"Good Night, and Good Luck": Spielfilm-Plädoyer für Pressefreiheit und einen Journalismus, der ethischen Prinzipien verpflichtet ist

Von José García

| 455 klicks

WÜRZBURG, 7. April 2006 (Zenit.org).- Im Zeichen des Aufstiegs des Nationalsozialismus wurde im Jahre 1934 in den Vereinigten Staaten ein Parlamentarischer Ausschuss ins Leben gerufen, der die Verbreitung von Nazipropaganda und -aktivitäten in Amerika untersuchen sollte: Dies war die Geburtsstunde des "Senatsausschusses zur Ermittlung von unamerikanischen Umtrieben" ("House Committee on Un-American Activities", HUAC). Nach dem Krieg befasste sich der HUAC unter der Leitung von Senator John Parnell Thomas indes vorwiegend mit kommunistischen Aktivitäten im eigenen Land. Die Arbeit des HUAC erreichte einen Höhepunkt im Oktober 1947, als der Senatsausschuss 14 Personen aus Hollywood in nichtöffentlichen Sitzungen befragte. Der Kongress veranlasste die Verurteilung von zehn Filmschaffenden ("Hollywood Ten") zu Gefängnisstrafen.



Eine zweite Welle von Anhörungen erfolgte im Jahre 1951: Unter Senator Joseph McCarthy wurden Schauprozesse gegen Beamte, Politiker, Angehörige der amerikanischen Army, Künstler, Wissenschaftler und andere geführt, die beschuldigt wurden, kommunistische Agenten zu sein. Eine filmische Abrechnung mit der McCarthy-Ära lieferte bereits 1976 Martin Ritts "Der Strohmann" ("The Front"). Darin entlarvt ein Kassierer (Woody Allen), der einem auf der schwarzen Liste stehenden Schriftsteller seinen Namen leiht, damit dessen Drehbücher aufgeführt werden dürfen, und dadurch unverhofft zum begehrten Fernsehautor aufsteigt, die zweifelhaften Methoden der Kommunistenjäger.

Basierend auf der wahren Geschichte des Fernsehjournalisten und fünfmaligen Emmy-Preisträgers Edward R. Murrow (1908 - 1965) rollt George Clooney in seiner zweiten Regiearbeit "Good Night, and Good Luck" einen Fall aus dem beginnenden Niedergang des McCarthyismus auf. Murrow (David Strathairn) berichtet im Jahre 1953, als das Fernsehen noch in den Kinderschuhen steckte, in seinem CBS- Nachrichtenmagazin "See It Now" über den Fall des Navy-Piloten Milo Radulovich, der wegen "Sicherheitsrisikos" aus der Luftwaffe entlassen worden war. Trotz Warnungen aus Armeekreisen sowie aus dem CBS- Haus selbst, da die Fernsehchefs William Paley (Frank Langella) und Sig Mickelson (Jeff Daniels) um ihre Werbekunden bangen, entscheidet sich Murrow zusammen mit seinem Produzenten Fred Friendly (George Clooney) und seinem Team, gegen die suspekten Verfolgungsmethoden von Senator McCarthy vorzugehen. Der ausschlaggebende Sieg gelingt Murrow, als er McCarthys als historisches Originalmaterial in den Film eingefügte Stellungnahme sendet: Der Senator demaskiert sich selbst.

"Good Night, und Good Luck" basiert auf wahren Tatsachen: Durch die Ausstrahlung der Verhöre im Fernsehen schlug tatsächlich die öffentliche Meinung über die Methoden McCarthys um. McCarthy wurde daraufhin vom Senat das Misstrauen ausgesprochen. Er verlor schließlich auch den Vorsitz eines weiteren Ausschusses und verschwand von der politischen Bühne. In seiner minimalistischen, mit den Jazzstücken Dianne Reeves strukturierten Inszenierung lässt Regisseur George Clooney die Atmosphäre in der Frühphase des Fernsehens wieder erstehen. Aber nicht nur als Würdigung eines ethischen Prinzipien verpflichteten Fernsehens, sondern auch als allgemein gültige Hommage an den investigativen Journalismus lässt sich "Good Night, and Good Luck" lesen. Denn der aktuelle Bezug im Kampf für die Pressefreiheit wird etwa in der Aussage Murrows deutlich: "Wir können die Freiheit nicht außerhalb unseres Landes verteidigen und sie zu Hause mit Füßen treten."

George Clooney verwendet Schwarzweiß- Filmmaterial einerseits als ähnliches Stilmittel wie das permanente Rauchen dazu, die Zeit heraufzubeschwören, in der "Good Night, and Good Luck" spielt. Darüber hinaus erlaubt dieses Filmmaterial, das menschliche Antlitz brillanter auszuleuchten: Lässt eine kontrastreiche Ausleuchtung menschlicher Gesichter mit Farbfilm diese wie gefroren erscheinen, so modelliert es der Schwarzweißfilm kontrastreich und dennoch weich. In den 40-er Jahren führte diese glänzende Kameraaufnahme zu einer Idealisierung der weiblichen Stars – Greta Garbo, Joan Crawford, Jean Harlow –, die gerade zum Markenzeichen von Metro-Goldwyn-Meyer wurde. So wirken die Nahaufnahmen Patricia Clarksons in "Good Night, and Good Luck" denn auch als ein Echo auf die entrückten "Filmköniginnen" der vierziger und fünfziger Jahre. Gerade durch die Brillanz des modernen Schwarzweißfilmes dominieren die Augen Murrows alias David Strathairn den ganzen Film.

[© Die Tagespost vom 06.04.2006]