"'Gott ist die Liebe.' Liebe Freunde, seid Zeugen dieser Wahrheit": Begegnung Benedikts XVI. mit Ordensleuten, Seminaristen und Vertretern von kirchlichen Bewegungen in Tschenstochau

"Bewahrt in euren Herzen den Vorrang eures geweihten Lebens"

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TSCHENSTOCHAU, 26. Mai 2006 (ZENIT.org).- Heute Nachmittag verließ Papst Benedikt XVI. die polnische Hauptstadt Warschau, um den Marienwallfahrtsort Tschenstochau zu besuchen. Im Kloster von Jasna Gora, das aus dem 14. Jahrhundert stammt und über den höchsten Turm Polens verfügt, wird das Bild der Schwarzen Madonna aufbewahrt und verehrt. Jedes Jahr pilgern rund vier Millionen Menschen aus aller Welt dorthin, um vor der berühmten Mutter-Gottes-Darstellung zu beten.



Auch der Heilige Vater nützte die Gelegenheit, um an jener Stätte zu beten, wo sein Vorgänger Papst Johannes Paul II. vor 27 Jahren seinen Pontifikat unter den Schutz Mariens gestellt hatte. Beim anschließenden Treffen mit Ordensleuten, Seminaristen und Repräsentanten der kirchlichen Bewegungen und Gemeinschaften unterstrich Benedikt XVI. die Wirksamkeit der Marienverehrung und die Macht des Glaubens.

Er erinnerte alle geweihten Menschen daran, dass sie sich ihre Berufung nicht selbst ausgesucht hätten, sondern dass diese ein Geschenk Jesu sei, "der euch berufen und dazu eingeladen hat, eine tiefere Beziehung mit ihm einzugehen. Im Sakrament der Heiligen Taufe habt ihr dem Satan und all seinen Werken widersagt und die nötigen Gnaden empfangen, um ein christliches Leben zu führen und heilig zu werden. Von diesem Zeitpunkt an hat die Gnade des Glaubens in eurem Inneren zu wachsen begonnen und euch in die Lage versetzt, mit Gott verbunden zu sein." Mit dem Ja zur geistlichen Berufung hätten die Anwesenden auf viele gute Dinge verzichtet – darauf, "frei über euer Leben zu verfügen, eine Familie zu haben, Besitztümer zu erwerben" –, weil sie das Ziel gehabt hätten, vollkommen frei zu sein, "um sich Christus und seiner Königsherrschaft rückhaltlos hinzugeben".

In diesem Zusammenhang bekräftigte der Heilige Vater: "Wie wichtig ist es doch, an die Macht des Glaubens zu glauben, an seine Fähigkeit, eine ganz enge Verbindung mit dem lebendigen Gott herzustellen! Wir müssen großes Augenmerk auf die Entwicklung unseres Glaubens legen, damit er wahrhaftig all unsere Haltungen, Gedanken, Tätigkeiten und Absichten durchdringt. Der Glaube hat nicht nur in der Seele und in der religiösen Erfahrung seinen Platz, sondern vor allem im Denken und im Tun, bei der alltäglichen Arbeit, beim Kampf gegen uns selbst, im Gemeinschaftsleben und im Apostolat. Er ist die Garantie dafür, dass unser Leben von der Kraft Gottes selbst erfüllt ist. Der Glaube kann uns immer zu Gott zurückbringen – sogar wenn unsere Sünden uns in die Irre führen."

Papst Benedikt forderte alle dazu auf, die anfängliche Begeisterung für den eingeschlagenen Weg immer wieder neu zu entfachen. "Erinnert ihr euch an die Begeisterung, als ihr damit begannt, die Pilgerreise des geweihten Lebens anzutreten und auf die göttliche Gnade zu vertrauen? Versucht, diesen ersten Eifer nicht zu verlieren, und lasst euch von Maria zu einer noch vollkommeneren Anhänglichkeit an Christus hinführen. Liebe Ordensfrauen und Ordensmänner, liebe geweihte Personen! Welche Aufgabe euch auch immer anvertraut sein mag und welchen klösterlichen oder apostolischen Dienst ihr auch immer ausüben mögt: Bewahrt in euren Herzen den Vorrang eures geweihten Lebens."

Die Seminaristen rief der Heilige Vater dazu auf, einen regen Umgang mit der allerseligsten Jungfrau Maria zu pflegen: "Bleibt in ihrer Schule!" Die Mutter Jesu habe zu jedem Zeitpunkt ihres Lebens ihren Sohn vor Augen gehabt und von ihm gelernt. "Lasst euch von Maria führen, während ihr von Jesus 'lernt'. Richtet euren Blick fest auf ihn. Lasst zu, dass er euch formt, damit ihr bei der Verrichtung eures Dienstes in der Lage seid, ihn allen Menschen zu zeigen, die euch begegnen."

Bevor er den Mitgliedern der kirchlichen Gemeinschaften und Bewegungen für ihren fruchtbaren Dienst an der Kirche dankte und ihnen auch für die Zukunft reiche Früchte wünschte, bekräftigte der Papst: "Die Welt und die Kirche brauchen Priester, heilige Priester."

Abschließend verwies Benedikt XVI. auf die grundlegende Aussage seiner Enzyklika. "'Deus caritas est!' Das ist die wichtigste, die zentralste Wahrheit über Gott. Zu all jenen, denen es schwer fällt, an Gott zu glauben, sage ich auch heute wieder: 'Gott ist die Liebe' (1 Joh 4,16). Liebe Freunde, seid Zeugen dieser Wahrheit."