Glaubensspuren in der Kultur aufspüren und nützen

Beitrag von Bischof Friedhelm Hofmann (Würzburg) bei der Bischofssynode

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ROM, 13. Oktober 2008 (ZENIT.org).- Um das Wort Gottes wieder neu verständlich zu machen, lohnt es sich, in den christlich geprägten und auch allen anderen Kulturen nach „Glaubensspuren“ zu suchen und auf sie hinzuweisen. Darauf machte bei der Vollversammlung der Bischofssynode über das Wort Gottes der Würzburger Diözesanbischof Dr. Friedhelm Hofmann aufmerksam.

Er ist Relator der deutschsprachigen Arbeitsgruppe und wird somit die Arbeitsergebnisse der Sprachgruppe zusammenzufassen, sie bei der Erarbeitung des Abschlusstextes der Synode einbringen und bei der Endfassung des Textes mitarbeiten.

Wir veröffentlichen eine von der Bischofssynode veröffentlichte Zusammenfassung seines Beitrags über das Verständlichmachen der Heiligen Schrift heute.

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Es ist schon viel Wertvolles über die Bedeutung der Auslegung des Wortes Gottes und der Predigt in der Liturgie gesagt worden. Wie aber erreichen wir die Menschen, die nicht zur Kirche kommen?

Einige Möglichkeiten wurden genannt. Ausgehend von Instrumentum laboris im siebten Kapitel „Das Wort Gottes im Dienst und in der Bildung des Volkes Gottes“ möchte ich einen weiteren Aspekt, den der christlichen Kultur, einbringen.

Die Offenbarung Gottes ist nicht auf das Wort Gottes in der Bibel beschränkt. Sie geschieht auch in der Natur und in der Kultur. Sicher ist die höchste und intensivste Offenbarung Gottes in der Menschwerdung des Wortes Gottes in Jesus Christus. Diese gilt es zu erschließen.

Jesus selbst hat oft seine Botschaft in Gleichnissen verkündet. In diesen Gleichnissen wird die Kernaussage•sozusagen „verleiblicht“, das heißt in einen Gesamtzusammenhang gestellt, der bildhaft ganzheitlich den Menschen anspricht. In den unterschiedlichen Kulturen wurde das Wort Gottes inkulturiert. Es findet dort auch einen künstlerischen Niederschlag.

In Europa schauen wir auf eine beeindruckende fast 2000-jährige christliche Kulturgeschichte. Großartige Architektur, bildnerische, musikalische und literarische Kunstwerke sind aus dem Glauben erwachsen und haben das Glaubenszeugnis in sich aufgenommen. Nun gilt es, diesen geronnenen Glauben wieder zum Sprechen zu bringen.

Im Mittelalter kannte man die „biblia pauperum“, die leseunkundigen Menschen Teile der Heilsgeschichte visuell nahe brachte. Heute brauchen wir die Erschließung der christlichen Kultur, weil viele Menschen diese Sprache nicht mehr verstehen und sich nicht direkt mit der Heiligen Schrift beschäftigen. Durch eine heutige Erschließung unserer christlich geprägten Kultur, die wir erklärend in unsere Evangelisation einbeziehen, können wir unsere Mitmenschen auf das Wort Gottes neugierig machen.

Aber auch in der zeitgenössischen Kultur gilt es, die Glaubensspuren aufzusuchen und in ihrer Brückenfunktion einzubeziehen. Wenn es stimmt, dass die Künstler Seismographen der jeweiligen Zeit sind, sind wir gut beraten, ihre Arbeit wahrzunehmen und auf die Verkündigung des Wortes Gottes hin zu befragen und einzubeziehen.

[Von der Bischofssynode veröffentlichtes Original]