Glaubensfreiheit stärken

| 1197 klicks

BONN, 11. Dezember 2009 (ZENIT.org/dbk.de).- Aus Anlass des Tags der Menschenrechte am 10. Dezember erklärt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch:

* * *

Am 10. Dezember 1948 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte angenommen. Der jährlich begangene Tag der Menschenrechte erinnert an dieses epochale Ereignis. Die Kirche bejaht und fördert die Idee der Menschenrechte und ihre wachsende Verwirklichung in allen Teilen der Welt.

Besondere Aufmerksamkeit wenden wir dabei der Religionsfreiheit zu, die einen elementaren Baustein der menschlichen Freiheitsrechte darstellt. Bereits in der Präambel der Allgemeinen Erklärung von 1948 heißt es, dass das höchste Streben einer Welt gilt, "in der die Menschen Rede- und Glaubensfreiheit genießen". Damit wird der fundamentale Wert der Religionsfreiheit zum Ausdruck gebracht. Die Menschenrechte stellen eine allgemein menschliche, in besonderer Weise aber auch eine christliche Verpflichtung dar. Ihr Fundament liegt in der unantastbaren Würde des Menschen. Wir Christen glauben, dass jeder Mensch als Abbild Gottes geschaffen ist.

Die Würde, die ihm daraus erwächst, wollen die Menschenrechte schützen und achten. Dem Staat ist es untersagt, die Religionsfreiheit seiner Bürger nach eigenem Ermessen einzuschränken. Tatsächlich ist die heutige Welt noch weit von diesem verpflichtenden Ideal entfernt. Nicht Empfindlichkeit in eigener Sache, sondern der unverstellte Blick auf die Wirklichkeit zwingt zu der Feststellung, dass derzeit vor allem und vermehrt Christen die Glaubensfreiheit verwehrt wird.

Mehr als drei Viertel aller religiös Verfolgten sind Christen. Besonders in den spätkommunistischen Staaten und in einer Reihe von Ländern, die muslimisch geprägt sind, werden Kirchen und kirchliche Gemeinschaften kontrolliert, überwacht und reglementiert. Wenn überhaupt, ist kirchliches Leben nur in eng gesteckten Grenzen möglich.

Gläubige werden gesellschaftlich diskriminiert, in ihren bürgerlichen Rechten beschnitten und sogar offen verfolgt. Besonders dramatisch ist die Situation in ungeordneten Staatswesen wie dem Irak, wo islamistische Terroristen durch Attacken gegen Kirchengebäude die verbliebenen Christen aus dem Land drängen wollen.

Am Tag der Menschenrechte möchte ich alle politisch und gesellschaftlich Verantwortlichen aufrufen, ihren Beitrag zur Stärkung der Menschenrechte und besonders der Glaubensfreiheit in aller Welt zu leisten. Wir sind gefordert, uns an die Seite all derer zu stellen, die unterdrückt werden und aufgrund ihres Glaubens um ihr Leben fürchten müssen. Auch die Kirche wird nicht darin nachlassen, sich für all jene einzusetzen, die auch mehr als sechzig Jahre nach der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ihrer unveräußerlichen Rechte und Freiheiten beraubt werden.