduld, Festigkeit und Beständigkeit, unser Glaube und unser Gehorsam. Und dieser Gehorsam darf kein kleiner Kadaver-Gehorsam sein sondern ein intelligenter, großer in Freiheit gelebter Gehorsam aus tiefem, dankbarem Glauben und Vertrauen auf den, der unsere Freiheit selber ist:  Jesus Christus.

Michael Schneider-Flagmeyer