Gott hat etwas mit Kasachstan vor

Pater Martin Barta im Interview über seine Reise in das zentralasiatische Land

Rom, (ZENIT.orgKIN) | 487 klicks

Auf Einladung der katholischen Bischöfe Kasachstans hat Pater Martin Barta, geistlicher Assistent des weltweiten katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“, das zentralasiatische Land im April 2013 besucht. Kasachstan ist flächenmäßig das neuntgrößte Land der Welt. Dennoch leben hier nur etwa 16 Millionen Menschen; zehn Prozent von ihnen sind Christen. Die Zahl der Katholiken wird auf 200 000 geschätzt. Im Interview mit Reinhard Backes spricht Pater Barta über die aktuelle Situation der katholischen Kirche in Kasachstan.

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Pater Barta, welche Eindrücke bringen Sie von Ihrer Reise nach Kasachstan mit?


Kasachstan ist ungemein vielfältig. Dort leben Menschen aus 50 verschiedenen Volksgruppen zusammen. Sie kommen recht gut miteinander aus, die Gastfreundschaft ist groß. Die Vielfalt gilt übrigens auch für die Katholiken. Ihre Priester und die Ordensschwestern kommen aus verschiedenen Ländern und Ordensgemeinschaften. Insgesamt wirken in den vier Diözesen des Landes etwa 100 Priester und rund 150 Ordensfrauen.

Welche Rolle spielt die Religion heute in Kasachstan?

Kasachstan ist seit einigen hundert Jahren islamisch geprägt, doch die Religion wird oft lediglich als eine Art Familientradition verstanden, die nur an hohen Festtagen praktiziert wird. Daher grenzen sich die kasachischen Muslime meist nicht von den Angehörigen anderer Religionen ab. Wegen ihres Traditionsbewusstseins ist es für Kasachen andererseits schwierig, eine andere Religion anzunehmen.

Welchen Stand hat die katholische Kirche in Kasachstan?

In Kasachstan sind die Pfarrgebiete enorm groß, manche erstrecken sich über mehrere tausend Quadratkilometer. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus und der ersten Begeisterung über die Möglichkeit, seine Religion frei auszuüben, bleiben viele auf einmal den Gottesdiensten fern. Hinzu kommt, dass unter den Auswanderern der letzten Jahre auch viele Katholiken waren, sodass die katholischen Gemeinden jetzt ausgedünnt sind. Außerdem kennen viele Katholiken ihren Glauben nicht einmal richtig. Die Glaubensvermittlung ist für die Seelsorger daher ein brennendes Thema. Man könnte also denken, dass die Kirche in Kasachstan keine Zukunft hat. Und doch hat Gott mit diesem zentralasiatischen Land etwas vor. Entscheidend ist der Dienst der Priester, Ordensfrauen und der Gläubigen, die ihren Glauben an Christus auch in schwierigen Situationen mit Ausdauer bezeugen. Es kommt dabei nicht in erster Linie auf den Erfolg an, sondern auf das Beispiel.

Was braucht die katholische Kirche in Kasachstan besonders dringend?

Zunächst ist es wichtig, den Priestern und Ordensfrauen eine Existenzgrundlage zu schaffen. Sie haben ja kein festes Einkommen. Dann ist aber auch der Bau von Kapellen, Kirchen und Pastoralzentren wichtig. Zu Zeiten der Sowjetunion war es den Gläubigen nicht möglich, sich öffentlich zu versammeln. Seelsorge spielte sich nur in Privathäusern ab. Nun soll die Kirche in aller Öffentlichkeit präsent werden.