Gott in drei Personen

Impuls zum Dreifaltigkeitssonntag

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Von Msgr. Dr. Peter von Steinitz*

MÜNSTER, Freitag, 17. Juni 2011 (ZENIT.org). - Der heilige Johannes vom Kreuz, der große spanische Mystiker, wurde einmal gefragt, warum er so oft die Votivmesse von der Heiligsten Dreifaltigkeit zelebriere. Er sagte darauf mit einem Lächeln: „Weil sie die größte Heilige im Himmel ist”. Der verblüffte Fragesteller kam nach einigem Nachdenken zu dem Schluss, dass der Kirchenlehrer keineswegs den dreifaltigen Gott mit irgendeiner Heiligen verwechselt hatte. Er wollte wohl – scherzhaft – darauf hinweisen, dass die Dreifaltigkeit sich ganz unserem rationalen Verständnis entzieht. Was ist nun die Lehre der Kirche?

Gott ist der Eine, es gibt nur einen Gott (Monotheismus). Zugleich aber ist er dreipersönlich, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Der Vater zeugt den Sohn, und der Geist geht vom Vater (und vom Sohn) aus. Es handelt sich um drei von einander verschiedene göttliche Personen, und dennoch sind es nicht drei Götter, sondern nur ein einziger Gott.

Um das Geheimnis, denn um ein solches handelt es sich offenbar, noch größer zu machen, ist zu bedenken, dass der Vater nicht früher, in grauer Vorzeit oder bevor die Welt war, den Sohn zeugte und den Geist hauchte. Vielmehr geschehen diese für uns unvorstellbaren Vorgänge jetzt, immer. Und da wird uns klar, dass Gott wirklich „der ganz andere ist”, denn im Gegensatz zu allen Geschöpfen lebt Gott in einem ewigen Jetzt. Für die Geschöpfe ist die Zeit aufgeteilt in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Wäre das in Gott auch so, dann wäre er nicht vollkommen, denn die Teilung der Zeit in gestern, heute und morgen ist eine Unvollkommenheit. Im Jetzt haben wir keinerlei Herrschaft über das Vergangene und noch keinen  Zugriff auf die Zukunft. Das kann für Gott nicht zutreffen, denn dann wäre er nicht der absolute Herr.

Diese Gedanken, für deren Formulierung die christlichen Denker mehrere Jahrhunderte gebraucht haben, sollen uns aber nicht als theologische Spitzfindigkeiten vorkommen. Und es wäre falsch zu denken: das verstehe ich nicht, und die Hauptsache ist ja, dass ich an Gott glaube. An Gott glauben viele, aber es ist tatsächlich ein Unterschied, ob ich an einen Gott glaube, oder ob ich – auch in meinem Beten – die drei göttlichen Personen mehr oder weniger klar vor Augen habe. Natürlich kann ich zum Vater beten oder zu Jesus oder zum Heiligen Geist, immer richte ich mich dabei an den einen Gott.  Aber das Gebet gewinnt erheblich an Tiefe und Spannung, wenn ich einmal meine Gotteskindschaft betrachte (Gott ist mein Vater), dann wiederum Jesus als denjenigen, der mich so sehr liebt, dass er sein Leben für mich hingibt, und dem ich immer ähnlicher werden soll, bis ich „ein anderer Christus” bin, und schließlich den Heiligen Geist, der mich emporheben will, heraus aus der Verfallenheit an das Vergängliche, empor zu jener echten Vergöttlichung, die Gott uns schenken will. Einzige Bedingung: wir Menschen müssen bereit sein, dieses ungeheuerliche Geschenk anzunehmen.

An der Gestalt der Gottesmutter sehen wir in besonderer Weise dieses Hineingenommensein in den Dreifaltigen Gott. Maria ist Tochter Gottes, Braut Gottes und Mutter Gottes. Auch bei uns soll das Verhältnis zur Dreifaltigkeit ein familiäres sein, wenn auch in einem uneigentlichen, übertragenen Sinne. Mutter, Tochter, Braut – das ist nur sie, Maria. Aber der Herr hat einmal gesagt: „Wer den Willen meines himmlischen Vaters erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter” (Mt 12,50).

*Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt “ und „Leo - Allah mahabba“.