Gleiches gleich, Ungleiches ungleich behandeln: Kardinal Schönborn fordert Schutz der Ehe

Kritik am Gesetzesentwurf für Lebenspartnerschaften gleichgeschlechtlicher Paare

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WIEN, 24. Mai 2008 (ZENIT.org/PEW).- Kardinal Schönborn hat bei der diesjährigen Fronleichnamsprozession (22. Mai) durch die Wiener Innenstadt die von der österreichischen Regierung angestrebte Gleichstellung der Institution Ehe mit der Lebenspartnerschaft gleichgeschlechtlicher Paare zurückgewiesen. Es sei zu hoffen, dass „der Weg in diese gesellschaftspolitisch falsche Richtung doch nicht begangen wird“, betonte der Kardinal in seiner Predigt auf dem Josephsplatz.

„Nennt das Runde rund und das Eckige eckig. Oder der Staat geht zugrunde“, forderte der Wiener Erzbischof mit einem Konfuzius-Wort. Keine Gesellschaft halte es auf die Dauer aus, wenn „Worte verschleiern statt zu enthüllen, wenn sie vernebeln statt zu klären“. Es solle durchaus für eine „solide rechtliche Absicherung für Menschen gesorgt werden, die einander nahe sind und zusammen leben“, aber dazu bedürfe es nicht eines anderen Gesellschaftsmodells, wie es derzeit „von manchen angestrebt wird und mit großem Druck durchgesetzt werden soll“. Ohne lebensoffene Familie gebe es keine Zukunft", bekräftigte Kardinal Schönborn.

Es gehe darum, „Gleiches gleich und Ungleiches ungleich“ zu behandeln, wobei es in jedem Fall Voraussetzung sei, die Dinge klar zu benennen. Der Entwurf zum Lebenspartnerschaftsgesetz folge insgesamt dem Ehegesetz, der Ort des Eingehens von solchen Partnerschaften soll das Standesamt sein, bloß die Adoption von Kindern sei noch nicht vorgesehen, erinnerte der Wiener Erzbischof. Die Ankündigung, dass in einem weiteren Schritt sogar das Ehegesetz an das Lebenspartnerschaftsgesetz angeglichen werden soll, lasse eine noch weitere Gleichstellung des Instituts der Ehe mit der Lebenspartnerschaft erwarten. Gerade durch die angestrebte Gleichsetzung würde aber Ungleichbehandlung geschehen, denn die Dimension der Ehe im Hinblick auf Zeugung und Erziehung von Kindern werde vernachlässigt, die Bedeutung dieser Institution dadurch bagatellisiert, ihre Beiträge „letztlich gering geschätzt“.

Schön wäre es, wenn die Maßnahmen und Unterstützungen verstärkt würden, „die mancher Frau und mancher Familie ihr Ja zum Kind erleichtern“ könnten, unterstrich Kardinal Schönborn. Alle Energien sollten für junge Familien mit Kindern aufgewendet werden; diese Familien kämen heute oft genug in die Nähe der Armutsgrenze und würden auch noch gesellschaftlich „an den Rand gedrängt“. Und doch seien es diese Familien, die „durch manchen herben Verzicht und durch viele ganz reale Opfer“ die Zukunft sicherten: „Wer sorgt für den sozialen Zusammenhalt im Land, wenn nicht in erster Linie die Familien, die für das Leben offen sind?“

Der Wiener Erzbischof formulierte seine Hoffnung, dass Gott im Sinn des Evangeliums vom Fronleichnamsfest Österreich ein „Wunder der Brotvermehrung“ schenken möge: „Ein neues Ja zum Leben, eine Zukunft, in der Kinder willkommen sind“. Die Äußerungen des Kardinals wurden spontan mit Applaus quittiert – ein Vorgang, den es bisher beim „Stadtumgang“ noch nie gegeben hatte.

Am „Stadtumgang“ nahmen tausende Gläubige teil, unter ihnen der Apostolische Nuntius, Erzbischof Edmond Farhat, der neue Wiener Weihbischof Stephan Turnovszky und der Weihbischof der kalifornischen Diözese San Diego, Salvatore Joseph Cordileone. Auch Repräsentanten des öffentlichen Lebens nahmen an der Prozession durch die Straßen der Inneren Stadt teil, an der Spitze der Zweite Präsident des Nationalrats, Michael Spindelegger, und Wissenschaftsminister Johannes Hahn.

Eine neue Bürgerinitiative macht gegen das viel kritisierte Gesetzesvorhaben mobil und sammelt noch bis zum 4. Juni Unterschriften. Die Anerkennung der unverzichtbaren Leistung, die die Familie für die Gesellschaft erbringt, und das Recht der Kinder auf Vater und Mutter stehen im Mittelpunkt der ökumenischen Initiative Neinzurhomoehe.

„Homosexuell Fühlende haben in unserem Land all die Rechte, die jeder Österreicher hat“, erklären die Initiatoren. „Diese Rechte sollen sie auch haben, es gibt aber keinen Grund, ihnen Privilegien zu geben, die durch keine Leistung für die Gesellschaft begründet sind. Es gibt keine andere Verbindung, die der Ehe als dauerhafter Beziehung zwischen Mann und Frau wirklich gleich sein kann. Daher soll keine andere Verbindung so wie die Ehe behandelt werden. Gleiches soll gleich, Ungleiches ungleich behandelt werden!“