"Global Risks 2014" veröffentlicht

"World Economic Forum" in Davos

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 206 klicks

Während des alljährlich in Davos stattfindenden Treffens des „World Economic Forum“ (WEF), einer unabhängigen internationalen Organisation mit Sitz in Genf, wurde gestern der Bericht „Global Risks 2014“ veröffentlicht, an dem mehr als 700 Fachleute gearbeitet haben. In dem Bericht heißt, in den kommenden zehn Jahren werde die Schere zwischen Arm und Reich zu einer der größten Gefahrenquellen für die Gesellschaft werden. Ganze Länder und Industriezweige erlitten im Ernstfall einen erheblichen ökonomischen Schaden. Staatshaushaltskrisen stellen laut der Experten eines der weltweiten Risiken dar, das ganze Systeme und Länder ernsthaft bedrohen könne.

Die Verfasser unterteilten die möglichen Risikofelder in insgesamt fünf Gruppen: Wirtschaft, Umwelt, Geopolitik, Gesellschaft und Technologie. Innerhalb jeder Gruppe werden die Risiken nach Wahrscheinlichkeit des Eintritts und Konsequenzen geordnet.

Der Studie zufolge, die unter Mithilfe von Sachverständigen von Marsh & McLennan Companies, Swiss Re, der Zurich Insurance Group, der Oxford Martin School (Universität Oxford), der National University of Singapore und des Wharton Risk Management and Decision Processes Center (Universität Pennsylvania) verfasst wurde, stellen extreme Wetterereignisse mit oft verheerenden Auswirkungen für die Wirtschaft eines ganzen Landes oder einer Region die zweithäufigste Risikogruppe nach dem Einkommensgefälle zwischen Arm und Reich dar, bestehende Strukturen bis in ihre Grundfesten zu erschüttern, gefolgt von den Risikofaktoren Arbeitslosigkeit, Unterbeschäftigung, Klimawandel und Cyber-Attacken.

„Jedes im vorliegenden Bericht beleuchtete Risiko birgt das Potenzial, ein weltweites Versagen zu verursachen. Die eigentliche Gefahr steckt aber im Umstand, dass diese Risiken miteinander verknüpft sind und dadurch eine gesteigerte Wirkung entfalten können“, so Jennifer Blanke, Chefökonomin des World Economic Forum. „Eine enge Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Interessengruppen ist von entscheidender Bedeutung, wenn wir uns wirksam mit der Existenz dieser Risiken auseinandersetzen und an sie anpassen wollen.“

Als ein besonders dringliches Problem bezeichnet der Bericht das Phänomen der Jugendarbeitslosigkeit, die in einigen Staaten fast die 50 Prozent-Grenze erreicht. David Cole, Group Chief Risk Officer der Swiss Re, erklärt dazu: „Viele junge Leute stehen heute vor einem schwierigen Unterfangen: Infolge der Finanzkrise und Globalisierung sieht sich die jüngere Generation in den reifen Märkten mit immer geringeren Beschäftigungschancen konfrontiert, gleichzeitig muss sie aber die alternde Bevölkerung unterstützen. Obwohl die Schwellenländer mehr Arbeitsplätze bieten, verfügen die Arbeitskräfte dort noch nicht über die breit gefächerten Kenntnisse, die zur Erfüllung der Nachfrage erforderlich wären. Es ist von zentraler Bedeutung, dass wir den Dialog mit den jungen Menschen aufnehmen und damit beginnen, Lösungen zu erarbeiten, um zweckmäßige Bildungssysteme, funktionierende Arbeitsmärkte, einen effizienten Wissensaustausch und jene nachhaltige Zukunft zu schaffen, auf die wir alle angewiesen sind.“

Ein weiterer wichtiger Punkt stellt laut Bericht der Umgang mit dem Internet dar. „Das Vertrauen in das Internet nimmt wegen Datenmissbrauchs, Hacking und Verletzung der Privatsphäre ab“, wie Axel P. Lehmann, Chief Risk Officer von Zurich Insurance Group, ausführt. „Eine Fragmentierung des Internets wäre jedoch der falsche Ansatz, um dieses Problem zu lösen. Sie würde nur den Nutzen, den wir alle aus dem Internet ziehen, zerstören. Wir sollten uns nicht in unserem eigenen Garten einmauern, sondern dringend handeln und die nötigen Sicherheitsnormen erarbeiten, um Vertrauen zurückgewinnen.“