Glaubt an die Macht des Heiligen Geistes! Papstvigil mit 235.000 Jugendlichen

„Lasst uns heute Abend um die Entschlossenheit beten, die Einheit zu fördern: Tragt Ihr dazu bei!“

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SYDNEY, 20. Juli 2008 (ZENIT.org).- Auch wenn es schwierig sein mag zu verstehen, welche Rolle der Heilige Geist im eigenen Leben spielen will, kann man sich doch sicher sein, dass es ihm vor allem darum geht, „Christi Werk zur Vollendung zu führen“.



Bereichert durch den Heiligen Geist, der jedem, der ein offenes Herz  hat, seine Gnadengaben schenkt, hat man auch im Alltag die Kraft, „über das Stückwerk, die leere Utopie, das Vergängliche hinauszugehen und die Beständigkeit und Sicherheit des christlichen Zeugnisses anzubieten“.

Das und noch viel mehr erklärte Papst Benedikt XVI. den rund 235.000 Jugendlichen, die in der Nacht vom Samstag an der großen Vigil auf der Pferderennbahn Randwick teilnahmen. Giovanni Maria Vian, der Direktor des „Osservatore Romano“, sagte im Nachhinein, dass es sich bei der Ansprache des Heiligen Vaters um „einen der allerschönsten Texte seines Pontifikats“ gehandelt habe.

Die „große Verheißung Christi“ – „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird“ – und sein dazugehöriger Auftrag – „Ihr sollt meine Zeugen sein… bis an die Grenzen der Erde“ – waren, wie der Bischof von Rom erläuterte, „die allerletzten Worte“, die Jesus vor seiner Auffahrt in den Himmel gesprochen habe.

„Wie sich die Apostel beim Hören dieser Worte gefühlt haben, können wir uns nur vorstellen“, so Benedikt XVI. „Aber wir wissen, dass ihre tiefe Liebe zu Jesus und ihr Vertrauen auf sein Wort sie dazu trieb, sich zu versammeln und zu warten; nicht sinnlos zu warten, sondern zusammen, vereint im Gebet, zusammen mit den Frauen und Mit Maria im Obergemach. Heute Abend machen wir dasselbe. Vereint vor unserem Kreuz, das so viel gereist ist, und der Ikone Mariens, unter dem himmlischen Glanz des Sternbildes des Kreuz des Südens beten wir.“

Der Heilige Vater betete für die Jugendlichen in aller Welt und rief ihnen zu: „Lasst euch vom Vorbild eurer Patrone inspirieren! Nehmt in eurem Herzen und in eurem Geist die sieben Gaben des Heiligen Geistes auf! Erkennt und glaubt an die Macht des Heiligen Geistes in eurem Leben!“

Er ermutigte alle Anwesenden, sich die Frage vor Augen zu führen, „wie man zum Zeugen wird“. Um sie beantworten zu können, sei es erforderlich, „die Person des Heiligen Geistes und seine lebensspendende Gegenwart“ im eigenen Leben zu verstehen. Der Heilige Geist sei es, „der – obwohl still und unsichtbar – unserem Zeugnis für Jesus Christus Richtung und Bestimmung gibt“.

Als christlicher Zeuge habe man in der gespaltenen und zersplitterten Welt von heute die Aufgabe überall dort „Hoffnung auf Frieden“ und auf „Heilung und Harmonie“ anzubieten, wo Konflikt, Leid und Spannung vorherrschten. Allerdings könnten Einheit und Versöhnung nicht durch bloße menschliche Kraftanstrengung erreicht werden. „Gott hat uns füreinander geschaffen, und nur in Gott und seiner Kirche können wir die Einheit finden, die wir suchen. Doch angesichts der – sowohl individuellen als auch institutionellen – Unvollkommenheiten und Enttäuschungen sind wir manchmal versucht, künstlich eine perfekte Gemeinschaft zu konstruieren.“

Angesichts der nach wie vor aktuellen „Versuchung zum Alleingang“ forderte der Papst die Jugendlichen auf, sich aktiv um die Bewahrung der Einheit zu bemühen, die zum Wesen der Kirche gehöre und eine ihr verliehene Gabe sei. „Lasst uns heute Abend um die Entschlossenheit beten, die Einheit zu fördern: Tragt Ihr dazu bei! Widersteht der Versuchung, wegzugehen! Denn die Allseitigkeit, der Weitblick unseres Glaubens – fest und doch offen, gleich bleibend und doch dynamisch, wahr und doch ständig wachsend in der Einsicht – gerade das ist es, was wir unserer Welt zu bieten haben.“

Der Heilige Vater bat die Weltjugend um große Wachsamkeit: „Horcht auf! Könnt Ihr durch die Disharmonie und die Uneinigkeit unserer Welt hindurch den einmütigen Ruf der Menschheit vernehmen? Von dem verlassenen Kind in einem Lager in Darfur oder einem innerlich aufgewühlten Teenager, von angstvollen Eltern in irgendeinem Vorstadtviertel oder vielleicht sogar jetzt aus der Tiefe Eures eigenen Herzens – von überall her steigt derselbe Ruf des Menschen nach Anerkennung, nach Zugehörigkeit, nach Einheit auf. Wer befriedigt diese wesentliche menschliche Sehnsucht, eins zu sein, eingeschlossen in eine Gemeinschaft, aufgebaut und zur Wahrheit geleitet zu werden? Der Heilige Geist!“

Benedikt XVI. lud alle dazu ein, Gott für das große Geschenk des Glaubens an die Dreifaltigkeit zu danken. „Wir gedenken unserer Eltern und Großeltern, die an unserer Seite gegangen sind, als wir Kinder waren und sie unsere ersten Schritte unseres Glaubensweges gestützt haben. Jetzt, nach vielen Jahren, habt Ihr euch als Jugendliche um den Nachfolger Petri gesammelt. Es erfüllt mich mit tiefer Freude, dass ich jetzt bei Euch bin. Lasst uns den Heiligen Geist anrufen: Er ist der Vollbringer der Werke Gottes. Lasst Euch von seinen Gaben formen!“

Besonders die jungen Menschen sollten die Gaben des Geistes in ihrem Alltagsleben entfalten und zur Geltung bringen. „Lasst Euren Glauben reifen in Studium, Arbeit, Sport, Musik und Kunst. Lasst ihn Unterstützung finden durch das Gebet und Nahrung durch die Sakramente und so Quelle der Inspiration und Hilfe für die Menschen in Eurer Umgebung sein.“

Abschließend erinnerte Benedikt XVI. alle noch an eine wichtige Wahrheit: „Das Leben dreht sich nicht um das Anhäufen von Gütern. Es ist weit mehr als Erfolg. Wirklich leben bedeutet, von innen her verwandelt zu werden, offen zu sein für die Energie der Liebe Gottes. Wenn Ihr die Kraft des Heiligen Geistes annehmt, könnt auch Ihr Eure Familien Gemeinschaften und Nationen verwandeln. Setzt die Gaben frei! Lasst Weisheit, Stärke, Gottesfurcht und Frömmigkeit die Zeichen Eurer Größe sein!“

Vor Beginn der Vigil hatten viele Jugendliche, die erwartungsvoll der Ankunft des Papstes harrten, folgende Grußbotschaft auf ihren Mobiltelefonen empfangen: „Lieber Freund, Du musst heilig und missionarisch sein. Trenne niemals Heiligkeit von Mission – BXVI.“ („Dear friend, u must be holy & u must be missionary: never separate holiness from mission – BXVI.“).