Glaube und Liebe: "So müssen auch wir für die Brüder das Leben hingeben" (1 Joh 3,16)

Bischöfliche Botschaft zum Tag der Kranken in der Schweiz, 2. März 2014

Freiburg i. Ü., (SBK) | 206 klicks

Liebe Brüder und Schwestern,

Viele Heilige haben den Kranken gedient wie dem HERRN selbst. Der sel. Gerhard (11./12. Jh.) sprach von „unseren Herren Kranken“. Der hl. Benedikt empfahl die Kranken der aufmerksamsten Fürsorge des Abtes, weil man in ihnen Christus selbst dient: „Die Sorge für die Kranken muss vor und über allem stehen: Man soll ihnen so dienen, als wären sie wirklich Christus, hat er doch gesagt: ‚Ich war krank, und ihr habt mich besucht‘ (Mt 25,36).“ (Benediktsregel: Kp. 36,1–3). Auch der hl. Ignatius liess es sich als erster Oberer der Gesellschaft Jesu nicht nehmen, für seine kranken Mitbrüder selbst zu sorgen und ihnen die liebevollste Zuwendung angedeihen zu lassen.

Wie jedes Jahr wendet sich der Heilige Vater mit einer besonderen Botschaft an die Kranken und an jene, die ihnen dienen. Er erinnert uns in seiner diesjährigen Botschaft [1], dass wir das Evangelium nur erfüllen, wenn wir den Kranken dienen und für sie als unseren Brüdern und Schwestern das Leben hingeben (1 Joh 3,16). Dies gilt umso mehr, weil „die Kirche in euch, liebe Kranke, eine besondere Gegenwart des leidenden Christus erkennt“ (ebd.). Von ihm empfangen wir zusammen mit den Kranken den Mut und das österliche Licht, schreibt der Papst, um mit IHM an der Seite und mit IHM vereint „allen Widrigkeiten entgegenzutreten.“ (ebd.) Papst Franziskus betont, dass der Sohn Gottes Leiden und Krankheiten nicht aus der menschlichen Erfahrung beseitigt, aber sie verwandelt und relativiert hat. Sie haben nicht mehr das letzte Wort. Der Papst erinnert uns daran, dass wir aufgerufen sind, Christus ähnlich zu werden, „dem Barmherzigen Samariter aller Leidenden.“

„Wenn wir uns mit Zärtlichkeit denen zuwenden, die der Pflege bedürfen, tragen wir die Hoffnung und das Lächeln Gottes in die Gegensätze der Welt.“

Vorbild dieser respektvollen, zärtlichen und feinfühligen Liebe ist die Gottesmutter Maria. „Es ist die Mutter Jesu und unsere Mutter, die aufmerksam ist für die Stimme Gottes und die Nöte und Schwierigkeiten ihrer Kinder.“ (ebd.) Die Gottesmutter empfing auf dem Weg ihrer Pilgerschaft selbst den Stoss des Leidens, der wie ein Schwert durch ihre Seele drang. Deshalb dürfen wir uns mit „kindlicher Verehrung“ an sie wenden „in der Gewissheit, dass sie uns helfen, uns unterstützen und nicht im Stich lassen wird“, schreibt der Papst. „Sie bleibt bei uns in unseren Kreuzen und begleitet uns auf dem Weg zur Auferstehung und zur Fülle des Lebens.“

Liebe Brüder und Schwestern,
was bedeutet das alles für uns bzw. für mich und Dich persönlich? Dazu zwei abschliessende Gedanken: Jeder von uns muss zuerst selbst und für sich erkennen und anerkennen, dass Jesus, der gelitten hat und für uns gekreuzigt wurde, auch unseren Leiden – jedem Leiden – einen Sinn gibt. „Musste der Messias nicht all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen?“ (Lk 24,26). Das gilt auch für uns. „Ich bin überzeugt, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll.“ (Röm 8,18). Als zweites dürfen wir nicht in die Ferne schweifen, sondern die Kranken dort aufsuchen, wo sie uns in unserem Umfeld unmittelbar begegnen und anvertraut werden: in Familie, Beruf und Freundeskreis. Diese Kranken und Leidenden sind es als erste, die mir ganz persönlich anvertraut werden. Ihnen soll ich dienen wie Christus selbst. „Ich war krank, und ihr habt mich besucht.“ (Mt 25,36).

Im Namen der Schweizer Bischofskonferenz

+ Marian Eleganti, Weihbischof von Chur

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FUSSNOTE

[1]   Botschaft von Papst Franziskus zum XXII. Welttag der Kranken 2014 – Glaube und Liebe: „So müssen auch wir für die Brüder das Leben hingeben“ (1 Joh 3,16). 

(Quelle: Webseite der Schweizer Bischofskonferenz)