Glauben ist vernünftig: Benedikt XVI. begegnet Vertretern des Islam

Begegnung in der Apostolischen Nuntiatur von Yaoundé (Kamerun)

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YAOUNDÉ, 19. März 2009 (ZENIT.org).- Papst Benedikt XVI. begegnete heute, Donnerstag, in Yaoundé vor der Feier der heiligen Messe rund 20 Vertretern der muslimischen Gemeinschaft Kamerus, der rund 22 Prozent der 17 Millionen Einwohner angehören. Sie wohnen vor allem im Norden des Landes, an der Grenze zu Nigeria.



Im Anschluss an die Unterredung, die hinter verschlossenen Türen stattfand, erklärte der Heilige Vater vor seinen Gästen in der Apostolischen Nuntiatur, dass echte Religiosität jegliche Form von Gewalt und Totalitarismus ablehne. Und dies tue sie nicht allein aus Glaubensgründen, sondern auch aus Gründen der rechten Vernunft.

Der Heilige Vater wies darauf hin, dass Kamerun Tausende von Christen und Moslems beherberge, die Seite an Seite lebten, miteinander arbeiteten und ihren Glauben praktizierten. Die Anhänger beider Religionen glaubten an einen einzigen und barmherzigen Gott, der die Menschheit am Jüngsten Tag richten werde, fuhr Benedikt XVI. fort. Gemeinsam träten sie für die grundlegenden Werte der Familie, der sozialen Verantwortung, des Gehorsams gegenüber Gott und der Liebe zu den Kranken und Leidenden ein.

Der Papst nahm erneut auf das Thema der Vernünftigkeit der Religionen Bezug: Heute sei die besonders dringliche Aufgabe der Religionen gegeben, die großen Möglichkeiten der Vernunft sichtbar zu machen. Die Vernunft sei ein Geschenk Gottes und werde durch den Glauben und die Offenbarung auf eine höhere Ebene gehoben. Vernunft und Glaube „stützen einander“, so der Papst, insofern die Religion von der Vernunft geläutert und strukturiert werde „und das volle Potential der Vernunft durch Offenbarung und Glauben freigesetzt wird“.

Papst Benedikt XVI.: „Wenn sich die Menschen von der wunderbaren Ordnung der Schöpfung und der Würde des Menschen erleuchten lassen, dann erkennen sie: Das ‚Vernünftige‘ ist viel mehr als das, was die Mathematik ausrechnen, die Logik deduzieren und die wissenschaftlichen Experimente beweisen können; das ‚Vernünftige‘ schließt auch das Gute und die innere Anziehungskraft eines ehrlichen und ethischen Lebens ein, wie es uns die Sprache der Schöpfung mitteilt.“

Diese Sicht veranlasse den Menschen, das Richtige und Gerechte zu suchen und aus seinen egoistischen Interessen auszubrechen, um für das Wohl der anderen zu arbeiten. Wahre Religion öffne den Horizont des menschlichen Begreifens und bilde das Fundament jeder „echten menschlichen Kultur“.