Glaubensfreude, Zeugnis, Zusammenhalt

9. Kongress „Freude am Glauben“ fand diesmal in Aschaffenburg statt

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Von Clemens Mann

WÜRZBURG, 16. September 2009 (Die Tagespost.de/ZENIT.org).- „Nur wenn wir als Kirche immer mehr den Weg Jesu Christi gehen und gemeinsam unsere Berufung als Volk Gottes wahrnehmen, werden wir auch als eine starke Kirche diese Gesellschaft erneuern. Unsere Zeit wartet darauf.“ Mit diesen eindringlichen Worten des Würzburger Bischofs Friedhelm Hofmann aus dem Eröffnungsgottesdienst beginnt der 9. Kongress „Freude am Glauben“ des „Forums Deutscher Katholiken e.V.“. Nach Regensburg und Fulda fand die Veranstaltung vom 11. bis 13. September unter dem Motto „Mit einer starken Kirche die Gesellschaft erneuern“ erstmals in der Aschaffenburger Stadthalle statt. Nach Angaben der Organisatoren nahmen an dem Kongress verteilt von Freitag bis Sonntag rund 1.600 Besucher teil. Etwa vierzig bis fünfzig ehrenamtliche Helfer hatten den dreitägigen Kongress vorbereitet.

Angesichts der Banken- und Wirtschaftskrise sowie der immer stärker zum Vorschein kommenden moralischen Krise der Gesellschaft fragten sich Referenten und Teilnehmer nach dem Beitrag der Christen zur Erneuerung der Gesellschaft. Nur eine starke Kirche könne diesen Beitrag zur Gestaltung der Gesellschaft leisten, betonte der Vorsitzende des „Forums Deutscher Katholiken“, Professor Hubert Gindert, in seiner Eröffnungsrede. Doch ist die Kirche überhaupt in einer solchen Fassung, so der ehemalige Professor für Betriebswirtschaftslehre weiter? Kann die Kirche die Herausforderungen überhaupt annehmen? Angesichts fehlender Jugendlicher und rückläufiger Gottesdienstbesucherzahlen, immer stärker werdenden anti-christlichen und anti-kirchlichen Strömungen in den Medien, kircheninternen Streitigkeiten, starker Kritik am päpstlichen Lehramt auch von katholischer Seite und dem schleichenden Prozess der Aufkündigung des christlichen Wertekonsenses eine berechtigte Frage.

Ein weiterer Grund für die schwierige Situation der Kirche wurde am Freitag im Vortrag des Zisterziensers Professor Karl Josef Wallner behandelt: Die fehlende Freude am Glauben. In seinem Vortrag mit dem Thema „Die Freude an Gott gibt Kraft zur Zukunft“ machte der Ordensmann aus dem österreichischen Heiligenkreuz deutlich, dass Freude eine Grundsubstanz christlicher Spiritualität und zur Erfüllung des missionarischen Auftrages notwendig sei. Christen könnten sich freuen, weil ihr Lebensweg nicht ziel- oder orientierungslos sei, sondern zu Gott hinführe und der gläubige Christ auf das ewige Leben hoffen dürfe. „Noch nie ist das Leben so kurz gewesen wie heute“, so Wallner weiter und meint damit die Tatsache, dass immer mehr Menschen die Vorstellung an ein Leben nach dem Tod aufgeben und ihr Heil im kurzen irdischen Leben und Trugbilder wie Wellness und Konsum suchen würden. Tief aus dem Inneren kommende Freude am Glauben habe er als 17-Jähriger bei den Zisterziensern entdeckt und realisiert, dass diese Freude dadurch herrühre, weil sie es mit Gott ernst nehmen würden. Gerade diese Verbindung zu Gott hätten die Menschen verloren. Bei Jugendlichen habe er als Seelsorger aber die Sehnsucht nach Gott entdecken können. Deshalb rief Wallner dazu auf, Apostel christlicher Spiritualität zu sein. Die Menschen bräuchten die Anleitung zu den Sakramenten und zum Gebet.

Herausforderung Islam

Die Herausforderungen, die der Islam, an den christlichen Glauben und die westliche Welt stellt, wurden bei einem Podiumsgespräch mit dem Motto „Islam – Herausforderung – Chancen – Gefahren?“ am Samstagvormittag thematisiert. Zwar war das Podium aufgrund der kurzfristigen Absagen des Regensburger Bischofs Müller nicht wie vorgesehen besetzt – ein muslimischer Vertreter war ebenfalls nicht eingeladen worden –, dennoch bemühten sich die Teilnehmer um eine sachliche Diskussion. Der Mainzer Msgr. Joachim Schroedel, seit 14 Jahren unter anderem Seelsorger für die deutschsprachige katholische Gemeinde in Kairo, berichtete von seinen Erfahrungen mit Muslimen in Ägypten: Von Toleranz und Offenheit sei das Verhältnis zu seinen ägyptischen Freunden in Kairo geprägt. Für viele Muslime sei es wichtig, dass man an Gott glaube, Atheismus werde strikt abgelehnt. In seinen 14 Jahren dort habe er keinerlei Widerstand erfahren. Ohnehin sei die politische Führung Ägyptens sehr darum bemüht, das Zusammengehörigkeitsgefühl aller Ägypter durch Betonung der Nationalität zu fördern. Viele Muslime im Orient würden die Glaubens- und Sittenlosigkeit der Europäer als Provokation für ihren Glauben empfinden. Schroedel musste aber zugestehen, dass ein Dialog unter zwei gleichberechtigten Partnern mit dem Islam nicht möglich sei.

Auch der Lazarist Josef Herget war um gemäßigte Töne bemüht. In seinen Redebeiträgen kritisierte Herget, der selbst 12 Jahre in der Türkei lebte, die von Vorurteilen geprägte Sichtweise über den Islam in Europa: Den einen Islam gäbe es nicht, sondern ein breites Glaubensspektrum je nach Ländern differenziert. Muslime dürften nicht von Anfang an abgestempelt werden. Außerdem forderte er einen sachlicheren Dialog mit dem Islam „Unser Bild ist von Anfang an falsch“, so Herget weiter.

Weitaus drastischere Worte fand die syrisch-orthodoxe Christin Sr. Hartune Dogan: Sie warnte vor zuviel Toleranz beim Moscheenbau in Deutschland. Religionsfreiheit sei wichtig, aber nur unter Kontrolle. Moscheen könnten genutzt werden, um fanatische Muslime auszubilden. Im Irak seien Christen Freiwild, auf Unterstützung könne man nicht hoffen, berichtet die Ordensfrau. Der im Iran geborene Konvertit Reza Abri machte ähnliche Erfahrungen: Nachdem er den christlichen Glauben mit 19 Jahren kennengelernt habe, blieb nach Einzelhaft, Folter und Psychoterror nur die Flucht nach Europa. Die Christenheit im Iran sei geduldet, aber massiv isoliert. In einer emotionalen Rede betonte der Iraner das unterschiedliche Gottesbild von Muslimen und Christen. Er äußerte zudem seine Enttäuschung darüber, dass westliche Christen zu wenig für ihre Glaubensbrüder im Orient tun würden.

Klar Position beziehen

Das angerissene Thema fehlenden Zusammenhaltes unter den Christen vertiefte man beim zweiten Podium mit dem Motto „Wo Christen zusammenstehen müssen“. Dabei äußerten sich der Bundestagsabgeordnete Norbert Geis (CSU), der Verantwortliche der Gemeinschaft St. Egidio Deutschland, Professor Klaus Reder, Hartmut Steeb, Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, sowie der protestantische Religionspädagoge Andreas Späth zu der Frage, wie man christliche Positionen bei Fragen des Lebensschutzes, Homosexualität und Abtreibung trotz Anfeindungen aus der Gesellschaft und in den Medien besser vertreten könne. Für Norbert Geis sei das christliche „C“ im Parteinamen persönliche Verpflichtung. Die christlichen Werte müssten durch die Politik gewahrt bleiben.

„Es wird höchste Zeit aufzustehen!“, forderte Andreas Späth. Christen dürften nicht als Antisemiten und Rassisten bezeichnet werden, nur weil sie Homosexualität nicht für gottgegeben erachten. Es müsse zudem erlaubt sein, auch Dinge zu sagen, die gegen den heutigen gesellschaftlichen Zeitgeist verstoßen würden. Meinungsfreiheit gelte auch für die Christen. Steeb forderte die Politik auf, die Fragen des Lebensschutzes wieder auf die Tagesordnung des Bundestages zu bringen. Es könne nicht sein, dass ein Rechtsstaat, der die Todesstrafe ablehne, ohne Nachprüfung die Abtreibung von ungeborenem Leben zulasse. Die Christen müssten sich gegenseitig in brüderlicher Liebe zurechtweisen, wenn Positionen vertreten würden, die mit dem Christentum nichts zu tun hätten.

Reder betonte zudem, dass man in der Öffentlichkeit wieder ein einheitliches Bild abgeben müsse. Streitigkeiten untereinander würden von den Medien ausgenutzt werden. Eine Dialogbereitschaft von allen Seiten ist wichtig.

Neben weiteren Vorträgen unter anderem vom Apostolischen Nuntius von Deutschland, Erzbischof Jean-Claude Périsset, zum Thema „Die Stärke der Kirche ist die Einheit mit dem Papst“, vom Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann zum Thema „Die Eucharistie – Kraftquelle der Erneuerung“ sowie von Nathanael Liminiski, einem der Gründer der Generation Benedikt, zum Thema „Die Jugend sucht stets das Große, das Gute, das Wahre – in dieser Gesellschaft?“ gab es für die rund 150 Jugendlichen ein vielfältiges Jugendprogramm mit Workshops und Vorträgen. Ein atmosphärischer Höhepunkt war die Lichterprozession vom Schloss zur Muttergottes-Pfarrkirche und der anschließenden Nightfever-Anbetungsnacht. Jugendliche mit Kerzen waren dafür in der Aschaffenburger Innenstadt unterwegs und luden Passanten zu Anbetung und zum Verweilen in der Kirche ein.

Das „Forum Deutscher Katholiken“ wurde im Jahr 2000 gegründet. Ziel der Vereinigung ist es, die Lehre der Kirche entsprechend des Katechismus der katholischen Kirche zu fördern. Kleinere Verbände, Vereinigungen und Initiativen sollen aktiviert und vernetzt werden.

[© Die Tagespost vom 15. September 2009]